Faktenchecker sind vermutlich der Meinung, weil sie einmal krank waren, haben Sie Ahnung von Gesundheit(sdaten) und weil sie möglicherweise jemanden kennen, der gestorben ist, von Todeszahlen. Anders ist der aktuelle Bericht bei web.de von den vermeintlichen Faktencheckern nicht erklärbar.


Quelle: web.de

 

Bereits in der Unterüberschrift findet sich die erste Aussage, die ganz eindeutig aufzeigt, dass die Faktenchecker nicht so richtig wissen, wovon sie sprechen. Dort heißt es nämlich: “… Statistischen Bundesamtes zeigen zudem keinen solchen Trend.” Es gibt vom Statistischen Bundesamt noch überhaupt keine konkreten Sterbefallzahlen bezogen auf die einzelnen ICD-10 Codes zu den Jahren 2021 und 2022. Die letzten Zahlen, die abrufbar sind, sind Daten aus dem Jahr 2020. Die von der AfD angeforderten Daten bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) beziehen sich auf die Jahre 2021 und 2022. Somit ist diese Aussage schlicht und ergreifend falsch, da keine Daten diesbezüglich vorliegen.
Wenn man die Aussage etwas weiter fasst, kommt man sogar dazu, dass diese Aussage ganz eindeutig falsch ist, da grundsätzlich Daten über die Sterblichkeit allgemein vom Statistischen Bundesamt kürzlich veröffentlich wurden. Hier heisst es dann sogar: “Sterbefallzahlen im November 2022 um 7 % über dem mittleren Wert der Vorjahre”


Quelle: Statistisches Bundesamt

 

Und insgesamt hat das Statistische Bundesamt eine deutliche Übersterblichkeit, ganz unabhängig von den Gründen, festgestellt. Selbst die eher nicht mehr für besonders kritische Berichterstattung bekannte Tagesschau hat am 28.11. über die Übersterblichkeit berichtet.


Quelle: Tagesschau.de

 

Somit kann man bereits nach der Unterüberschrift sagen, dass die Faktenchecker mal wieder an den Fakten vorbei gecheckt haben.

Weiter geht es in dem Bericht mit einer Aussage, die man nur als blanken Unsinn bezeichnen kann.

Denn diese Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen dienen nicht der Erfassung von Todesursachen.”

1.) Krankenkassen heißen Krankenkassen, weil sie für die Diagnostik und Therapie von Krankheiten zuständig sind. Bekanntermaßen endet deren Verantwortungs- und Erfassungsbereich mit dem Tod des Patienten. Aus diesem Grund ist jede Leichenschau auch immer eine Privatleistung, die von den Hinterbliebenen zu begleichen ist. Die Krankenkassen interessieren sich schlicht und ergreifend nicht ausführlich genug für Todesursachen. Eine Abrechnung zwischen der Krankenkasse und der KV kann schon alleine deshalb nicht in Betracht kommen, da bei Toten nichts mehr abgerechnet werden kann. Die ICD-10 Codes im Rahmen einer Erkrankung dienen allerhöchsten der Abrechnung zwischen der Krankenkasse und der KV.

2.) Die Daten stammen überhaupt nicht von den Krankenkassen sondern wurden bei der KV angefragt.

Somit ist natürlich auch der weitere Verlauf der Faktenchecker völlig am Thema vorbei gecheckt: “Anscheinend handelte es sich nicht um die Abrechnungsdaten aller gesetzlich Versicherten…”. Richtig, es handelt sich überhaupt nicht um irgendwelche Abrechnungsdaten von irgendwelchen Versicherten. Es sind schlicht und ergreifend statistische Daten der KV von Verstorbenen, die jedoch nicht mehr versichert sind, da anderenfalls die Krankenkasse für die Leichenschauvergütung zuständig wären.
Es hat aber auch nie jemand behauptet, dass es Abrechnungsdaten der Krankenkassen wären. Mal wieder ein schönes Beispiel für einen Faktencheck einer Aussage, die gar niemand getätigt hat.

Eine weitere Falschaussage der Faktenchecker findet sich in dem Satz: “Ihre Präsentation (Anm. die Präsentation der AfD) enthält zahlreiche Diagramme, die den “drastischen” Anstieg von bestimmten ICD-Codes für Todesfälle mit unklarer Todesursache und “Plötzlichen Herztod” in 2021 zeigen sollen. ” Nein, die Präsentation der AfD spricht nicht einmal von einem “drastischen” Anstieg sondern stellt die Daten schlicht und ergreifend dar. Auch und gerade weil das Wort “drastisch” in Anführungszeichen gesetzt ist, ist das eine Unterstellung, dass diese Aussage von der AfD käme, was sie aber im Rahmen der Präsentation überhaupt nicht ist.

Weiterhin ist folgendes zu lesen:

Die Datenanalyse ist jedoch nicht aussagekräftig. Laut dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) sorgte die Art der Anfrage der AfD an die KBV dafür, dass sie nur ganz bestimmte Daten erhielt – und zwar von Menschen, für die 2021 eine ärztliche Behandlung abgerechnet wurde und die somit mutmaßlich bis zu jenem Jahr noch am Leben waren. Wenn sie in den Jahren zuvor noch am Leben waren, konnten für diese Patienten auch keine ICD-Codes für Todesursachen vergeben werden. Das würde die niedrigen Zahlen von 2016 bis 2021 und den plötzlichen Anstieg ab dem 1. Quartal 2021 erklären.

Das ist jedoch nicht das, was die KBV in ihrem Statement sagte. Hier heisst es:

muss sich der gesamte Datensatz auf Versicherte beziehen, die im Jahr 2021 mindestens eine ärztliche Leistung in mindestens einem Quartal in Anspruch genommen haben. Von diesen können logischerweise erst im Jahr 2021 Versicherte versterben, für die dann entsprechende Kodierungen erst in 2021 vergeben werden können. Der scheinbare Anstieg der Kodierungen für Todesfälle ist also eine logische Konsequenz der Datenauswahl und methodisch als Kohorten-Effekt bekannt. Bei dem sehr seltenen Auftreten einiger Kodierungen für Todesfälle in vorausgegangenen Jahren kann es sich bei dieser Kohorte hingegen nur um Fehler bei der Eingabe oder Übertragung handeln.“”

Zu beachten ist, dass die KBV die Daten überhaupt nicht anzweifelt. Ganz im Gegenteil. Sie liefert sogar indirekt die Bestätigung, dass die Daten richtig sind oder zumindest von der KBV falsch eingegeben oder übertragen wurden.
Hier lautet nämlich die Aussage: “Bei dem sehr seltenen Auftreten einiger Kodierungen für Todesfälle in vorausgegangenen Jahren …”. Genau, da diese Todes-ICD-10 Codes so derartig selten und stabil über zig Jahre hinweg aufgetreten sind, ist der Anstieg nunmehr mehr als exorbitant deutlich zu sehen. Und weiterhin heisst es in der Stellungnahme der KBV: “…hingegen nur um Fehler bei der Eingabe oder Übertragung handeln”.
Wenn ein Datenanalyst nur unbrauchbare Zahlen geliefert bekommt, kann natürlich auch die Auswertung nur falsch und unbrauchbar sein. Das ist aber nicht das Problem des Datenanalysten sondern der datenerfassenden Stelle, in diesem Fall der KBV.

Weiter schreiben die Faktenchecker:

Die ZI stellt in einer separaten wissenschaftlichen Einordnung zu den Daten klar, dass es nicht zulässig sei, aus Abrechnungsdaten für die gesetzliche Krankenversicherung die Entwicklung von Todesursachen abzuleiten. Denn die Codes seien keine Aussagen zu Todesursachen, sondern zu “Behandlungsanlässen” von Patientinnen und Patienten.

Richtig, das steht so ähnlich, aber sinngemäß richtig, in der Stellungnahme. Auch hier gilt wieder:

1.) Die Krankenkasse hat die Daten nicht zur Verfügung gestellt, sondern die KBV.

2.) Diese hat ganz sicher nicht alle Todesursachen ICDs, da diese nicht für die statistische Erfassung derselben verantwortlich ist.

Kleinlaut geben dann die Faktenchecker auch genau das, was ich hier beschreibe zu, in dem es heisst:

Das bedeutet nicht, dass Tom Lausen sich in der Analyse der KBV-Daten für die AfD verrechnet hat. Vielmehr sorgte laut ZI die Art der Anfrage dafür, dass die AfD nicht die vollständigen Abrechnungsdaten aller Versicherten erhielt und durch die eingeschränkte Datenauswahl der vermeintliche Anstieg von Todesfällen entstand.

Aber zuvor erst in epischer Breite beschreiben, dass der Datenanalyse, Tom Lausen, Aussagen tätigt, die nicht stimmen würden.

Da ich, wie Sie vermutlich wissen, selbst im Leichenschaudienst der KV tätig bin, kann ich Ihnen ganz sicher sagen, dass wir inzwischen eine massive Übersterblichkeit seit dem Beginn 2021 haben. Die Arbeit ist teilweise durch die diensthabenden Kollegen nicht mehr zu schaffen und Schichten werden vorübergehend doppelt besetzt, um überhaupt noch hinterher zu kommen. Die Wartezeit auf eine Leichenschau beträgt inzwischen teilweise bis zu 20 Stunden. Früher jammerte man schon, wenn man 6 – 8 Stunden auf einen leichenschauenden Arzt warten mußte.