“Wir besorgen Impfstoff, der vor den Omikron-Varianten schützt. Den erwarten wir im September. (…) Das bedeutet, dass wir uns immer schlechter auf die Mutationen vorbereiten können. (…) …verfallen nur höchstens vier Millionen Dosen.” Falls Sie diesen Unsinn nachlesen wollen, er kommt (natürlich) von Karl Lauterbach.

An dieser Stelle möchte ich überhaupt nicht näher darauf eingehen, dass auch überhaupt nur eine einzige Impfdose verworfen werden muß, weil völlig unnütz, überhastet und absolut ungeplant etwas eingekauft wurde, was in dieser Menge scheinbar überhaupt nicht benötigt wird. Allerdings scheint das BMG dafür prädestiniert zu sein.

Worauf ich einmal näher an dieser Stelle eingehen möchte, ist die Tatsache, dass zukünftig, nämlich bis zum Herbst Impfstoff besorgt werden soll, der vor der Omikron-Variante schützt. Gut. Gleichzeitig vermutet man, dass man sich immer schlechter auf die Mutationen vorbereiten können wird. Wozu dann einen Impfstoff gegen Omikron, wenn bereits im Herbst vermutet wird, dass es Mutationen geben wird, die nur noch sehr wenig mit Omikron zu tun haben werden, denn es wird ja noch nicht einmal eine Variante sondern sogar eine Mutation erwartet.
Bei einem Erreger, der sich schnell verändert, sei es durch Mutation oder Variation, was das besondere Merkmal von oberen Atemwegserregern ist, hat ein Impfstoff noch nie wirklich gut geholfen. Das liegt natürlich zum einen daran, dass sich obere Atemwegserreger sehr schnell verändern, denn anderenfalls hätten wir nicht jedes Jahr wieder zu Beginn der Winterzeit eine Erkältungszeit. Erkältungen werden durch Viren ausgelöst, die den oberen Atemwegstrakt befallen. Die Wirksamkeit von Impfstoffen hierzu, insbesondere COVID-19 aber auch Influenza-Impfstoffe haben lediglich eine absolute Wirksamkeit von um die 1%. Dieses spricht, wie schön im Ärzteblatt abgedruckt wurde, nicht gegen eine Impfung sondern allenfalls gegen eine überzogene Erwartung. Insgesamt liegt die extrem niedrige absolute Wirksamkeit der Impfungen gegen obere Atemwegsinfektionen auch aber nicht nur an der Veränderungsfreude der Viren.
Zum Anderen können Impfungen gegen obere Atemwegserkrankungen nicht richtig wirken, da der Wirkort “falsch” ist. Impfstoffe werden (fast immer) intramuskulär gespritzt. Im Anschluß daran setzt eine Immunreaktion IM Körper ein, der unter anderem zum Ziel hat, Antikörper zu bilden. Wenn nun ein Krankheitserreger in den Körper eindringt, z.B. im Rahmen einer Nadelstichverletzung (Hepatitis B), durch einen Tierbiss (z.B. Tollwut) oder eine Verletzung (z.B. Tetanus), dann kann der Körper sehr schnell reagieren und Antikörper zur Abwehr des Erregers bereitstellen. Wichtig und zwingende Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Erreger IN den Körper eindringt. Würde ein Hepatitis B Erreger, der Tollwuterreger oder das Tetanusbakterium ausschließlich auf der (Schleim-)Haut liegen, würde dieses zu keiner Infektion führen. Nach einiger Zeit würde der Erreger schlicht und ergreifend absterben. Bei einer Impfung gegen obere Atemwegserreger wird nun geimpft, d.h. der Erreger oder bei einem Spaltimpfstoff ein Teil des Erregers in den Körper eingebracht, so dass dieser eine Immunreaktion entwickeln kann. Niemals aber tauchen hierbei Antikörper auf der Körperoberfläche oder den Schleimhäuten auf. Denn dort sind auch die Antikörper, die nach anderen intramuskulären Impfungen gebildet werden, nicht präsent und nachweisbar, da es für den Körper einfach keinen Sinn macht, hier Antikörper bereit zu stellen, denn es ist niemals die Eintrittspforte für die oben angesprochenen Erreger. Die Abwehrmechanismen, teilweise schlicht und ergreifend physikalische Barrieren der Schleimhäute, sind gänzlich andere als im Körperinneren.

Da also zum einen der Erreger, wie selbst Lauterbach erwartet, im Herbst ein mutierter sein wird und zum anderen die Wirkungsweise durch eine Impfung gegen obere Atemwegserkrankungen, dort wo man es gerne möchte, nämlich auf den Schleimhäuten, nicht sinnvoll wirken kann,  machen die eventuell bis zum September an die Omikronvariante angepassten Impfstoffe dann genau so viel Sinn wie die derzeitigen Impfstoffe, die gegen die ursprüngliche Wuhan-Variante entwickelt wurden und heute, gegen entsprechend andere Varianten, eingesetzt werden. Die Folge wird sein, man wird wieder, wenn unnötigerweise Impfstoffe eingekauft werden, diese im Frühjahr 2023 in millionenfacher Höhe verwerfen oder man setzt erneut mittels § 3 Abs. 1 MedBVSV § 8 Abs. 3 AMG ausser Kraft und verimpft einfach irgendeinen alten, möglicherweise gefährlichen, Schrott, da er weg muß.

Die Alternative wäre, man entwickelt sich an die jeweiligen Erreger anpassende Impfstoffe. Das aber, ich bin ehrlich, werde ich in meinem Medizinerleben nicht mehr erleben, denn das wäre, auch da bin ich ehrlich, ein großer Wunsch vieler Mediziner bezüglich oberer Atemwegsinfektionen, der schon seit Jahrzehnten besteht, aber technisch einfach nicht umsetzbar ist, zumindest  solange man ethische Maßstäbe in der Medizin nicht mißachtet.