Bereits letztes Jahr, als mir alle irgendetwas von einer Pandemie erzählt haben und ich diese nicht nachvollziehen konnte, fragte ich einige Kolleginnen, was sie glauben, woran Menschen im Mittelalter, die damals bekanntermaßen wirkliche Pandemien hatten, wohl völlig ohne Internet, ohne Fernsehen, ohne Printmedien, ohne Mobiltelefone oder Telefone überhaupt und bei einem maximalen täglichen Bewegungsradius von allerhöchstens ein paar Kilometern, bemerkt haben, dass es eine Pandemie geben würde? Oder zumindest, selbst wenn Sie den Begriff eventuell noch nicht kannten, woran sie damals gemerkt hätten, dass etwas ernstes passieren würde? 

Dieses lies die Kolleginnen einen Moment innehalte und ich erinnere mich noch wie heute daran, als eine sagte: “Die Menschen lagen tot auf den Strassen.”. Genau. Das ist das Merkmal einer Pandemie. Und die Menschen liegen heute nicht deshalb tot auf unseren Strassen, weil das Bestattungswesen so viel besser ist als vor 500 Jahren. Unser Bestattungswesen ist sehr schnell am Ende seiner Kapazitäten. Das haben wir ja letztes Jahr zur Jahreswende gemerkt. Plötzlich gab es Lockdown, Grenzen waren geschlossen und die Kühlkapazitäten einiger Bestatter waren übervoll. Die waren aber auch damals nicht übervoll, weil wir eine besondere pandemische Situation gehabt hätten, bei der übernatürlich viele Menschen gestorben wären. Bekanntermaßen gab es 2020 eine enorme Untersterblichkeit. Die Kapazitäten der Bestatter waren deshalb erreicht, weil der Lockdown und die Grenzschließungen, insbesondere in den grenznahen Regionen (Brandenburg <-> Polen und Sachsen <-> Tschechien), dazu führte, dass die Bestatter ihr Toten nicht mehr in den nahen ausländischen Krematorien kremieren konnten. Das Bestattungswesen ist auf solche Zustände nicht vorbereitet. Die Kremierungskapazitäten in den landesweiten eigenen Krematorien sind nicht annähernd darauf ausgelegt, alle bei uns Verstorbenen auch hier  zu kremieren.
Die Menschen liegen deshalb nicht tot auf den Strassen, weil es keine diesbezügliche Pandemie gibt und gab. 

Wenn es also keine Pandemie gibt, ist es auch nur logisch, dass seit Jahren nicht benötigte Krankenhauskapazitäten in Form von Intensivbetten oder auch gleich ganzen Krankenhäusern abgebaut werden. Denn in einer Pandemie baut mein KEINE(!) Krankenhauskapazitäten ab sondern fährt dieses möglichst massiv nach oben.

Die freien Intensivbetten wurden alleine dieses Jahr von 3.873 Betten zum Jahresanfang auf 2.305 Betten zum Jahresende (-1.568 Betten = -40%) abgebaut.

 

 

Die Notfallreserven auf den Intensivstationen wurden im selben Zeitraum ebenfalls konsequent weiterhin abgebaut und zwar von ursprünglich 10.487 Betten zu Beginn des Jahres auf 8.212 Betten zum Ende des Jahres (-2.275 Betten = -21%).

 

Der Abbau erfolgte nicht, wie möglicherweise angenommen werden könnte, weil der Bedarf gestiegen ist. “Kapazitätsabbau” von Betten kann stets durch zwei Möglichkeiten erfolgen. Möglichkeit Nr. 1: Die Betten werden gebraucht und es liegen jetzt x% mehr Kranke in den Betten. Dieses ist jedoch keineswegs der Fall. Die Belegung der Intensivbetten ist übers Jahr hinweg absolut stabil von 19.835 belegten Intensivbetten zu Beginn des Jahres auf 19.796 zum Jahresende (-39 Betten = -0,2%). 

Wenn also die Intensivbetten nicht mit zusätzlichen kranken Menschen belegt werden müssen, dann kann nur Möglichkeit Nr. 2 vorliegen, es handelt sich um einen Abbau, d.h. die Betten gibt es schlicht und ergreifend nicht mehr. Sie sind physisch weg, da sie, wie gezeigt, einfach nicht benötigt werden. Das ist so wie bei Ihnen. Sie brauchten schon seit Jahren kein Tonbandgerät mehr, also haben sie es konsequenterweise einfach entsorgt, weggeworfen, abgebaut.

Wenn Sie sich die Grafiken ansehen, dann sehen Sie, dass es zu “Spitzenzeiten” 12.595(!) freie Intensivbetten und 12.141(!) Notfallreservebetten gab. 

 

Hätten wir eine Pandemie, hätte man diese Kapazitäten niemals abbauen dürfen. Da aber die Kapazitäten nicht benötigt werden, hat man sie einfach abgebaut. Und konsequenterweise nicht nur Intensivbetten sondern weiterhin sogar ganze 34 Krankenhäuser in diesem Jahr geschlossen oder umgewandelt, wie unter anderem das Ärzteblatt berichtet hat.


Quelle: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/129920/34-Krankenhaeuser-werden-mit-Mitteln-aus-Strukturfonds-geschlossen

 

Und weil selbst Lungenfachkliniken nicht benötigt werden, anders natürlich, läge eine relevante Pandemie vor, in der Menschen regelmäßig schwere Lungenentzündungen entwickeln würden, hat man auch gleich eine Lungenfachklinik vollständig geschlossen.


Quelle: https://fz-borstel.de/index.php/de/sitemap/mediaservices/pressemitteilungen/2021/925-die-medizinische-klinik-borstel-schliesst-zum-ende-des-jahres

 

In der oben aufgeführten Drucksache 20/225 des Deutschen Bundestages heisst es auf Seite 5: “Auch wenn nach den Feststellungen des Abschlussberichts offenbar in erster Linie kleine Krankenhausstandorte geschlossen worden sind, trägt dies zu einer Strukturverbesserung bei, wenn es sich, wovon auszugehen ist, um wenig spezialisierte Krankenhäuser gehandelt hat.” Wer die Medizinische Klinik Borstel kennt oder sich auf ihrer Homepage über ihr Aufgabengebiet informiert, erfährt sehr schnell, dass es sich keineswegs um ein wenig spezialisiertes Krankenhaus handelt sondern um eine höchstspezialisierte Lungenfachklinik, die sich auf invasive Beatmungen nicht nur höchstspezialisiert hatte sondern teilweise einzigartiges Wissen hier erworben hat. Ich kann nicht verstehen, wie wenig Ahnung einige zu scheinen haben, die so etwas schreiben und sich darüberhinaus noch nicht einmal die Mühe machen, sich zu informieren, bevor sie etwas schreiben. 

Weiterhin sehr eigenartig finde ich die Tatsache, dass die Klinik in Borstel scheinbar aufgrund fehlender Rentabilität schliessen mußte. Eine Klinik, die höchstspezialisiertes Wissen im Bereich der Beatmungsmedizin erworben hat, schliesst in einer Pandemie, in der genau dieses Wissen somit scheinbar so wenig gefragt ist? Das ist eine sehr eigenartige Pandemie.

Sehr befremdlich finde ich auch einen Tweet des inzwischen aktuellen Gesundheitsministers aus dem Jahr 2019, der aktuell wieder “ausgegraben” wird und im Internet kursiert.

Da frage ich mich sofort, wieso weiß das Jeder, dass wir jede dritte oder sogar jede zweite Klinik schliessen sollten. Ich habe eben einmal meine 80 jährige Mutter angerufen und sie gefragt, ob sie dieses wüßte. Überraschenderweise hat sie es verneint. Ebenso mein 14 jähriger Sohn und  meine Frau, die etwas jünger ist als ich. Und ich bin sicher, wenn Sie eine solche Umfrage bei sich starten, dann ist das auch kaum vorhandenes Wissen. Komisch, wie dann aber plötzlich aus so vielen “Unwissenden” Jeder wird, der weiß, dass wir Kliniken schliessen sollten.

Sehr befremdlich und weit weg von jedwedem globalwirtschaftlichen Verhältnis ist auch die Aussage, dass wir dadurch (Anm.: die Klinikschliessungen) an anderen Kliniken (Anm.: die vermutlich nicht schliessen würden) mehr Personal zur Verfügung. Es gibt in Deutschland x Krankenhäuser mit y Personal. Wenn jetzt von den x Krankenhäuser z schliessen, bleiben x-z Krankenhäuser (Anm.: im Ergebnis <x Krankenhäuser) übrig. Das potentielle Personal y wird sich nicht wesentlich verringern hierdurch. Also haben wir am Ende eine reduzierte Krankenhausmenge bei konstantem Personal y. Und genau weil das große Krankenhausschliessen eingesetzt hat, fährt nun plötzlich genau dieses Personal ab nächstem Montag täglich 2x 120km mit dem Auto, um im nächsten Krankenhaus unterzukommen, wo eventuell genau dieses Fachkraft gebracht wird???? Ja…… – das hat irgendwie schon immer funktioniert. Genau deshalb ist der Fachkräftemangel im produzierenden Gewerbe auf dem Land noch nie ein Problem gewesen – glaube ich (und deshalb siedeln die sich ja auch alle dort an).
Schon der letzte Gesundheitsminister hatte, obwohl gelernter Bankkaufmann, von VWL wenig Wissen. Der aktuelle hat schon lange vor seinem Amtsantritt erkennen lassen, dass er davon gar keine Ahnung hat.