Eine aktuelle Studie aus dem European Journal of Epidemiology hat den Zusammenhang zwischen der Impfquote und Covid-Erkrankungen untersucht. Untersucht wurde dieses in 68 Ländern weltweit und 2.947 Bezirken in den USA. Das Ergebnis ist mehr als ernüchtern und kann zusammengefasst werden mit der Erkenntnis, dass die Impfquote keinen Einfluß auf die Inzidenz hat.

Auf Länderebene scheint es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen dem Prozentsatz der vollständig geimpften Bevölkerung und den neuen COVID-19-Fällen in den letzten sieben Tagen zu geben (Abb. 1). Vielmehr deutet die Trendlinie auf einen leicht positiven Zusammenhang hin, d. h. Länder mit einem höheren Prozentsatz der vollständig geimpften Bevölkerung haben mehr COVID-19-Fälle pro 1 Million Einwohner. (At the country-level, there appears to be no discernable relationship between percentage of population fully vaccinated and new COVID-19 cases in the last 7 days (Fig. 1). In fact, the trend line suggests a marginally positive association such that countries with higher percentage of population fully vaccinated have higher COVID-19 cases per 1 million people.)

Das Fehlen eines aussagekräftigen Zusammenhangs zwischen dem prozentualen Anteil der vollständig geimpften Bevölkerung und den neuen COVID-19-Fällen wird beispielsweise durch einen Vergleich zwischen Island und Portugal verdeutlicht. In beiden Ländern sind über 75 % der Bevölkerung vollständig geimpft und es treten mehr COVID-19-Fälle pro 1 Million Einwohner auf als in Ländern wie Vietnam und Südafrika, in denen etwa 10 % der Bevölkerung vollständig geimpft sind. (The lack of a meaningful association between percentage population fully vaccinated and new COVID-19 cases is further exemplified, for instance, by comparison of Iceland and Portugal. Both countries have over 75% of their population fully vaccinated and have more COVID-19 cases per 1 million people than countries such as Vietnam and South Africa that have around 10% of their population fully vaccinated.)
Dasselbe Phänom kann man übrigens überall in Afrika beobachten, wo die Impfquote extrem niedrig ist (
Nur 1,6 Prozent geimpft – trotzdem sinkt die Zahl der Corona-Fälle in Afrika).

Es scheint auch keine signifikanten Anzeichen dafür zu geben, dass die COVID-19-Fälle mit einem höheren Prozentsatz der vollständig geimpften Bevölkerung abnehmen. (There also appears to be no significant signaling of COVID-19 cases decreasing with higher percentages of population fully vaccinated.)

Das, was sich in Afrika zeigt, zeigt sich ganz deutlich auch in den einzelnen US-Bezirken. Auch hier korreliert die Inzidenz negativ mit der Impfquote, wie die Autoren beschreiben.

Von den fünf Bezirken mit dem höchsten Prozentsatz an vollständig geimpfter Bevölkerung (99,9-84,3 %) werden vier von den US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) als Bezirke mit “hoher” Durchimpfung eingestuft. In den Bezirken Chattahoochee (Georgia), McKinley (New Mexico) und Arecibo (Puerto Rico) sind über 90 % der Bevölkerung vollständig geimpft, und alle drei werden als “hohe” Übertragung eingestuft. Umgekehrt sind von den 57 Bezirken, die von der CDC als Bezirke mit “niedriger” Übertragung eingestuft wurden, 26,3 % mit einem Bevölkerungsanteil von weniger als 20 % vollständig geimpft. (Of the top 5 counties that have the highest percentage of population fully vaccinated (99.9–84.3%), the US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) identifies 4 of them as “High” Transmission counties. Chattahoochee (Georgia), McKinley (New Mexico), and Arecibo (Puerto Rico) counties have above 90% of their population fully vaccinated with all three being classified as “High” transmission. Conversely, of the 57 counties that have been classified as “low” transmission counties by the CDC, 26.3% (15) have percentage of population fully vaccinated below 20%.)

Sehr schön finde ich, dass die Studienautoren ihre Erkenntnisse dahingehend in Frage stellen, ob möglicherweise der ursprüngliche Betrachtungszeitraum von 14 Tagen nach der Impfung zu kurz gewählt wurde. Diese Frage wird auch in dem Artikel ganz deutlich beantwortet.
Der oben beschriebene Befund, dass es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen COVID-19-Fällen und der Zahl der vollständig Geimpften gibt, wurde auch beobachtet, wenn wir eine Verzögerung von einem Monat bei der Zahl der vollständig Geimpften berücksichtigten. (The above findings of no discernable association between COVID-19 cases and levels of fully vaccinated was also observed when we considered a 1-month lag on the levels of fully vaccinated.)
Da wir inzwischen wissen, dass, je länger der Zeitraum nach einer Impfung ist, der Impfschutz um so schlechter wird, kann auch ein noch länger gewählter Zeitraum keine positive Korrelation herstellen.

Zusammenfassend kommen die Autoren zu der Erkenntnis: Das alleinige Vertrauen auf die Impfung als primäre Strategie zur Eindämmung von COVID-19 und seiner negativen Folgen muss überdacht werden, insbesondere in Anbetracht der Delta-Variante (B.1.617.2) und der Wahrscheinlichkeit künftiger Varianten. (The sole reliance on vaccination as a primary strategy to mitigate COVID-19 and its adverse consequences needs to be re-examined, especially considering the Delta (B.1.617.2) variant and the likelihood of future variants.)

Aber Deutschland impft immer schön weiter. Impfen wir uns möglicherweise in den vollständigen Wahnsinn? Schon Albert Einstein sagte: “Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.” Möglicherweise fängt die Erkenntnis “immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten” in Deutschland aber auch erst nach weiteren Impfungen an? Oder vielleicht ist bei uns ja alles anders als auf dem Rest der Welt und nur dort wird der Wahnsinn erkannt.