Schon wieder hat Lauterbach Zahlen veröffentlicht, die überhaupt nicht nachvollziehbar sind. Aber da ist er nicht der Einzige.

In dem web.de Bericht “Lauterbach zu Corona-Herbst: Es stehen schwierige Zeiten bevor” wird er mit den Worten: “Mit der Omikron-Subvariante BA.5 werde man zumindest am Anfang des Herbstes einen Anstieg der Fallzahlen erleben” zitiert. Ok. Gehen wir davon aus, es stimmt mal ausnahmsweise eine Prognose von Lauterbach, dann sehe ich allerdings nicht die schwierigen Zeiten, die uns laut Lauterbach bevor stehen. Wie wir wissen, ist die Omikron-Subvariante schon den ganzen Sommer über dominierend. Sie führt zu vielen Arzt-Patienten-Kontakten im ambulanten Bereich wegen klassischer Infektsymptome der oberen Atemwege. Einweisungen von infizierten Patienten in ein Krankenhaus ist aber keinesfalls die Regel sondern eher die absolute Ausnahme und scheint, wie selbst Dr. Thomas Voshaar – Chefarzt Bethanien Krankenhaus Moers in der WDR Lokalzeit, sagt, überhaupt nicht mehr vorzukommen:

Also eigentlich ist es vorbei. Es ist natürlich wie immer eine Frage der Definition aber unter Pandemie haben wir was ganz besonderes verstanden, nämlich eine große Bedrohung für die Menschen mit schweren Krankheitsbildern auch vielen Todesfällen und das ist eigentlich vorbei und es ist schon lange vorbei, weil wir die eigentliche Erkrankung Covid, ja, das ist ja die Erkrankung, weil wir das schon Monate in den Krankenhäusern eigentlich gar nicht mehr sehen.

Von daher verstehe ich nicht, wie eine Variante, die schon seit Monaten dominierend ist, keine wesentlichen Probleme zu verursachen scheint, nun plötzlich im Herbst ohne Änderungen uns vor schwierige Zeiten stellen sollte.
Das ist mir schon einmal das erste unverständliche an den Aussagen von Lauterbach.

Weiter geht es mit einer nachprüfbaren falschen Aussage zu den Sterbefällen. Er sagt: “Es seien schon jetzt zwischen 100 und 150 Corona-Tote pro Tag.” Wenn man sich die Daten des ihm unterstellten RKIs runterlädt und ansieht, dann kommt man auf ganz andere Zahlen. Zum einen ist nach wie vor überhaupt nicht klar, wer mit und wer an Corona stirbt, da man sich beharrlich weigert, entsprechende Untersuchungen vorzunehmen. Von daher unterstellen wir einmal, alle, die in der Statistik des RKIs aufgeführt sind, sind tatsächlich an Corona gestorben, was mindestens zu 50% falsch ist, da “Jeder zweite Omikron-Tote in der RKI-Statistik starb nicht am Virus“. Aber legen wir einmal die falschen RKI-Zahlen zugrunde, so haben wir derzeit Corona-Todesfälle im zweistelligen Bereich. Die letzte Woche, in der wesentlich über 100 Menschen pro Tag an Corona gestorben sind, war die KW 17/22, also im Zeitraum 25.04. – 01.05.. Und wenn man dann die Zahlen um die im Focus-Bericht angegebenen 50% korrigiert, dann muß man für eine Sterblichkeit von 100 – 150 Personen an Corona schon sehr weit zurück gehen.
In meinem letzten Leichenschaudienst am 26.08. kann ich das, ebenso wie in den Wochen und Monaten zuvor, nur bestätigen. Es ist noch nicht einmal ein positiv Getesteter gestorben. In den Altenheimen, in denen ich unterwegs bin, ist Corona im wesentlichen überhaupt kein Thema mehr. Nebenbei bemerkt und das, obwohl dort keiner der Bewohner auch nur irgendwann oder irgendwo eine Maske trägt.
Ich muß mich schon sehr lange zurück erinnern, die letzte Leichenschau vorgenommen zu haben, bei der ich mir ziemlich sicher war und keine Zweifel hatte, dass der Verstorbene an und nicht zufällig mit Corona verstorben ist. 

Nun kann man einwerfen, dass zufällig ich keine Leichenschauen bei an Corona Verstorbenen vornehme, da zufällig in meinem Dienst keine Patienten an Corona versterben. Es könnte auch Zufall sein, dass ein Kollege von mir, der ebenfalls Leichenschauen macht, dieselben Eindrücke hat. Ebenso zufällig könnte es sein, dass ich zwar viele Patienten sehe bzw. besuche, die zwar positiv getestet sind aber nach ein paar Tagen, spätestens nach zwei Wochen, wieder absolut gesund sind und somit keine schweren Verläufe zu Gesicht bekomme.
Man kann weiter davon sprechen, dass Herr Voshaar in seinem Bethanien Krankenhaus in Moers zufällig schon seit Monaten keine Covid-Patienten mehr sieht.
Damit wäre sowohl meine als auch die Sicht meines Kollegen und die von Herrn Voshaar sehr eingeschränkt und würde nicht die Realität abbilden.
Ich bin ehrlich, irgendwann werden die Wahrscheinlichkeiten so derartig abstrus, dass sie einfach nur noch konstruiert wirken und die Realität doch eben ganz anders aussieht. 

Weiterhin sagt Lauterbach in dem Interview, dass der Corona-Herbst kein Zuckerschlecken wird. Wenn man sich die Maßnahmen, die er sich gemeinsam mit Buschmann vorstellt ansieht, dann würde ich dieses sofort unterschreiben. Aber nicht wegen Corona. 

Neben Lauterbach ist aber auch der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, scheinbar nicht ganz korrekt informiert. Wirbt er doch allen Ernstes für mehr Paxlovid-Einsatz, “Zur Entlastung der Kliniken”


Quelle: n-tv.de

 

Zum einen habe ich ja so meine Schwierigkeiten, wem ich überhaupt Paxlovid verschreiben können sollte, wie Sie möglicherweise gelesen haben und auch Lauterbach hat mir auf meine Anfrage hin noch nicht antworten können. Darüber hinaus stelle ich mir gerade die Frage, tauchen wirklich nur bei Dr. Voshaar, dem Chefarzt des Bethanien Krankenhauses in Moers und Leiter der Klinik für Lungen- und Bronchialheilkunde keine Covid-Patienten mehr auf, aber überall anders?
Das lässt sich relativ leicht nachrecherchieren. Ein Blick auf die Seiten des Intensivregisters DIVI, dass vom RKI gepflegt wird, zeigt doch deutlich andere Zahlen.


Quelle: Zeitreihen DIVI Intensivregister

 


Quelle: Zeitreihen DIVI Intensivregister

 


Quelle: Zeitreihen DIVI Intensivregister

 

Nicht nur, dass die “Anzahl gemeldeter intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle” und die “Anzahl gemeldeter ITS-Erstaufnahmen von COVID-19-Fällen” deutlich rückläufig sind, auch der Bettenabbau der Notfallreservebetten, der schon seit Anfang an der Pandemie erfolgt, hält fröhlich weiter an, da sie schlicht und ergreifend nicht benötigt werden und ein nicht benötigtes ITS-Bett eine denkbar teure Investition in einem Krankenhaus darstellt.

Werfen wir abschliessend noch einen Blick auf die aktuellen Inzidenzen, die möglicherweise zu der Warnung von Lauterbach und der Empfehlung von Marx führen könnten und die ganze Situation dann doch irgendwie anders darstellt.


Quelle: Corona-Dashboard RKI

 

Auch hier das Bild, dass ich schon zuvor beschrieben habe. Wir hatten viele Arzt-Patienten-Kontakte in den letzten Monaten, ausgelöst durch die Omikron-Subvariante aber wenn wir uns die Situation im Nov. 2020 noch einmal ins Gedächtnis rufen, wo scheinbar die Krankenhäuser wegen Corona aus allen Nähten geplatzt sind (ob das tatsächlich so war, können sie oben an der Grafik des DIVI Intensivregisters selbst überprüfen), dann stellt sich schon die Frage, wie konnten wir den März diesen Jahres überhaupt überleben?


Ich zitiere an dieser Stelle noch einmal Hr. Voshaar: “Also eigentlich ist es vorbei.”