Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, versucht auf der Homepage der Gedenkstätte Buchenwald die Ausgrenzung der Ungeimpften zu rechtfertigen.

Was war passiert? Der Thüringische Landtag sowie der Bundestag haben 2G Regeln für bestimmte Ausstellungsbereiche im kulturellen Bereich beschlossen. Diese wurden auch von der Gedenkstätte Buchenwald, die auf ihrer Homepage schreibst, dass es ihre Aufgabe ist, über Ausgrenzung und Gewalt in den Jahren 1937 bis 1945 aufzuklären, damit hoffentlich so etwas nie wieder passiert, übernommen.
Daraufhin wurde in den Neuen Medien darüber berichtet. Auf den Seiten der Gedenkstätte Buchenwald wurde hierauf Bezug genommen.


Quelle: Gedenkstätte Buchenwald

Wer ein bisschen die Neuen Medien liest, erkennt schnell, dass der Beitrag auf reitschuster.de veröffentlicht wurde. Wenn Sie Reitschuster lesen, dann wissen Sie über die Vergangenheit von Boris Reitschuster, seine Einstellung und können einschätzen, ob er eher rechts, links oder liberal anzusiedeln ist, denn das kommt gleich noch zur Sprache.

Ich habe mir natürlich die Veröffentlichung auf den Seiten der Gedenkstätte Buchenwald als auch den Beitrag auf den Seiten Boris Reitschusters durchgelesen und möchte gerne einmal den Versuch wagen, darzustellen, wie es sich, vermeintlich objektiv, in meinen Augen darstellt.

Prof. Dr. Wagner schreibst: “Seit einigen Tagen hetzen rechte und verschwörungsideologische Blogger in den sog. “alternativen” Medien gegen die Gedenkstätte Buchenwald und ihre Mitarbeiter:innen.” Auf den Seiten Reitschusters ist zu lesen: “Um nicht emotional zu werden, gebe ich hier einfach wörtlich wieder, was auf der Seite der Gedenkstätte im früheren Konzentrationslager Buchenwald zu lesen ist:” Dort findet sich kein Wort der Hetze oder einer irgendwie gearteten Verschwörungstheorie. Es ist reiner Journalismus wie er bis 2019 noch überwiegend betrieben wurde, indem einfach über eine Tatsache berichtet wird, ohne Wertung ohne Kommentierung, denn nur hier haben, welche Ideologien auch immer, ihren Platz in der objektiven Berichterstattung gehabt. Reitschuster als verschwörungsideologischen Blog zu bezeichnen, entbehrt schon jedweder Realität, in Anbetracht der Tatsache, dass Reitschuster 16 Jahre Journalismus beim Fokusmagazin gelernt hat und für diesen aus Russland berichtet hat. Aber unterstellt, Reitschuster wäre ein Verschwörungstheoretiker und würde zu den “alternativen Medien” zählen, wieso lässt sich dann der Gründer des renommierten Fokusmagazin, Helmut Markwort, dazu herab, mit und über Reitschuster positiv zu sprechen? Dann müsste man ihm sofort auch Verschwörungsideologien und “alternatives Medieninteresse” unterstellen.


Quelle: reitschuster.de

Also stimmt diese Beschreibung von Prof. Wagner keinesfalls. Es handelt sich bei dem Bericht auf den Seiten von Reitschuster weder um eine Verschwörungsideologie noch um ein “alternatives Medium”. Es handelt sich schlicht und ergreifend um einen journalistischen Beitrag, wie er bis 2019 zu Haufe zu finden war.

Seit dem die Veröffentlichung auf den Seiten der Gedenkstätte Buchenwald online ist, kommt es wohl zu folgenden Zuständen: “Seitdem die Hetzartikel im Netz kursieren, sind bei Beschäftigten der Gedenkstätte Buchenwald etliche Hassmails eingegangen. Zusätzlich müssen die Kolleg:innen drastische telefonische Beschimpfungen ertragen. Die Aggressivität, die uns entgegenschlägt, zeugt von einer erschreckenden Verrohung.”
Das eine Gedenkstätte über Vertreibung, Unterdrückung und schlußendlich Ermordung von Millionen Menschen so etwas erfahren muß und insbesondere scheinbar die einzelnen Mitarbeiter, ist weit weg von meinem Verständnis eines friedlichen Wiederstandes und darf keinesfalls geschehen. In einer zivilisierten Welt sollten Hassmails und Beschimpfungen keinen Platz haben, um seine Meinungen auszudrücken. Ich gehe davon aus, dass Prof. Wagner hier einen realen Zustand dessen beschreibt, was in seiner Einrichtung u.a. seinen Mitarbeitern derzeit widerfährt und finde dieses abscheulich.

Bemerkenswert finde ich den Satz von Prof. Wagner: “Am widerlichsten ist aber, dass die Corona-Schutzmaßnahmen mit den NS-Verbrechen gleichgesetzt sowie Ungeimpfte als “neue Juden” und Gedenkstättenmitarbeiter:innen als Nazis, Faschisten und neue Dr. Mengeles beschimpft werden.” aus zwei Gründen.
1.) Er scheint leider überhaupt nicht einmal die Gegenseite gelesen zu haben, bevor er hierüber schreibt. Denn gerade Boris Reitschuster schreibt in seinem Artikel Wort wörtlich: “Ich weigere mich stets hartnäckig gegen Gleichsetzungen (die in Deutschland leider stets mit Vergleichen verwechselt werden – obwohl ein Vergleich immer und mit allem zulässig ist, eine Gleichsetzung dagegen nicht).” und hat diesen Artikel am 25.11. veröffentlicht, wohingegen die Veröffentlichung auf den Seiten des KZ Buchenwalds einen Tag später erfolgte. Somit hätte Prof. Wagner den Artikel auf den Seiten von Reitschuster durchaus in Ruhe lesen können und die klare Unterscheidung zwischen Gleichsetzung und Vergleich wahrnehmen können.
2.) Es erweckt den Anschein, als ob Reitschuster in seinem Bericht die Begriffe neue Juden, Nazis, Faschisten und Dr. Mengele im Zusammenhang mit den Mitarbeitern der Gedenkstätte benutzt hätte. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Lediglich der Begriff Nazi taucht ganz am Ende des Berichtes auf, als eine reine Beschreibung der Gedenkstätte erfolgt. Die anderen Begriffe kommen in seinem Bericht überhaupt nicht und der Begriff Juden nur ein einziges Mal in einem Kommentar vor.

“Wer solche Beschimpfungen vorträgt und sich anmaßt, sich mit verfolgten Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus gleichzusetzen, instrumentalisiert und verhöhnt damit diejenigen, die Opfer der Verbrechen im Nationalsozialismus wurden.” Da mag man Prof. Wagner durchaus Recht geben. Aber im Zusammenhang mit dem Hinweis auf den Bericht auf den Seiten von Boris Reitschuster ist das natürlich völlig aus dem Kontext gerissen, denn, wie gesagt, Reitschuster hat sich ganz eindeutig von einer Gleichsetzung distanziert. Sachen aus dem Kontext zu reissen und darüber zu berichten, hat nichts mit Sachlichkeit zu tun.

Weiter ist von Prof. Wagner zu lesen: “Die Zugangsbeschränkung zur Ausstellung für freiwillig Ungeimpfte ernsthaft mit der rassistisch und antisemitisch motivierten Mordpolitik der Nazis gleichzusetzen, ist hanebüchen. (…) Sie werden nicht verfolgt, verschleppt oder ermordet.” Das stimmt, aber das hat auch nie jemand behauptet. Es wird von Ausgrenzung und Unterdrückung, nicht Wahrnehmung der freiheitlichen Grundrechte gesprochen, die im Rahmen von 2G Regelungen ganz augenscheinlich und insbesondere von Ungeimpften nicht mehr möglich sind. Richtig ist an der Aussage von Prof. Wagner lediglich, dass die Ungeimpften dieses freiwillig sind. Aber wieso werden Ihnen dann Grundrechte entzogen?

Die KZ Gedenkstätte Buchenwald erweckt den Anschein, also ob es eine vorübergehende Einschränkung ist und als ob sie sich den behördlichen Anforderungen unterwirft, indem dort zu lesen ist: ” (…) vorübergehend nicht in eine Ausstellung gehen können.” und “Damit folgt die Gedenkstätte behördlichen Vorgaben, die in Thüringen, das von der Corona-Pandemie derzeit besonders dramatisch betroffen ist, für alle Museen und Ausstellungen gelten.”
Ob und inwieweit Thüringen derzeit besonders dramatisch betroffen ist, möchte ich gar nicht weiter ausführen sondern verweise Sie gerne auf die Seiten des Intensivregisters, wo Sie die Lage selbst beurteilen können.
Viel erschreckender finde ich die Tatsache, mit welcher die Maßnahmen begründet werden, nämlich einfach und simple mit behördlichen Anweisungen. Wenn aber gerade am Ende des Artikel von Prof. Wagner richtigerweise geschrieben wird: “Im Nationalsozialismus herrschte hingegen eine brutale, rassistische Diktatur.”, ist dann nicht die Frage zu stellen, wie fingen die  brutalen, rassistischen Maßnahmen gegen die Juden denn an? “Propagandaaufwand die Vorbereitung einer Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte, Warenhäuser, Anwaltskanzleien und Arztpraxen.” waren der Anfang entsprechender Unterdrückungen und späteren Versuchen der brutalen Auslöschung einer Volks- und Glaubensgruppe. Es war natürlich keinesfalls so, dass Juden vom ersten Tag an ermordet wurden. Auch hier war es ein schleichender Prozess. 

Immer wieder wird auch von der Machtergreifung im Dritten Reich durch die Nazionalsozialisten gesprochen und auch der Artikel auf den Seiten der Gedenkstätte KZ Buchenwald lässt dieses vermuten. Dabei gelangte Hitler mit Hilfe der demokratischen Partei an die Macht, indem: “Die konservativen Parteien finden nicht genügend Unterstützung in der Bevölkerung. Sie setzen Reichspräsident Paul von Hindenburg unter Druck, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Sie hoffen, zusammen mit der NSDAP eine Mehrheitsregierung bilden zu können“.  (Ebenfalls nachzulesen unter Lebendiges Museum online und beim ZDF auch anzusehen). Das dieser Versuch und die Hoffnung der demokratischen Parteien anschliessend mit der NSDAP eine Mehrheitsregierung zu bilden, kläglich scheiterte und die Nazis anschliessend die ihnen übertragene Macht brutalst und menschenverachtenst ausnutzten, was zum anschliessenden Holocaust führte, ist absolut unbestritten und war vermutlich absehbar, wenn man die unsäglichen Hetzkampagnen der Hitlergefolgschaft in den 20ziger Jahren nur aufmerksam verfolgte.

Dennoch oder gerade deshalb, sollte eine Einrichtung wie eine Gedenkstätte gegen die Verfolgung Andersdenkender sich in meinen Augen nicht damit zu Frieden geben, Maßnahmen umzusetzen die von den Behörden angeordnet wurden und darauf zu hoffen, dass diese “schnell überwunden und die Beschränkungen beim Zugang zu den Ausstellungen sehr schnell wieder aufgehoben werden können.”. Vielmehr sollte gerade eine solche Gedenkstätte dagegen intervenieren, vorgehen, aufklären, zum gemeinsamen Diskurs aufrufen, denn noch letztes Jahr hätte sicherlich Keiner die heutigen Maßnahmen für umsetzbar gehalten, so wie 1932/1933 Keiner die KZs für zukünftig existent gehalten hat.