Wußten Sie wer oder was Hanau ist? Da geht es Ihnen vermutlich so, wie vielen Anderen auch. Und was macht man, wenn man unbekannt ist aber seinen Bekanntheitsgrad steigern möchte? Man macht PR. Und eine gute PR-Agentur macht aus Nichts einfach irgendwie alles. 


Sehr gut können Sie das gerade bei den geplanten Impfstoffen gegen Corona sehen. Man weiß nichts aber sie haben eine Wirksamkeit von 94%. Schön, das beruhigt, oder? Mich nicht. Wo gegen sind sie wirksam? Gegen eine Infektion oder verhindern sie nur einen schweren Krankheitsverlauf oder unterbinden sie die Weitergabe des Virus oder helfen Sie nur ein bestimmtes Symptom einer Infektion (z.B. die Lungenentzündung) zu unterdrücken? Und wie hoch sind die Nebenwirkungen? Alles Fragen, die wichtig sind. Aber wenn die Antworten unbequem sind oder möglicherweise aufgrund fehlender Studien überhaupt nicht zur Verfügung stehen, dann nehme ich als cleverer PR-Mitarbeiter einfach irgendetwas, stelle dieses in den Vordergrund und berichte darüber. Das ist noch nicht einmal gelogen, nur eben auch völlig unbrauchbar.

Zurück zu Hanau. Hanau ist eine Stadt in der Nähe von Frankfurt in Hessen und hat knapp 95.000 Einwohner. Vermutlich ist Hanau wie Bielefeld. Ob es das wirklich gibt, weiß man nicht, aber man kennt die Gerüchte um Bielefeld. Also macht mach sich einfach mal die gute alte PR-Maßnahme, wenn du nichts hast, berichtet genau darüber aber lass die Hintergrundinformationen weg, zunutze. Dann wird aus Nichts etwas wichtiges. Kann ich auch, soll ich mal?

Dramatischer Rückgang der Patientin in der Praxis. Heute kam überhaupt kein Patient mehr in die Praxis zu mir. Ich hatte das zwar schon irgendwann vermutet und war drauf vorbereitet aber heute ist der erste Tag gewesen, wo keine Patienten mehr in die Praxis kamen.

Ratter, ratter, ratter. Sofort fängt es bei Ihnen an. Einige Gedanken könnten sein: “Oh weh und das an einem Donnerstag. Jetzt trauen sich die Patienten schon nicht mal mehr zum Arzt. Oder auch: “Ist Corona doch so tödlich, dass alle Patienten in der Hausärztlichen Privatpraxis weggestorben sind?” Oder was auch immer.
Habe ich gut gemacht, oder? Jetzt haben Sie Angst. Und es stimmt, ich habe heute tatsächlich Null (0) Patienten in der Praxis gehabt. Mein Terminkalender war leer.
Vielleicht sollte ich Ihnen sagen, dass das aus organisatorischen Gründen so geplant war, dass die Praxis heute überhaupt nicht mit mir besetzt war? Simple. Aber irgendwie ist doch etwas im MBA-Studium bei mir hängen geblieben.

Wieder zurück zu Hanau. Da habe ich doch heute glatt gelesen, dass Hanau seine Toten in einem Kühlcontainer lagert. Oh weia. Wenn man dann weiterliest, erfährt man, dass Hanau keinen Platz mehr in seinen Krankenhäusern hat, um die Verstorbenen zu lagern. Da muß doch der blanke Tod wüten in Hanau.
Zum Glück ist Lockdown, da kann man sich ja etwas ausführlicher mit Nachrichten auseinander setzten als es sonst der Fall ist, in dieser hektischen Vorweihnachtszeit. Geschenke können wir sowieso keine mehr kaufen, Weihnachtsfeiern mit den verhassten Kollegen fallen glücklicherweise dieses Jahr auch aus und ein großes Essen braucht auch nicht vorbereitet zu werden, ist ja sowieso keiner da, der es essen könnte. Also mal ein bisschen recherchiert. Da gibt es ja zwei hervorragende statistische Ämter. Zum einen eurostat, dass statistische Amt der Europäischen Union und euromomo, ein seit Ende der 2000er Jahre initiiertes Projekt zur fortlaufenden und zeitnahen Überwachung der Übersterblichkeit großer Teile Europas, angesiedelt am Statens Serum Institut in Kopenhagen. Eurostat liefert noch keine so aktuellen Zahlen. Hier müssen wir noch ein paar Tage warten. Euromomo ist da doch etwas schneller. Hier können wir mal einen Blick auf die Sterblichkeit in Hessen werfen und die sieht wie folgt aus:

 

Quelle: https://euromomo.eu/graphs-and-maps/

 

Oh weh, in Hessen “droht” sogar gerade eine massive Untersterblichkeit. Also hat Hessen in Gänze gar kein Problem mit der Sterblichkeit aktuell. Es ist ganz ruhig, es sterben überhaupt nicht so viele Menschen, als dass die Kühlhäuser in den Krankenhäusern voll sein könnten. Möglicherweise sind es aber ganz andere Gründe, die zu der Schlagzeile geführt haben. Ich biete Ihnen mal ein paar an, da ich es natürlich auch nicht weiß, ich bin ja nicht der PR-Berater der Stadt Hanau.

1.) Die Verstorbenen in Hanau werden schon seit einer Woche nicht mehr aus den Kühlhäusern der Krankenhäuser abgeholt, aus welchen Gründen auch immer. (Halte ich für unwahrscheinlich).

2.) In den Krankenhäusern der Stadt Hanau ist in den Kühlhäusern der Strom ausgefallen und es können überhaupt gar keine Toten mehr dort gelagert werden. (Halte ich für noch unwahrscheinlicher).

3.) In Hanau streiken die Beerdigungsunternehmen und holen gar keine Toten mehr aus den Kühlhäusern der Krankenhäuser ab. (Eher auch ein Hirngespinst).

4.) So wie auf den Intensiv- und Normalstationen werden völlig unsinnigerweise die zuvor positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Verstorbenen jetzt auch alleine gelagert und nicht mehr mit anderen “normal” verstorbenen zusammen. (Halte ich für die wahrscheinlichste aller Möglichkeiten). Das führt natürlich dazu, dass die Lagerkapazitäten sehr schnell erschöpft sind. Ist zwar totaler Unsinn, Verstorbene einzeln zu lagern, selbst wenn sie am Marburg-Virus (extrem infektiös und tödlich) verstorben wären, denn wen sollten die noch anstecken? Die anderen Toten?  Aber man kann aus Nichts Viel machen und ist in der Presse und das gibt doch mal was her.

Und vor allem jetzt wissen Sie, wo Hanau liegt. In Bielefeld waren Sie vermutlich schonmal, um zu sehen, ob es das wirklich gibt und nicht nur auf der Landkarte. Jetzt können Sie ja mal nach Hanau fahren, um zu sehen, wo das liegt. Und keine Angst, die Wahrscheinlichkeit, dass das tödlich endet ist genauso hoch wie, als wenn Sie nach Bielefeld fahren würden.

Amüsant finde ich auch den letzten Satz in der oben auf n-tv.de verlinkten Nachricht: “Insgesamt sind in Deutschland unter Beteiligung einer nachgewiesenen Sars-CoV-2-Infektion bislang 24.125 Menschen gestorben.” Au weia. Doch so viele? Bis heute sind in Deutschland ungefähr 912.600 Menschen gestorben. Also doch ganze 2,6% unter Beteiligung einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion. Die sind also noch nicht mal alle an SARS-CoV-2 gestorben sondern nur unter Beteiligung einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion. Wieso hat eigentlich keiner mal untersucht, wie viele mit einer vollen Harnblase gestorben sind? Da kämen, ich kann es Ihnen versprechen, Zahlen von um die 40 – 60% heraus. DAS IST TÖDLICH! Die volle Harnblase aber doch nicht SARS-CoV-2!

Interessiert Sie es noch, was tödlicher ist als SARS-CoV-2? 
Gerne, ich gebe Ihnen einen aktuellen Überblick.

Top 1 = Krankheiten des Kreislaufsystems …………………………………………………………………………………………………….. = 35,3%
Top 2 = Neubildungen (d.h. Krebserkrankungen) ………………………………………………………………………………………….. = 25,5%
Top 3 = Krankheiten des Atmungssystems …………………………………………………………………………………………………….. = 7,1%
Top 4 = Psychische und Verhaltensstörungen ……………………………………………………………………………………………….. = 6,2%
Top 5 = Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen ……………………….. = 4,4%
Top 6 = Krankheiten des Verdauungssystems ……………………………………………………………………………………………….. = 4,4%
Top 7 = Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die andernorts nicht klassifiziert sind  = 4,0%
Top 8 =Krankheiten des Nervensystems ……………………………………………………………………………………………………….. = 3,6%
Top 9 = Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten ………………………………………………………………… = 3,6%
Top 10 = Krankheiten des Urogenitalsystems ………………………………………………………………………………………………  = 2,6%

Und jetzt kommt SARS-CoV-2 mit 2,6%, nachdem bereits andere Erkrankungen zu 96% der Todesfälle geführt haben.

Top 7 gefällt mir immer wieder am Besten – wenn einem bei der Leichenschau so partout gar nichts mehr einfällt, nimmt man doch mal das.