Globuligläubige und Maskenträger – was vereint sie?

Über Globuli auf Krankenkassenkosten wird seit einigen Jahren zunehmend heftiger gestritten. In Frankreich ist eine Kostenübernahme für Globuli durch die Krankenkassen nicht mehr möglich. Die deutschen Ärztekammern gehen zunehmend dazu über, die Zusatzbezeichnung Homöopathie für Ärzte abzuschaffen und die Bundesärztekammer denkt über eine grundsätzliche Abschaffung dieser Zusatzbezeichnung für Ärzte nach.
Ist es falsch, die Homöopathie abschaffen zu wollen und richtig, dass die Kosten nicht mehr von der Allgemeinheit getragen werden müssen, obwohl sie doch vielen Menschen, wenn Sie diese fragen, die sich der Homöopathie zugewandt haben, hilft? Wieweit darf Homöopathie gehen und wo ist sie möglicherweise sogar sinnvoll?
Viele Menschen schwören darauf, dass Homöopathie hilft und tatsächlich sie hilft, zumindest bei denen, die daran glauben. Die Wirksamkeit beruht möglicherweise auf einer aktivierten Selbstheilung, die früher oder später vermutlich auch ohne Homöopathie eingetreten wäre. Aufgrund dieser aktivierten Selbstheilung kann es natürlich auch keine wissenschaftlichen Untersuchungen geben, die zu dem Schluß der Wirksamkeit kommen. Das der Glaube an etwas helfen kann, sieht man nicht nur an der Homöopathie. Auch der Glaube an Gott, Buddha, Allah und andere Götter und Heilige, versetzt nicht nur sprichwörtlich Berge sondern hilft Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht den Halt und den Mut zu verlieren. Dennoch ist die Existenz der angesprochenen wissenschaftlich nicht nachweisbar und sie existieren auch eher in der Vorstellung derer, die daran glauben.
Ist es schlmm an etwas zu glauben? Keineswegs, solange nicht die erwiesenen Erkenntnisse ausser acht gelassen werden und solange nicht um jeden Preis versucht wird, diejenigen, die nicht daran glauben, umzustimmen. Denn das käme einer Missionierung gleich. Um konkret in der Medizin zu bleiben, wenn alles ausgeschlossen ist, insbesondere eine (bösartige oder gefährliche) Erkrankung und Beschwerden dennoch weiterhin bestehen, wieso sollte dann nicht jemand in die Kirche/Moschee/Tempel gehen und um göttlichen Beistand bitten? Wenn es demjenigen doch Linderung verschafft spricht nichts dagegen. Ebenso sollte auch der Glaube an die Homöopathie gesehen werden. Jeder, der darin Glauben findet, möge sie in Anspruch nehmen. Das heisst aber noch nicht, dass wir in einer wissenschaftlich geprägten Weltsicht deshalb die Kosten hierfür auf alle umlegen müssen und durch eine ärztliche Zusatzbezeichnung dem Ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich verleihen. Aber jedem Patienten, der mich auf Homöopathie anspricht, kann ich nur ermutigen, solange er die evidenzbasierten Maßnahmen und Therapeutika nicht außer acht lässt, dieses begleitend in Anspruch zu nehmen, so er an die Heilung hierdurch glaubt.
So wie die wissenschaftliche Überprüfung bei der Homöopathie fehlt, und auch nie gelingen wird, fehlt sie, zumindest noch, auch bei der Mund-Nasen-Bedeckung, kurz Maske genannt. Es gibt einfach keine Studie, die die Sicherheit vor einer Infektion mittels Masken, insbesondere der einfachen Alltagsmasken, nachweisen würde. Selbst eine große Metaanlyse, also eine Studie, die selbst gar keiner neuen Fragestellung nachgeht sondern alle zu einer Frage vorhandenen Studien gemeinsam auswertet, kommt zu dem Schluß, dass der endgültige Beweis für den Ansteckungsschutz nicht gegeben ist (https://brighterworld.mcmaster.ca/articles/evidence-supports-physical-distancing-masks-and-eye-protection-to-help-prevent-covid-19/). Auch der Autor der Studie konnte somit keine Korrelation zwischen einer verminderten Infektionsrate und dem Tragen von Masken nachweisen. Wie in allen anderen Untersuchungen und Beobachtungen wird allenfalls von einem möglichen Schutz, keinesfalls aber von einem nachweisbaren Schutz gesprochen.
Nur weil es eine Assoziation zwischen dem Masketragen und dem Rückgang von Infektionszahlen, wie beispielsweise in Jena gekommen ist, läßt dieses keine Assoziation zwischen beidem zu (https://de.nachrichten.yahoo.com/studie-bestätigt-schutzwirkung-masken-corona-095824562.html?guccounter=1). Auch wenn in diesem Artikel von einer Studie gesprochen wird, erkennt man bereits daran, dass es diese nicht gibt, da die Studie nicht weiter als nachvollziehbare Quelle angegeben wird. Es handelt sich hierbei lediglich um eine Beobachtung aber keine Studie.
Ebenso sind natürlich auch sämtliche Aussagen bezüglich einer Pandemieeindämmung mittels Maske, wie beispielsweise die der US-Behörden, dass Maskentragen die Pandemie binnen Wochen unter Kontrolle bringen könnte, völlig absurd (https://rp-online.de/panorama/coronavirus/us-behoerde-tragen-von-masken-koennte-pandemie-binnen-wochen-brechen_aid-52197745).
Die Befürworter der Homöopathie beharren auch auf ihrer Meinung, die Homöopathie würde helfen. Tut sie vermutlich auch, unter gewissen Voraussetzungen und bei entsprechendem Glauben. Also sollten wir die Anhänger der Homöopathie nicht verteufeln, nur weil sie keinem wissenschaftlichen Konsens folgen. Selbstverständlich aber sollten wir diejenigen, die nicht mit Homöopathie behandelt werden wollen, nicht damit behandeln und als Ärzte sind wir dazu sogar aufgerufen, die Patienten nach wissenschaftlichen Standards und anerkannten Therapien zu behandeln. Wieso verlassen wir diesen allgemein akzeptierten Weg bei einem Thema, dass nicht weit weg zu sein scheint von der Homöopathie, denn es fehlen hier wie dort die wissenschaftlichen Beweise, und zwingen alle Menschen, auch die, die sogar gute Argumente gegen die Maske, nämlich die vollständig fehlenden wissenschaftlichen Nachweise, so wie bei der Homöopathie, vorbringen können, dennoch daran zu glauben und sogar eine Maske zu tragen? Das ist unverständlich und unverhältnismäßig.

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Dr. med. Matthias Keilich