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Antibiotika – Fluch und Segen in der Medizin

Wer sich mit einer Erkältung, einem sogenannten grippalen Infekt, bei mir in der Praxis vorstellt, der erhält auf jeden Fall hilfreiche Tips für die schnelle Genesung sowie eventuell ein Schmerzmittel und eine Krankschreibung, um sich richtig auszukurieren. In der Regel aber kein Antibiotikum.

Die meisten Infektionen der oberen Atemwege sind viraler Ursache und Antibiotika wären hier sowieso nicht hilfreich, da diese nur gegen Bakterien wirksam sind. Früher wurde fast standardmäßig ein Antibiotikum auch bei oberen Atemwegsinfekten verschrieben. Geholfen hat es den Patienten nichts. Die Bakterien hingegen haben Strategien gegen die Antibiotika entwickeln können und nun haben wir viele Resistenzen der Bakterien gegen Antibiotika erzeugt. Auf der einen Seite helfen oder halfen Antibiotika ganz hervorragend auf gegen bakterielle Infekte, auf der anderen Seite wurden Sie oftmals unüberlegt eingesetzt. Dieses führt zu großen Problemen, die wir heute haben – Stichwort Krankenhauskeime.

Nun wurde es auch wissenschaftlich untersucht. Die Frage war, gab es mehr Komplikationen, wenn man weniger Antibiotika bei selbstlimitierenden Atemwegsinfekten verschrieb? Hierzu wurden in einer englischen Studie 610 Arztpraxen mit mehr als 4 Millionen Patienten genauer untersucht. Bei den 25% der Praxen, die den niedrigsten Antibiotikaverbrauch hatten, traten im Vergleich zu denen, die den höchsten Antibiotikaverbrauch hatten (ebenfalls 25%) etwas mehr Lungenentzündungen und Bauchhöhlenabszesse auf. Bei den anderen Komplikationen war jedoch kein Zusammenhang mit der Häufigkeit der Antibiotikaverordnungen zu beobachten.

Jetzt stellt sich die Frage, ob nicht Lungenentzündungen und Bauchhöhenabszesse den Einsatz von Antibiotika rechtfertig. Dieses ist ganz eindeutig mit „ja“ zu beantworten. Allerdings erst, wenn auch beides als Krankheit auftritt und nicht prophylaktisch. Denn hierdurch erzeugen wir nur noch mehr Antibiotikaresistenzen als wir sowieso schon haben.

Daher verschreibe ich auch zukünftigt Antibiotika wenn es notwendig und medizinisch indiziert ist, nicht aber prophylaktisch. Vorbeugend gibt es deutlich bessere Alternativen als ein Antibiotikum. Getreu dem Motto: Kopfschmerzen werden genommen, wenn der Kopfweh tut, nicht vorher.

Nachzulesen sind die Studienergebnisse übrigens im BMJ 2016;354:i3410 oder Sie klicken auf diesen Link: http://www.bmj.com/content/354/bmj.i3410