Daten zu analysieren ist oftmals schwierig aus den unterschiedlichsten Gründen heraus. Als Ergebnis kommt auf jeden Fall ein wertmäßiges Ergebnis heraus, d.h. es kommt heraus, dass z.B. so und so viele Menschen sterben, eine Abteilung diese oder jene Kosten verursacht. Ein wertmäßiges Ergebnis muß aber stets bewertet werden, um eine Aussagekraft darüber zu erhalten, ist das viel, wenig, schwer, leicht, groß, klein, etc.
Unterbleibt dieses, ist es lediglich ein Ergebnis, dass, je nachdem wie man veranlagt ist, einem Angst macht, einen verzweifeln lässt (aufgrund der Dummheit der unterlassenen Bewertung oder der scheinbar aussichtslosen Situation) oder einen zu eigenen Bewertung führt.
Die einfachste Form der Bewertung ist, das wertmäßige Ergebnis in Relation zu etwas anderem zu stellen.

Ich möchte Ihnen dieses anhand eines Beispiels verdeutlichen. n-tv berichtet, dass “… in China nach einer sehr engen Definition nur jemand als Corona-Toter gezählt, der nach einer Infektion an Lungenentzündung oder Versagen der Atemwege gestorben ist.”

 


Quelle: n-tv.de

 

Nun kann man lebhaft darüber streiten, ob die Chinesen ihre Coronatoten richtig oder falsch zählen. Ist jemand, der nach einem schweren Autounfall verstirbt und zuvor zufälllig positiv auf Corona getestet wurde an oder mit Corona gestorben?
Ich möchte diese Diskussion an dieser Stelle nicht weiterführen, da es in Deutschland leider nicht en vogue ist, Diskussionen zu führen, sondern einfach irgendwelche Zahlen nach zu plappern.

Deutlich interessanter ist in diesem Zusammenhang ein Bericht, der auf dieser Seite verlinkt ist, auf den ich geklickt habe, der sich auf dem großen Foto oben rechts befindet. und von schätzungsweise 9.000 Toten täglich ausgeht. 


Quelle: n-tv.de

 

Je nachdem zu welchen Typ (siehe oben) Sie gehören, kann das ganz unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. 

Eine Reaktion ist, dass man stutzig wird aufgrund dieser Zahl. Kann sie stimmen und sind das viele oder wenige, die in China sterben? Hier gilt es das wertmäßige Ergebnis (9.000 Tote täglich) zu bewerten. Eine Bewertung wäre beispielsweise, wie viele Sterben täglich bei uns?
In Deutschland mit 83.190.556 Einwohnern sterben täglich etwa 2.500 Menschen (vor der massiven Übersterblichkeit). Rechnet man dieses auf 1,412 Mrd. Chinesen hoch, so “dürfen” dort täglich 42.432 Menschen sterben, ohne dass dort die Sterblichkeit von unserer abweichen würde. Also sind 9.000 Menschen, selbst wenn sie, nach der deutschen Definition, an Corona und nicht nur mit Corona, entsprechend der chinesischen Definition, sterben würden, erst einmal überhaupt nicht beunruhigend.
Nur durch die wertmäßige Darstellung der Todesfälle in diesem Bericht wird allerdings etwas vollständig anderes suggeriert.

Ein weiterer Punkt ist in dem Artikel auch zu finden. Hier wird beschrieben, dass das chinesische, börsennotierte Bestattungsunternehmen Fu Shou Yuan International Group seinen Börsenwert in den letzten beiden Monaten nahe zu verdoppelt hätte. Auch ein wertmäßiges Ergebnis, welches ohne weitere Bewertung dazu führen kann, noch dazu im Zusammenhang mit der sehr suggestiven Berichterstattung, dass man Angst bekommt und doch von einer massiven Übersterblichkeit ausgehen könnten. Sieht man sich den Aktienkurs von Fu Shou Yuan International Group an, so zeigt sich das beschriebene Ergebnis dort tatsächlich, somit also das Ergebnis wertmäßig korrekt ist.


Quelle: Yahoo Finance

 

Aber Vorsicht! Auch hier muß das wertmäßige Ergebnis bewertet werden. In dem Bericht wird ein beliebter Suggestivtrick, der ganz oft im Controlling zu finden ist, angewendet. Dieser Trick heisst im Endeffekt: Man wähle den betrachteten Zeitraum so, dass man das gewollte Ergebnis bekommt. Damit bekommt man jede Abteilung, jede Kostenstelle effizient oder ineffizient. Je nachdem wohin man sie haben möchte. Wählen wir nämlich den Zeitraum größer, so zeigt sich, dass der Anstieg des Aktienkurses nur eine natürliche Erholung nach einer doch sehr starken und hier eher auffallenden Konsolidierung ist.


Quelle: Yahoo Finance

 

Und wählt man den Zeitraum noch größer, so zeigt sich eine allenfalls eine natürliche Schwankung des Aktienkurses.


Quelle: Yahoo Finance

 

Angemerkt an dieser Stelle sei noch, falls Ihnen dieses noch nicht selbst aufgefallen sein sollte und möglicherweise doch noch Angst macht, der erste massive Peak Mitte Juni 2018 hat rein gar nichts mit Corona zu tun, denn das gab es damals noch nicht. Hierfür waren ganz andere Dinge ursächlich, die ich nicht weiter recherchiert habe.

Auch web.de kann sehr gut ein wertmäßiges Ergebnis nicht richtig bewerten, wie es scheint. Dort ist heute (01.01.23) unter dem Fotobericht “Silvester in Berlin: 1.700 Feuerwehreinsätze und Attacken auf Einsatzkräfte” folgendes unter dem vierten Foto zu lesen: “Insgesamt musste die Berliner Feuerwehr mehr als 1.700 Einsätze fahren, fast 700 mehr als vor einem Jahr.”


Quelle: web.de

 

Natürlich kann man das gegenüberstellen, das Silvesterjahr 2021 und 2022. Wertmäßig kommt man dann 2022 zu deutlich mehr Einsätzen als 2021. Je nachdem, was man aussagen möchte (alter Controlingtrick), ist das auch sinnvoll, es zu tun. Aber mich interessiert doch nicht das Silvester 2021, in dem nichts so war wie in den Jahren zuvor. Mich interessiert der Vergleich 2019 und davor mit dem Silvesterabend 2022. Nur so, ist eine verlässliche Aussagekraft, ob es tatsächlich mehr Einsätze sind, zulässig.
Und sollte das der Fall sein, dann kann ich nach den Ursachen fragen. 

Es ist also extrem wichtig, nicht nur das wertmäßige Ergebnis zu bewerten sondern auch die geeignete Zeitdauer bzw. den geeigneten Zeitpunkt ins bewertete Ergebnis mit einzubeziehen.