Corona – eine nüchterne Betrachtung

Täglich ändern sich die Informationen zum Coronavirus und zur hierdurch ausgelösten Covid-19 Erkrankung. Was aber ist, nüchtern betrachtet, an den Zahlen. Sind die Maßnahmen, die wir derzeit haben gerechtfertigt und was hilft uns weiter?
Stand heute (19.03.2020, 10:30 Uhr) haben wir deutschlandweit 10.999 Coronafälle registriert. 20 Menschen sind infolge einer Coronaerkrankung bisher gestorben.

Seit dem Beginn der klassischen Grippeinfektion im Herbst 2019 haben wir in Deutschland etwas über 145.000 Grippe infizierte. Hiervon starben bisher 247 Personen (0,17%) an der Erkrankung. 16% (23.200 Personen) mußten wegen Grippe in Krankenhäusern behandelt werden. Im Vergleich zur Vorwoche haben wir einen Anstieg der Grippeinfektionen um 22.920 Neuinfektionen, was einem Anstieg von 7,9% entspricht.

In der Aufstellung sehen Sie die Zahlen für Deutschland gegenüber gestellt:

Vergleich zwischen Influenza (echte Grippe) und Corona

Corona ist also bzgl. der reinen Daten mit denen der Influenza vergleichbar, wobei wir hier noch deutlich weniger Erkrankungen bezogen auf 100.000 Einwohner haben. Dieses liegt natürlich an der deutlich geringeren Zahl der Coronainfizierten. Zu erwarten ist, dass sich diese Zahl (Erkrankungen/100.000) bei Corona denen der Influenza noch annähern wird.

Diesen Zahlen sollen einmal zwei völlig anderen Erkrankungen gegenüber gestellt werden. Seit Jahrzehnten rauchen und trinken die Menschen. In Deutschland sterben jedes Jahr mehr als 120.000 Menschen, bedingt durch den Nikotinabusus. Hiervon gibt es deutschlandweit mehr als 17 Mio. An den Folgen des Alkoholmißbrauchs sterben jedes Jahr mehr als 70.000 Menschen, ebenfalls deutschlandweit. Mehr als 1,7 Mio. Menschen betreiben einen Alkoholmißbrauch und tausende müssen aufgrund entsprechender Erkrankungen jedes Jahr stationär deshalb behandelt werden.

Wieso kam es bei Corona zu diesen Zuständen, die wir derzeit sehen, obwohl die Lage bei der Influenza absolut vergleich bar ist? Es handelt sich schlicht und ergreifend um Panik und Hysterie. Die anfänglich veröffentlichten Zahlen in den Medien wurden stets ohne Bezug veröffentlicht. Nur wenn jemand entsprechende Recherchen betrieb, konnte er die Zahlen objektivieren. Dadurch entwickelte sich eine Panik und Hysterie, gegen die selbst die objektivierenden Stimmen nicht mehr ankamen, was die ganze Situation verschärfte und zu den jetzigen Zuständen geführt hat. Ein Zurück ist nun nicht mehr möglich.

Was hilft uns weiter? Als erstes auf jeden Fall überlegte Handlungen und keine Schnellschüsse. Die Chinesen, insbesondere in Wuhan, so war die Tage in einer versteckten kleinen Nachricht zu lesen, haben Angst vor einer erneuten Coronawelle. Dort wurden die Menschen 2 Wochen lang in Quarantäne geschickt und blieben dort. Das Virus hatte so keine Chance mehr, sich weiter auszubreiten. Ausrotten lässt es sich durch solche kurzfristigen Maßnahmen jedoch nicht. Wenn die Menschen also wieder schneller oder auch langsamer ihre täglichen Arbeiten und Gewohnheiten wieder aufnehmen, so kommt es zu einer weiteren Verbreitung des Virus. Isolationen einzelner oder auch ganzer Gruppen über einen gewissen Zeitraum sind also keine geeigneten Maßnahmen, um eine Virusausbreitung dauerhaft zu stoppen. Sie führen kurzfristig dazu, dass die Fallzahlen niedrig sind, führen möglicherweise zu einer Beruhigung in der Bevölkerung, führen aber nicht dauerhaft zu einer Lösung. Der Peak, der damit verhindert werden soll, wird nach hinten verschoben. Jeweils genau um den Zeitraum der Quarantäne, so sie vollständig erfolgen sollte.
Es grassieren immer wieder Zahlen, die natürlich Angst auslösend sind, jedoch nur auf Berechnungen beruhen. Wissenschaftlichkeit funktioniert aber nicht auf Berechnungen sondern auf validen, überprüfbaren, wiederholbaren Versuchen und Beobachtungen. Es könnte sein, dass wir tatsächlich alle 25.000 Intensivbetten in Deutschland für Coronaerkrankt benötigen und diese nicht ausreichen. Allerdings setzt dieses vollständig andere Parameter voraus, als sie derzeit vorherrschen. Das Virus müßte beispielsweise weiter mutieren, um eine andere Infektiosität zu erreichen. Es müßten auch jüngere, gesündere Menschen schwer erkranken, um nur ein paar veränderte Rahmenparameter aufzuzeigen.
Panik und Angst hilft uns also auf keinen Fall weiter. Isolation und Quarantäne hilft nur dann weiter, wenn sie so ausgedehnt wird, dass das normale, uns bekannte Leben, vollständig zum erliegen kommt und niemand mehr für Wochen oder gar Monate mehr irgendwohin geht. Diese Option scheidet vollständig aus.
Was aber hilft dann?
Es gibt zwei Möglichkeiten, damit wir im nächsten Winter nicht wieder vor derselben Problematik stehen, wie jetzt.
1.) Die Durchseuchung der Bevölkerung, damit diese nach einer durchgemachten Coronainfektion möglicherweise einen Eigenschutz aufbauen kann.
2.) Die Entwicklung und Verabreichung eines Impfstoffes.
Bei beiden Szenarien gilt jedoch auf jeden Fall einschränkend zu bemerken, dass wir Corona, im 1.) Szenario keines Falls und im 2.) Szenario nur bei einer Durchimpfungsrate der Bevölkerung von weit >95% ausrotten werden können. Ob sich jedoch entsprechend viele Menschen bei Verfügbarkeit eines Impfstoffes impfen lassen werden, ist fraglich, da dieses schon bei der Influenza nicht funktioniert.
Also werden wir sicherlich lernen müssen mit Corona zu leben. Wir werden weiterhin Erkrankungsfälle und auch Todesfälle bei Corona haben. Die Coronaerkrankung wird nach einem anfänglichen Peak, den wir gerade aufbauen, da wir noch keinerlei Schutz in der Bevölkerung aufgrund der Neuartigkeit des Virus für uns Menschen haben, eine jährliche Statistik wie bei der Influenza erhalten und verstehen, dass es eine ebenso schwere, schlimme und auch leider mit Todesfällen versehene Erkrankung sein wird. Einige werden sich zukünftig sicherlich dagegen impfen lassen, wenn es einen entsprechenden Impfstoff geben wird. Andere nicht. Bis dahin gilt es Ruhe zu bewahren, nicht blind, hektisch, teilweise schon hysterisch und unüberlegt zu agieren, sondern Maßnahmen zu ergreifen, mit einem ganz klaren Hintergrund, fundierten Informationen weshalb welche Maßnahme zu ergreifen ist und allgemeine hygienische Maßnahmen einzuhalten, so wie es stets gepredigt und leider selten umgesetzt wird.

Falls Sie an einer viel besseren Stellungnahme zu dem Thema interessiert sind, viel besser als ich es jemals vermag zu sein und zu schreiben, so empfehle ich Ihnen auf jeden Fall die Stellungnahme des EbM (Evidence based medicine) Netzwerks, in dem ich Mitglied bin.
Sie können die Stellungnahme unter diesem Link abrufen:
https://www.dropbox.com/s/6emcdwb17fx4frk/stn-20200320-covid-19-ebmnetzwerk.pdf?dl=0

Author Info

Dr. med. Matthias Keilich