Corona-Impfstoff

Überall ist in den letzten Tagen zu lesen, dass ein Coronaimpfstoff kurz vor der Zulassung und somit der Anwendung steht (https://www.tagesschau.de/inland/corona-impfstoff-faq-101.html, https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/mainz/biontech-mainz-zwischenbilanz-corona-impfstoff-100.html). Möglicherweise ergeben sich hierdurch viele Fragen bei Ihnen, die ich versuchen möchte in diesem Beitrag zu beantworten. Sollten danach noch Fragen offen bleiben, zögern Sie nicht und stellen Ihrem Arzt die Fragen.

Als erstes muß man verstehen wie ein Impfstoff überhaupt wirkt. Ganz allgemein wirkt ein Impfstoff, egal auf welcher Basis so, dass er dem Immunsystem etwas präsentiert, was das Immunsystem als fremd erkennen muß und somit versucht zu bekämpfen. Die Kunst dabei ist, dass das, was dem Immunsystem präsentiert wird, weder schwerwiegende Erkrankungen auslöst noch eine so heftige Immunantwort, dass diese gefährlich für den Körper werden könnte. Hierzu spritzt man Teile oder den gesamten Erreger manchmal in die Haut und häufiger in einen Muskel, wo es zu einer entsprechenden Immunantwort kommt. Bei dieser Immunantwort werden durch den Körper auch spezielle Gedächtniszellen gebildet. Kommt es dann zu einer erneuten Infektion mit dem Erreger, der dem Körper im Rahmen der Impfung zuvor präsentiert wurde, so erinnert sich der Körper daran und die Gedächtniszellen bilden sehr schnell Antikörper, die den entsprechenden Abwehrzellen dann aufzeigen, wo der Erreger vorhanden ist und abgetötet werden muß.

Falls Sie etwas tiefer in die Immunologie einsteigen möchten, so zeigt Ihnen das folgende Bild den Ablauf einer Immunreaktion, wie sie z.B. auch nach einer Impfung entsteht, zusammengefasst auf.

Darüber hinaus, falls Sie an einer weitergehenden Beschreibung des Immunablaufes interessiert sind, empfehle ich Ihnen die Onmeda.de Seite (https://www.onmeda.de/anatomie/immunreaktion_ablauf.html). Für alle, die das Standardwerk der Immunologie bevorzugen, sei der Janeway – Immunologie empfohlen. Hier erfahren Sie auf über 1.200 Seiten die gesamte Immunologie.

Um die folgenden Ausführungen zu verstehen, brauchen Sie jedoch nichts von alledem gelesen zu haben.

Die nächste Frage, die sich stellt ist die nach den Arten von Impfstoffen.


Es gibt insgesamt drei wesentliche Impfstoff:


1.) Totimpfstoffe: Hierbei enthält der Impfstoff einen abgetöteten Erreger oder Bestandteile davon. Der Vorteil von Totimpfstoffen ist, dass sie beispielsweise auch bei Personen mit Immunschwäche (z.B. durch eine notwendige medikamentöse Therapie) eingesetzt werden können. Als Nebenwirkung von Totimpfstoffen können, vor allem wenn vollständige abgetötete Erreger verimpft werden, Fieberreaktionen auftreten. Beispiele für Totimpfstoffe sind Impfungen gegen Hepatitis A und B, Pneumokokken oder auch die jährliche Influenzaimpfung. Totimpfstoffe sind seit vielen Jahrzehnten im Einsatz in der Medizin und wir kennen deren Wirkungen und Nebenwirkungen sehr genau.

2.) Lebensimpfstoffe: Hierbei werden lebende, aber infektiös abgeschwächte Erreger verimpft. Der Vorteil hierbei ist, dass hierdurch eine wirkliche tatsächliche Infektion simuliert werden kann, was eine deutlich umfassendere Immunreaktion zur Folge haben kann. Daher müssen Lebensimpfstoffe in der Regel auch nur einmalig verimpft werden, da die Immunantwort umfassender und damit dauerhafter ist als bei Totimpfstoffen. Der wesentliche Nachteil dieser Impfung ist, dass sie bei immungeschwächten Personen eigentlich nicht eingesetzt werden dürfen. Auch mit den Lebendimpfstoffen gibt es schon jahrzehntelange Erfahrungen. Die bekanntesten Beispiele für Lebendimpfstoffe sind z.B. Impfungen gegen Masern-Mumps-Röteln oder auch die Gelbfieberimpfung.

Viele Firmen forschen derzeit an Impfstoffen für eine Impfung gegen das Coronavirus. Teilweise werden hierbei die bekannten Impfstoffarten untersucht aber teilweise auch eine völlig neue Impfstoffart, nämlich der mRNA Impfstoff.
3.) mRNA-Impfstoffe: mRNA steht hierbei für messenger Ribonucleinacid. Jede Zelle eines Organismus enthält Erbinformation. Beim Menschen ist diese in der doppelsträngigen DNA abgelegt. Diese wird mittels bestimmter körpereigener Enzyme aufgeteilt und eine mRNA erstellt. Diese wird dann innerhalb der Zelle zu bestimmten Strukturen verbracht und dort abgelesen. So entstehen bestimmte Stoffe/Eiweiße, die für den Körper notwendig sind.
Viren verbringen ihr Erbinformationsmaterial (DNA oder RNA) in den menschlichen Körper, infizieren dort entsprechende Zielzellen. Hierdurch wird die Erbinformation des Virus in unserer Zelle vermehrt. Als Folge entstehen häufig neue Viruskopien der ursprünglichen Viruszelle, die menschliche Wirtszelle platzt und entlässt die neu kopierten Viruszellen. Hierdurch kommt es neben der (lokalen) Infektion im menschlichen Körper zu einer Infektiosität.
Bei einem mRNA Impfstoff wird nun ein Teil der “Übertragungsinformation”, die normalerweise durch den Einbau der Viruserbinformation in die Wirtszelle durch diese hergestellt wird, von außen über eine Impfung in den Körper eingebracht. Anschliessend muß der mRNA Strang in eine Zielzelle einwandern. Anschliessend werden dort durch die körpereigene Zelle entsprechende Virusinformationen selbst hergestellt, die auf der zuvor verimpften mRNA enthalten sind. Diese Informationen sind dann teile des Virus, auf die der Körper, so wie bei einer tatsächlichen Infektion, entsprechend Antikörper bilden und Abwehrmechanismen in Gang setzen kann.

mRNA Impfstoffe werden schon relativ lange in der Humanmedizin beforscht. Sie bieten vermutlich einige Vorteile, allerdings gibt es auch Kritikpunkte.
mRNA Impfstoffe sind in ihrer eigentlich Form extrem instabil, würden relativ schnell “zerfallen” und wären nicht lange haltbar. Hier gibt es die Möglichkeit die mRNA Impfstoffe bei bis zu -80° Celsius tiefzufrieren um sie auch über einen längeren Zeitraum haltbar zu machen. Alternativ dazu kann ein mRNA Impfstoff auch lyophilisiert protamin-formuliert werden, wodurch es sehr haltbar selbst bei hohen Temperaturen ist. Nachgewiesen wurde dieses beispielsweise bei einem Impfstoff gegen Tollwut. Hierdurch würde die aufwendige, derzeit geplante Logistik entfallen und jeder Arzt könnte problemlos den Impfstoff verimpfen. Durch die Haltbarkeit auch bei hohen Temperaturen bietet sich der Vorteil, dass auch in heißen, südlichen Ländern, wo häufig Kühlketten nicht aufgebaut werden können, Impfungen durchgeführt werden können.
Als Nachteil wird ganz eindeutig die fehlende Erfahrung in der Humanmedizin angesehen. Bei genetischen Impfstoffen (hier allerdings eher DNA-Impfstoffen) wird immer wieder die Tumorsuppressormöglichkeit diskutiert, wodurch möglicherweise Tumoren oder Autoimmunkrankheiten durch entsprechende Impfungen ausgelöst werden könnten. Ebenso ist nicht bekannt, wielange die mRNA schlußendlich im Körper verbleibt und was mit ihr eventuell im Körper geschieht.

Ob die Impfung mit einem mRNA Impfstoff also gut oder kritisch ist, kann abschliessend nicht sicher beurteilt werden. Es liegen schlicht und ergreifend bisher viel zu wenig Informationen vor, die die Frage abschliessend beantworten könnten.

Eine hervorragende Übersicht und weitergehende Informationen über einen mRNA Impfstoff finden Sie auch hier.

Eine sehr interessante Zusammenfassung, die auch ein Statement des früheren Chief Science Office von Pfizer sowie die eigenartigen Handlungsweisen des derzeitigen Pfizer-CEO Albert Bourla kurz beleuchtet, finden Sie hier.

Weiterhin kann ich Ihnen diesen Artikel hier sehr empfehlen. Er beschreibst hervorragend, was wir derzeit an Informationen zu dem neuen Impfstoff haben und welche Gefahren von ihm ausgehen.

Der in Medizinerkreisen sehr hochgeschätzte Arzneimittelbrief, da absolut pharmaunabhängig und werbefrei, interessenunabhängig berichtend, hat sehr große Vorbehalte gegen den nicht ausreichend geprüften Impfstoff gegen Corona. Die entsprechende Publikation, die sehr lesenswert ist, können Sie hier herunterladen.

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Dr. med. Matthias Keilich