Select Your Style

Choose your layout

Color scheme

Behandlungsfehler

Unter dem folgenden Link (http://web.de/magazine/gesundheit/diagnose-arztes-trauen-30652046) war kürzlich zu lesen, dass es in Deutschland zu bis zu 170.000 ärztlichen Behandlungsfehlern pro Jahr kommt. Bis zu ⅔ hiervon entfallen auf die stationäre Behandlung.

Jeder Behandlungsfehler ist zweifelsfrei und ohne Frage einer zu viel. Aber wie verhält es sich tatsächlich mit den Behandlungsfehlern? Was ist die Bezugsgröße?

Jährlich finden ca. 76 Mio. ambulante und ca. 19 Mio. stationäre Krankenbehandlungen in Deutschland statt. Wenn von den dort beschriebenen 170.000 Behandlungsfehlern ⅔ auf den stationären Bereich entfallen, so sind dieses etwa 113.000 stationäre Behandlungsfehler. Bezogen auf die ca. 19 Mio. stationären Behandlungen jährlich entspricht dieses einer Quote von 0,6%. Jeder 6 von 1.000 Behandelten erleidet somit einen Behandlungsfehler. Aber was ist ein Behandlungsfehler? Es gibt schwerwiegende (eine falsche Extremität amputiert) oder weniger schwerwiegende, ein nicht ganz optimales Medikament verordnet.

Bei den ambulanten Behandlungen (ca. 76 Mio.) ist die Quote der Behandlungsfehler (ca. 57.000) mit 0,075% noch viel geringer als bei stationären Behandlungen, was nicht überrascht, da stationäre Behandlungen natürlich häufiger per se komplizierter und bei schwerwiegenderen Grundvoraussetzungen stattfindet als die ambulante Behandlung.

Leider vermischt der Beitrag noch dazu Behandlungsfehler mit der Frage nach der korrekten Diagnosenstellung. Beides hat wenig mit einander zu tun, da sich aus einer falschen Diagnose nicht zwingend ein Behandlungsfehler ergeben muss. Sie sehen also, Statistik ist immer nur ein wertmäßiges Ergebnis, dass es zu bewerten gilt.

Allgemein möchte ich uns Ärzte nicht frei sprechen von natürlich vorkommenden Fehlern bei der Patientenbehandlung und finde, dass jeder Fehler einer zuviel ist. Nach dieser Veröffentlichung bin ich aber doch sehr beruhigt und sehe uns allgemeinen hin in einem recht guten und Verantwortungsvollen Umfeld, was nicht heißt, dass nicht die eine oder andere Behandlung verbessern werden kann. Siehe hierzu gerne auch meine News „Einfach mal Nichtstun“ (http://keilich.berlin/einfach-mal-nichtstun/)

Und selbstverständlich stehe ich Ihrem Wunsch offen gegenüber, wenn Sie mir sagen, wir sollten uns bei einer bestimmten Diagnose meinerseits noch eine andere Fachmeinung einholen. Ich kann diesen Wunsch durchaus verstehen und respektiere ihn.

 

26.05.2015

Diese Website verwendet Cookies zur Analyse von Websitezugriffen/Marketingmaßnahmen. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dieser Verwendung zu.