Demenz ist definiert als eine neurologische Erkrankung, die durch den Verlust kognitiver Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Bei kognitiven Fähigkeiten handelt es sich um das Erinnerungsvermögen.

Jeder Arzt weis um die “Bösartigkeit” dieser Erkrankung. Obwohl sie nicht tödlich ist, gibt es weder ein wirklich hilfreiches Mittel gegen sie, noch kann man sie aufhalten, allenfalls in ihrem Fortschritt etwas verzögern.
Je länger die Demenz besteht, umso mehr Erinnerungsvermögen geht verloren. Umgedreht kann man sagen, je mehr Erinnerungsvermögen verloren gegangen ist, umso weit fortgeschrittener ist die Demenz. Wenn man sich also an Dinge, die vor 5 Jahren stattfanden und an denen man “beteiligt” war, nicht mehr erinnern kann, ist die Demenz durchaus als relevant ausgeprägt zu bezeichnen.

Wenn ich demente Patienten besuche, dann ist es mir immer wichtig, dass ein Angehöriger mit dabei ist, der mir tatsächlich erzählen kann wie die Situation ist und meine Fragen beantworten kann, da ich weis, das es der an Demenz erkrankte Patient leider nicht mehr kann.
Gerade heute Abend hatte ich noch einen Hausbesuch bei einer an Demenz erkrankten Patienten. Auf meine Frage wie sie denn schlafen würde, antwortete sie: “Gut”. Dann fragte ich, wann sie denn schlafen würde. Ob sie Nachts gut schlafen könnte. Auch hier war die Antwort: “Sehr gut.”. Ein Blick zu der anwesenden Angehörigen zeigte mir, dass dieses keinesfalls stimmen kann. Es stellte sich heraus, dass ich leider Recht behalten sollte.

Auf der Rückfahrt von dem Hausbesuch hörte ich im Radio zufällig Nachrichten und dort wurde eine Rede des Bundeskanzlers vor dem Kabinett eingespielt.
“Wenn man die Sorgen und Berichte aus dem letzten Jahr noch einmal zurück in Erinnerung ruft (…). Vertrauen Sie mir, vertrauen Sie der Bundesregierung.” Nach zu hören z.B. bei Youtube.

Ich persönlich liebe alle meine dementen Patienten. Die Gespräche mit Ihnen sind so herzlich und herrlich. Pflegen möchte ich keinen von diesen, da ich weiß, wie herausfordernd die Pflege ist und ich bewundere jeden, der einen an Demenz erkrankten Pflegt. Sie können sich nicht daran erinnern wie die letzte Nacht war, schwören Stein und Bein darauf, dass diese ganz wunderbar entspannt war, sind immer überzeugt sie erzählen die absolute Wahrheit und verstehen nicht, wieso man ihnen das alles nicht glaubt.
An das, was 2009 und früher war, können sie sich, so die Demenz weiter fortgeschritten ist, jedoch leider nicht mehr erinnern. Und bei diesem Fortschritt der Erkrankung ist auch das Kurzzeitgedächtnis und eine adäquate Handlungsfähigkeit nicht mehr vorhanden bzw. gegeben.


Quelle: Merkur

 

Aber vertrauen soll man ihnen.
Das sind die Momente, die mich nicht nur einfach erheitern. Diese armen Menschen merken leider gar nicht wie krank sie sind. Ich finde diese Erkrankung so bitterböse. Gleichzeitig sind aber die Unterhaltungen so herzerfrischend, da sie so davon überzeugt sind, dass sie die Wahrheit sagen und überhaupt gar nicht verstehen, dass man ihnen (leider) natürlich nicht vertrauen kann. Sie können sich nämlich an nichts mehr erinnern.

Ich war kurz davor auf den Standstreifen zu fahren, weil ich vor lauter Lachen so derartig viele Tränen in den Augen hatten, dass ich mich nur noch ganz schwer auf den Verkehr konzentrieren konnte. 
Einem Demenzkranken vertrauen, der mich dazu auch noch direkt aufruft. Einfach herrlich. Lustiger kann Medizin mit kranken Menschen nicht sein!