Nicht nur die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete die Tage über Lieferengpässe bei Medikamenten – bei UNS!!
Lieferengpässe für Medikamente kennt man aus Dritte Welt Staaten. Da ist die Frage durchaus zulässig, in was und vor allem in wie weit unterscheiden wir uns noch von einem Dritte Welt Staat?
Sollte die Beweislastumkehr, wie von der Innenministerin Faeser kommen, dann sind wir sogar noch einen Schritt hinter den Dritte Welt Staat getreten, nämlich direkt wieder ins Mittelalter. Da mußten Hexen auch nachweisen, dass sie keine Hexen sind. Gemeinsam mit dem Mittelalter sind ganz sicher die Versorgungsengpässe bei Medikamenten.
Allerdings fehlt in Deutschland nicht nur Fiebersaft, wie die Überschrift in der FAZ vermuten lässt.

 

Quelle: faz.net

 

Wären nur die symptombekämpfenden Medikamente in der Winterzeit für obere Atemwegsinfekte schwierig oder gar nicht zu bekommen, könnte man bei der derzeitigen Situation noch argumentieren, dass diese nicht so häufig vorkommt, als das man diese hätte voraussehen können und es ist nur ein vorübergehender Lieferengpass. Weit gefehlt.

Das BfArM führt derzeit weit über 300 Medikamente auf, bei denen es Lieferengpässe gibt.


Quelle: PharmaNet.Bund

 

In dem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist zu lesen: “Ressortchef Lauterbach kündigte am Donnerstag in Berlin an, in der kommenden Woche einen Gesetzentwurf vorzustellen, „wo es um die Überwindung der Lieferengpässe geht“. Ich bin fast geneigt auszurufen: “Wie wunderbar! Herr Lauterbach kümmert sich mittels eines Gesetzentwurfes um etwas, dass es eigentlich überhaupt nicht gibt.” Denn hätte er auch nur ein einziges Mal beim Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) nachgesehen, so hätte er erfahren, dass Deutschlands Patienten auf die Versorgungssicherheit vertrauen können, womit es keine Lieferschwierigkeiten geben kann.


Quelle: vfa – Weltweit an der Spitze: Arzneimittel „Made in Germany“

 

Nun werden Sie, wenn Sie aktuell erkältet sind und von mir die Empfehlung bekommen haben, zur Symptomlinderung auf Ibuprofen oder Paracetamol zurückzugreifen und insbesondere wenn Sie Kinder haben auf entsprechende Zubereitungen für Kinder und/oder von mir codeinhaltige Präparate zur Hustenstillung verschrieben bekommen haben, sicherlich der Versorgungssicherheit widersprechen und eher zustimmen, dass wir nicht nur Lieferschwierigkeiten haben sondern voraussichtlich auf unabsehbare Zeit überhaupt keine entsprechenden Medikamente erhalten werden.

Als wirtschaftlich weniger interessierter und ausgebildeter Verbraucher muß es ein Seegen sein, wenn sich dieses Problems nunmehr der Gesundheitsminister mittels eines Gesetzentwurfes annimmt.
Als wirtschaftlich qualifizierter Verbraucher stehen einem da leider nur noch die Haare zu Berge.

Es gilt zuerst einmal zu fragen, weshalb haben wir denn die Lieferschwierigkeiten, obwohl doch der vfa von der Versorgungssicherheit spricht?
Hierzu ein paar Beispiele:

  • 50 Tabletten Ibuprofen 400mg erhalten Sie für ungefähr 9,50€, was einem Tablettenpreis von 0,19€ entspricht
  • 20 Tabletten Paracetamol 100mg erhalten Sie für um die 2,99€, was einem Tablettenpreis von 0,15€ entspricht
  • 100 Tabletten ASS 500mg erhalten Sie für ungefähr 6,88€, was einem Tablettenpreis von 0,07€ entspricht.

Glauben Sie ernsthaft, dass Lieferschwierigkeiten dadurch behoben werden könnten, wenn man jetzt, so wie es Lauterbach scheinbar erkannt zu haben scheint, auch hier mit der Ökonomisierung zu weit gegangen ist?


Quelle: faz.net

 

Natürlich kann ein Gesetzentwurf dazu führen, dass die Arzneimittelhersteller ihre entsprechenden Arzneimittel zukünftig gewinnbringend auf dem deutschen Markt anbieten dürfen. Das hiesse dann aber, dass 50 Tabletten Ibuprofen vermutlich um die 18 – 20€ kosten, Paracetamol um die 10€ und ASS wahrscheinlich 25 – 30€ kosten darf.
Bitte wer soll und kann das bezahlen? Ihre Krankenkasse mit den derzeit erhobenen Krankenkassenbeiträgen sicherlich nicht. Soviel steht auf jeden Fall fest. Und wie möchte Herr Lauterbach dann der notwendigen Krankenkassenbeitragserhöhung entgegen treten? Wird es dafür wiederum einen Gesetzentwurf geben?

Ganz wunderbar ist auch, wenn wir von dem Gesundheitsminister erfahren, dass es aufgrund der angespannten Lage um kurzfristige Maßnahmen gehen muß. 


Quelle: Deutschland fehlt Fiebersaft – faz.net

 

Es mag allerdings sein, dass “kurzfristig” einen etwas anderen Zeithorizont, bei den betroffenen Akteueren hat, als es das bei mir hat. Wenn es derzeit, also in diesem Winter, die Lieferschwierigkeiten gibt, die es gibt, dann bedeutet kurzfristig für mich, dass ich noch diesem Winter Abhilfe schaffe. Dieser Winter und die mit ihm verbundene katastrophale Medikamentenversorgungslage wird voraussichtlich noch etwa 2,5 Monate anhalten. Dann beginnt das Frühjahr und die Situation wird sich schon allein jahreszeitlich bedingt entschärfen, ohne neues Gesetz oder Ideen des Bundesgesundheitsministers.

Denn wieso haben wir die aktuellen Lieferschwierigkeiten? Eben gerade weil die Preise für die oben angesprochenen Medikamente so derartig niedrig sind, wie sie sind. Denn natürlich produziert kein Arzneinmittelhersteller in Deutschland Ibuprofen, Paracetamol oder ASS im hiesigen Markt in nennenswerten Mengen. Zu diesen Preisen ist das völlig unmöglich. Alle diese Arzneimittel werden hauptsächlich in Indien, Pakistan und möglicherweise noch in China produziert. Hier geht das mit den jeweiligen Lohnkosten, Urlaubsregelungen und Arbeitnehmerrechten. Bei uns nicht. Hier sind die produktionstechnischen Anlagen für diese Medikamente längst  abgebaut und mit ihnen ist das produktionstechnische Know How abgewandert.
Entsprechende Anlagen werden aber keinesfalls “kurzfristig” wieder in Deutschland aufgebaut werden können, ganz zu schweigen vom produktionstechnischen Know How, das irgendwo ins nirgendwo abgewandert ist.

Aber schön, wenn es einen Gesetzentwurf geben wird, der “angesichts der angespannten Lage” zu “kurzfristigen Maßnahmen” zur Überwindung der Lieferkatastrophe führen wird. 

Übrigens, in 6 Tagen ist Heilig Abend, falls Sie noch nicht wissen, was Sie sich wünschen sollten.
Lauterbach scheint es schon zu wissen., was er sich wünscht.
Ob Ihr Wunsch in Erfüllung gehen wird, kann ich Ihnen nicht sagen, der eventuelle Wunsch des Gesundheitsministers wird es nicht, das weiß ich.