Ich habe heute bei web.de einen Bericht gefunden, der überschrieben war mit “Fünf Argumente, warum der Corona-Impfstoff besser ist als sein Ruf“. 

Darin werden die folgenden fünf Gründe angeführt:

  1. Gleich hohe Qualitätsstandards bei allen Impfstoffentwicklungen
  2. Das Rolling-Review-Verfahren erspart Zeit
  3. mRNA-Technologie ist nicht neu, aber zukunftsweisend
  4. Langzeit-Nebenwirkungen sind bei Impfstoffen nicht bekannt
  5. Impfschutz (teilweise) auch bei Mutationen    (100% Schutz, was für ein Quatsch).

Wir können einmal, so wie diese ganzen Faktenchecker, nur eben mit Ahnung, diese fünf Gründe näher untersuchen.

  1. Qualitätsstandards
    In dem Text ist folgendes zu lesen: “Im Gegensatz zu Großbritannien, das eine “Impfung” gegen Corona per Eilzulassung bereits Mitte Dezember genehmigt hat, muss in Europa eine Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA erfolgen und keine der drei für eine Impfstoff-Zulassung notwendigen Prüfphasen darf übersprungen werden.” In Großbritannien wurden auch keine der notwendigen Prüfphasen übersprungen. In Europa hat die EMA die erste “Impfung” gegen Corona von BioNTech/Pfizer darüberhinaus auch nur gut 1,5 Wochen später zugelassen. Bei der Zulassung durch die EMA handelt es sich jedoch keineswegs um eine reguläre Zulassung. Es gibt eine befristete Zulassung für den mRNA-“Impfstoff” und der Hersteller muß weitere Daten nachliefern, die im Rahmen der bisherigen, normalerweise geforderten Zulassungen aufgrund der Zeitverkürzung nicht vorgelegt werden konnten. Wenn diese Daten nicht nachgeliefert werden oder nicht entsprechend positiv ausfallen, so verliert der “Impfstoff” seine Zulassung zum Jahresende wieder.
    Die Art der Zulassung gibt also keine Auskunft über die Qualitätsstandards, sondern allenfalls die Geschwindigkeit der Zulassung. Hier ist Großbritannien nicht deutlich schneller als der Rest Europas, womit die Einhaltung der Qualitätsstandards bei der Zulassung keinesfalls damit begründet werden können, dass es für Großbritannien eine Notfallzulassung gibt, die es für den Rest Europas nicht gibt. Hier gibt es ebenfalls keine reguläre Zulassung für den “Impfstoff”.
  2. Rolling-Review Verfahren
    Dass das sog. Rolling-Review Verfahren Zeit spart, ist soweit richtig. Ein Rolling-Review Verfahren ist nur dann möglich, wenn nicht erst auf die Auswertung geforderter Daten gewartet werden muß. Dadurch kann  ein  neuer Impfstoff eben auch gerade nicht über Jahre an unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und in verschiedenen Dosen getestet werden. Weiter wird ausgeführt, dass BioNTech/Pfizer den “Impfstoff” an großen Studien getestet habe. In die Studie wurden insgesamt gut 40.000 Probanden eingeschlossen. wovon die Hälfte, also 20.000, den “Impfstoff” appliziert bekommen haben. Das ist eine, für einen Impfstoff, zugegebenermaßen große Probandengruppe.
    Insbesondere durch den ersten Punkt würde das Verfahren schneller aber nicht unsicherer werden, so die Ausführungen im Text.
    Es wird schneller, zweifelsohne. Wenn man jedoch bei Produkten, die beim Menschen zum Einsatz kommen Untersuchungsschritte verkürzt und ggf. weglässt, so kann man keinesfalls über die Sicherheit Auskunft geben. Daher ist das Rolling-Review Verfahren erst einmal eine Beschleunigung. Je schneller man Auto fährt, um so gefährlicher kann, muß es aber nicht zwingend werden. Aussagen zur Sicherheit sind somit keinesfalls möglich. Die pauschale Aussage, die Sicherheit seit hierdurch nicht gefährdet kann jedoch nicht getroffen werden.
  3. mRNA-Verfahren
    Das mRNA-Verfahren sei nicht neu aber zukunftsweisend. Hier ist bereits die Verknüpfung per se falsch, da diese überhaupt nicht herzustellen ist. Das Verfahren ist keinesfalls neu. Das stimmt. Schon seit 30 Jahren wird an dem Verfahren geforscht. Anfänglich hat man sich vor allem Erfolge für die Krebstherapie hiermit versprochen. Funktioniert hat es noch nie. Selbst “Impfstoffe”, die auf diesem Verfahren entwickelt wurden, beispielsweise einer gegen Tollwut, haben es bisher nicht bis zur Zulassung geschafft, da stets unerwartete Reaktionen auftragen.
    Schon alleine der lange Entwicklungszeitraum mit den immer wieder auftretenden Rückschlägen und bisher noch niemals einer zulassungsfähigen mRNA-Therapiemöglichkeit, sollte stutzig werden lassen, wenn eine Methode, die grundsätzlich seit 30 Jahren bekannt und intensiv beforscht wird, plötzlich binnen 9 Monaten zugelassen wird. Wenn, wie in diesem Punkt beschrieben, die Plattformtechnologie schon vorhanden war und jetzt nur noch “(…) die Schablone an das Genom des neuen Coronavirus angepasst werden.” muß, dann stellt sich doch die Frage, wenn dem so ist, wieso wird dieses dann nicht in derselben Geschwindigkeit für andere “Impfungen” entwickelt (und da gäbe es durchaus wichtigere Erkrankungen als eine Infektion mit SARS-CoV-2) und wieso wird es nicht für die Tumortherapie eingesetzt?

    Ob es ein zukunftsweisendes Verfahren ist, kann die Zukunft überhaupt erst rückblickend beurteilen.
  4. unbekannte Langzeit-Nebenwirkungen
    Richtig, wir müssen zwischen Langzeit-Nebenwirkungen und Spätfolgen unterscheiden. Langzeit-Nebenwirkungen sind bei Impfungen bisher eigentlich nicht bekannt. Spätfolgen hingegen schon. Erinnert sei hier an die Narkolepsie, die im Rahmen mit dem inzwischen nicht mehr zugelassenen Impfstoff gegen die A/H1N1-Grippe (Schweingrippe) Pandemrix, vor allem bei jungen Leuten auftrat. Diese Spätfolgen halten teilweise bis heute an und sind oftmals erst Monate nach der Impfung aufgetreten. Völlig falsch hingegen ist die Aussage, daß Spätfolgen aufgrund der Seltenheit des Auftretens erst deshalb so spät entdeckt werden würden. Narkolepsie nach Pandemrix ist nicht erst so spät aufgetreten wie der Beitrag suggeriert sondern sehr bald.
    Das Spätfolgen nach der mRNA-“Impfung” deshalb ausgeschlossen wären, weil die mRNA bereits 50 Stunden nach der Applikation vermutlich (!) abgebaut werden würde, entbehrt jedweder medizinischer Grundlage. Zum einen ist überhaupt nicht genau bekannt, wie lange die mRNA unabgebaut im Körper verbleibt. Darüberhinaus produzieren die “infizierten” Zellen über die angegebenen 50 Stunden massiv Spike-Proteine, gegen die der Körper anschliessend eine Abwehrreaktion einsetzt, wo normalerweise nach einer klassischen Impfung der Körper mit einer Immunreaktion reagiert, die in der Stärke, wie sie nach der mRNA-Applikation einsetzt, niemals 50 Stunden, sondern allenfalls ein paar wenige Stunden, anhält.
  5. Mutationsschutz
    Es gibt überhaupt keine Studien zum Schutz des BioNTech/Pfizer mRNA-“Impfstoffes” gegen die Mutation. Hierzu können überhaupt keinen Aussagen getätigt werden. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass ein Impfstoff gegen einen Viruserreger ebenfalls gegen die Mutation in etwa vergleichbarem Ausmaß wirksam ist. Anderenfalls könnte es nicht mehr zu derartig heftigen Influenza-Saisons kommen, denn diese sind stets auf Mutationen des ursprünglichen Erregers zurückzuführen. Inzwischen gibt es sogar einen Bericht, dass der Wirkstoff von BioNTech/Pfizer, zumindest gegen die südafrikanische Mutation, deutlich weniger wirksam ist, was auch zu erwarten war.
    Weiterhin ist im Text zu lesen: “Doch selbst wenn die Impfstoffe am Ende nicht mehr zu 100 Prozent schützen, so gibt es die begründete Hoffnung, dass sie immer noch einen schweren Verlauf verhindern können.” Das ist der größte Blödsinn, den man schreiben kann. NICHTS(!) in der Medizin und INSBESONDERE KEIN Impfstoff wirkt zu 100%. Wir sind in der Regel schon froh, wenn wir die 90% Marke überspringen können (relative Wirksamkeit – die absolute Wirksamkeit liegt oftmals überhaupt nur im einstelligen Prozentbereich), hinsichtlich des Schutzes durch einen Impfstoff.

Zusammenfassend kann man also sagen, der Artikel stellt Informationen zusammenhangslos dar und gibt darüber hinaus ganz eindeutige falsche Informationen, beispielsweise über die Schutzwirkung einer Impfung.
Das wäre doch mal ein Artikel, den diese ganzen Faktenfinder kritisch unter die Lupe nehmen sollten.

Grundsätzlich scheint es web.de mit dem richtigen Journalismus nicht so genau zu nehmen. In dem Bericht über Coronatote ist der letzte Abschnitt damit überschrieben, dass der Rechtsmediziner, der im gesamten Artikel erwähnt wird, für die Impfung werben würde. Dieses tut er keinesfalls, denn hier heisst es: “Die Impfung schütze vor allem vor schweren Verläufen der Krankheit, betonte Kluge.”. Prof. Dr. Kluge ist der Klinikdirektor und stellvertretende Zentrumsleiter für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Klinik für Intensivmedizin.