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Krankenhausspiegel-Brandenburg: gut, neu, notwendig?

„Patienten in Brandenburg können sich seit heute im Internet über die medizinische Qualität von Krankenhäusern informieren.“, so berichtet es das Inforadio vom rbb und schreibst es auf seiner Internetseite. Ein Blick in den Krankenhausspiegel unter https://www.krankenhausspiegel-brandenburg.de/startseite/ zeigt keine wirklichen neuen Erkenntnisse.

Jedes Krankenhaus ist seit 2005 verpflichtet, mindestens im 2 jährigen Turnus entsprechend des § 136b Abs. 1 Nr. 3 SGB V einen Qualitätsbericht zu veröffentlichen. Abrufbar ist dieser auf den Seiten eines jeden Krankenhauses und beispielsweise auch unter https://www.g-ba.de/institution/themenschwerpunkte/qualitaetssicherung/qualitaetsdaten/qualitaetsbericht/suche/

Egal ob im Krankenhausspiegel-Brandenburg oder unter dem Link des Gemeinsamen Bundesausschusses, es wird stets die medizinische Qualität eines Krankenhauses versucht zu objektivieren. Ein Blick auf die Druckgeschwüre (Dekubiti) im Krankenhausspiegel-Brandenburg unter dem Link zeigt, dass hier die Druckgeschwüre in Abhängigkeit der Patientenzahlen aufgeführt wurden. Besteht aber ein Zusammenhang zwischen Patientenzahlen und Anzahl der Druckgeschwüre? Sind also viele Patienten ein potentielles Risiko für Druckgeschwüre? Wohl kaum, denn sonst müssten in jedem ambulanten Operationszentrum Druckgeschwüre auftreten. Diese weisen teilweise Fallzahlen eines mittelgroßen Krankenhauses auf. Nicht verwunderlicherweise gibt es hier jedoch überhaupt keine Druckgeschwüre. Sind diese deshalb hinsichtlich der medizinischen Qualität besser als ein Krankenhaus oder ist die Bezugsgröße möglicherweise nicht korrekt? Die Vermutung, dass es sich um eine falsche Bezugsgröße handelt, liegt nahe. Eine geeignetere Bezugsgröße wäre die Liegedauer der Patienten. Denn je länger ein Patient in einer Einrichtung liegt, um so größer ist das Risiko für das Auftreten eines Druckgeschwürs. Also leider auch im Krankenhausspiegel-Brandenburg nichts tatsächlich Neues.

Vielleicht aber bezüglich Qualitätsindikatoren, die neben der zweifelsfreien medizinischen Qualität auch noch wichtig sind? Was nützt es, wenn ich medizinisch top behandelt werde, das Essen aber miserabel schmeckt, die Ärzte durchweg schlecht gelaunt sind und das Pflegepersonal aufgrund chronischer Überlastung ständig am motzen ist? Möchte ich mich in so einem Krankenhaus behandeln lassen? Trägt das zu einer optimalen Genesung bei? Wohl kaum.
Jeder Arzt kennt vermutlich den einen oder anderen Patienten, der schlecht über ein Krankenhaus redet, weil genau diese Parameter nicht gestimmt haben. Sie sollten, neben den notwendigen medizinischen Qualitätsindikatoren, ebenfalls in einer solchen Qualitätsoffensive Berücksichtigung finden.

Insgesamt also nichts wirklich neues. Lediglich die vorhandenen Zahlen aus den sowieso schon verpflichtenden Qualitätsindikatoren werden neu und anders zusammengestellt, jedoch nicht um subjektive Qualitätsindikatoren der Patienten, von denen die oben aufgeführt nur eine Auswahl sind, ergänzt.