Krankenhausreform: Lauterbach will jede vierte stationäre Behandlung ambulantisieren” war vor kurzem unter anderem im Ärzteblatt zu lesen. Geht das überhaupt, werden so viele Leistungen im Krankenhaus erbracht, die möglicherweise auch ambulant erbracht werden könnten?

Übersicht über alle im Jahr 2021 erbrachten Krankenhausleistungen, aufgeschlüsselt anhand der Diagnosis Related Group (DRG), können beispielsweise bei der “Gesundheitsberichterstattung des Bundes” abgerufen werden. Wichtig zu wissen hierbei ist, dass bereits 2020 die im Krankenhaus behandelten Fälle dramatisch eingebrochen sind und nur noch 186,4 Fälle / 1.000 Versicherte behandelt wurden, was einem Rückgang um 13% im Vergleich zum Vorjahr entspricht.


Quelle: statistica.com

 

Nach den Informationen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes wurden 2021 insgesamt 17.157.549 Fälle stationär in deutschen Krankenhäusern behandelt.


Quelle: GBE Bund

 

Die durchschnittliche Verweildauer aller dieser Fälle betrug 7,2 Tage mit einer sehr starken Schwankungsbreite.
Weiterhin gibt es Fälle, bei denen man die Notwendigkeit der Krankenhausbehandlung nicht anhand der primären DRG ablesen kann, sondern sich die Krankenhausbehandlung aus weiteren, in der Tabelle nicht als primäre aufgeführte DRG, ergibt. Dieses betrifft auf jeden Fall die DRGs der Gruppe O bis R sowie U, Z und die ohne Diagnose. Die hier verschlüsselten Fälle (insgesamt 1.691.956) müssen von den insgesamt 17.157.549 Fällen abgezogen werden. Somit bleiben 15.465.593 Fälle übrig, die relevant für die Betrachtung einer möglichen Ambulantisierung, wie sie sich Lauterbach vorstellt, sind.
25% von 15.465.593 Fälle wären 3.866.398 Fälle.

Welche Fälle sind nun aber möglicherweise zukünftig zu ambulantisieren? Sicherlich sollten hier die Fälle in Betracht kommen, die eine durchschnittliche Verweildauer von unter 3 Tagen haben, da nur hier die eine Nacht (Aufnahme heute und Entlassung morgen = durchschnittliche Verweildauer 2 Tage) wegfallen könnten. Bei allen anderen Fällen ist davon auszugehen, dass sie eine entsprechende Berechtigung haben, stationär behandelt zu werden, wenn der Patient länger als 2 Tage im Krankenhaus verweilt. Selbst bei denen, die eine durchschnittliche Verweildauer von unter 3 Tagen haben, muß es Fälle geben, die deutlich länger als 3 Tage im Krankenhaus bleiben, denn jeder Fall, der nur 1 Nacht = 2 Tage im Krankenhaus verweilt, muß ein anderer Fall ihm gegenüberstehen, der, rein rechnerisch, die doppelt so lange Zeit im Krankenhaus verweilt.
Der Einfachheithalber sei aber unterstellt, alle Fälle, die weniger als 3 Tage stationär im Krankenhaus behandelt werden, können ambulantisiert werden. Dieses sind dann Fälle aus folgenden DRGs mit den folgenden Verweildauern:

Insgesamt sind dieses maximal 612.361 Fälle (bei einer 100% Annahme der Ambulantisierungsmöglichkeit), bei denen überhaupt ein relevantes Ambulantisierungspotential bestehen würde, was 15% derer entspricht, die ambulantisiert werden müßten, damit jede vierte stationäre Behandlung ambulantisiert werden kann.