Heute habe ich bei web.de gelesen, dass Berlin in Kürze mit der Impfung gegen Affenpocken starten wird, wie wohl angeblich Gesundheitssenatorin Ulrike Gote verlauten ließ.


Quelle: web.de

 

Da war ich doch mal wieder sehr überrascht. Eine Impfung gegen Affenpocken? Es gibt überhaupt keine Impfung gegen Affenpocken, zumindest keine, die ich kenne und zugelassen ist. Aber das mit der Zulassung wird ja vermutlich sowieso nicht mehr so eng gesehen, nachdem bereits Sahin von BioNTech gefordert hat, Impfstoffe ohne Studien zuzulassen und er darüber hinaus sehr viel Erfahrung hat mit einem Impfstoff, der seit annähernd zwei Jahren überhaupt nicht regulär zugelassen ist, können wir vermutlich jetzt auch einen Impfstoff gegen Affenpocken, der weder vorhanden, noch geprüft, noch regulär zugelassen ist, verimpfen. Was dann da drin ist und wie dieses Experiment dann ausgehen mag, darüber vermag ich nur zu spekulieren, denn gesicherte Erkenntnisse gibt es keine.

In dem Bericht von web.de wird das RKI hinsichtlich der Übertragung wiedergegeben. Dort heisst es richtigerweise: “Der Erreger wird laut Robert Koch-Institut (RKI) meist durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen.” Mal abgesehen davon, dass der dort angegebene Link nicht funktioniert, was ich für schlechte journalistische Arbeit halte, schreibt das RKI auf seinen Seiten hinsichtlich der Übertragungsmöglichkeit folgendes:


Quelle: RKI

 

Was macht die Berliner Gesundheitssenatorin Ulrike Gote daraus? Eine eindeutige Stigmatisierung einer bestimmten Gruppe von Menschen: “Bisher bereitet sich die Krankheit in Berlin, soweit wir wissen, ausschließlich unter Männern aus, die Sex mit Männern haben.” Davon schreibt das RKI überhaupt nichts. Wieso ist dann wieder ein Stigmatisierung notwendig? Das RKI schreibt, es wird durch engen körperlichen Kontakt übertragen und Körperflüssigkeiten. Diesen haben bekanntermaßen auch Männer mit Frauen und Frauen mit Frauen. Aber nein, es müssen ja wieder die homosexuellen Männer sein. Widerlich solche Aussagen! Passt aber zu der Aussage, dass Berlin mit der Impfung gegen Affenpocken in Kürze beginnen wird, obwohl es überhaupt keinen Impfstoff gegen Affenpocken gibt.
So ist das eben mit dem Denken wenn man damit ein paar Probleme hat. Da ist sie bekanntermaßen in Berlin jedoch in guter Gesellschaft.

Und das mit dem Denken und den Problemen geht auch gleich noch weiter bei der Gesundheitssenatorin. Richtigerweise wird das RKI wie folgt zitiert: “Weil der Impfstoff zunächst nur eingeschränkt verfügbar ist, empfiehlt die Stiko, derzeit bevorzugt exponierten Kontaktpersonen eine Impfung anzubieten.” Was macht Fr. Gote draus? Sie bietet HIV-Schwerpunktpraxen, der Charité und der Klinik für Infektiologie des St. Joseph Krankenhauses in Tempelhof eine Impfung an. Wie kann eine ganze Praxis und ganze Krankenhäuser eine Kontaktperson sein?
Derselbe Fehler wurde auch schon zu Beginn der Coronaimpfung gemacht. Wenn die Erkrankung über engen körperlichen Kontakt und entsprechende Körperflüssigkeiten übertragen wird, dann sollte doch definitiv den Hausärzten eine Impfung als erstes angeboten werden. Damit würde Fr. Gote zeigen, dass sie sich neutral verhält und NICHT stigmatisiert. Aber das scheint überhaupt nicht ihr Ziel zu sein. Denn wenn nicht wir Hautärzte zur Risikogruppe gehören, denn Sie glauben gar nicht, mit welchen Hautläsionen Patienten zu uns in die Arztpraxen kommen, wer gehört dann zu einer Risikogruppe? Und wir müssen diese Hautläsionen natürlich untersuchen. Wir können uns nicht durch Untersuchungsverzicht davor schützen.