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Ibuprofen – so gefährlich wie beschrieben?

Aufgrund der derzeitig kursierenden Veröffentlichungen zu Ibuprofen in der Laienpresse, werde ich vermehrt gefragt, ob man überhaupt noch Ibuprofen ruhigen Gewissens einnehmen kann.
Da die Veröffentlichungen in der Laienpresse an dieser Stelle nicht ganz dem medizinischen Wissen entsprechen, möchte ich gerne etwas Licht ins Dunkle bringen.

Es gibt eine aktuelle Taiwanesische Studie mit 10.000 Herzinfarktpatienten, die den Einfluß der sog. Nicht-Steroidalen-Antirheumatika (NSAR), zu denen Ibuprofen, Diclofenac, Voltaren, Naproxen und Acetylsalicylsäure (ASS) gehören, untersucht. Untersucht in dieser Studie wurden jedoch nur Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen.

Bekannt ist, dass akute Atemwegsinfekte das Risiko für einen Herzinfarkt um das 2,7-fache steigern.
NSAR alleine ohne akute Atemwegsinfekte steigern das Herzinfarktrisiko um das 1,5-fache.
NSAR, gegeben bei akuten Atemwegsinfekten, insbesondere bei Influenza, also der echten Grippe, steigern das Herzinfarktrisiko um das 3,4-fache, bzw. um 240%.
Die stärke Zunahme eines Herzinfarktrisikos zeigt sich unter der parenteralen NSAR Gabe unter akuten Atemwegsinfekten, also dann, wenn NSAR gespritzt werden.

In der angesprochenen Studie waren die Patienten im Mittel 72 Jahre alt. Bei 42% der Studienteilnehmer lag ein Bluthochdruck vor, bei 43% ein Diabetes mellitus, bei 17% eine bekannte Gefäßerkrankung im Gehirn (beispielsweise im Rahmen einer Minderdurchblutung) und bei 18% eine Herzmuskelschwäche. Bei den Vorerkrankungen handelt es sich um Herzinfarkt typische Patienten.
Dieses stellt gleichzeitig auch einen der Kritikpunkte an der Studie dar. Eingeschlossen wurden also Patienten, die per se schon ein deutlich erhöhtes Herzinfarktrisiko haben, auch ohne die Gabe von NSAR. Grundsätzlich sollte genau bei dieser Patientengruppe sowieso auf die Gabe von NSAR verzichtet werden, was allerdings auch schon vor der Studie bekannt war.
Darüber hinaus zeigen sich die negativen Effekte erst bei sehr hohen NSAR Dosen, die über einen längeren Zeitraum (bis zu 7 Tagen) gegeben wurden.

Zusammenfassend lässt sich somit sagen:

  • Die Gabe von NSAR bei akuten Atemwegsinfekten, bei Patienten, bei denen nicht sowieso schon grundsätzlich etwas gegen die Gabe von NSAR spricht, ist als vertretbar anzusehen.
  • Untersucht in dieser Studie wurde nur die Gabe bei akuten Atemwegsinfekten. Liegen andere Erkrankungen, z.B. Skeletterkrankungen oder Migräneerkrankungen vor, so sind die Auswirkungen auf das Herzinfarktrisiko bisher nicht untersucht. Es ist davon auszugehen, dass hier kein erhöhtes Herzinfarktrisiko vorliegt, das im Rahmen des Herzinfarktrisikos bei akuten Atemwegsinfektionen immer wieder die Entzündungsabläufe im Körper diskutiert werden. Diese liegen bei Skeletterkrankungen oder Migräneerkrankungen definitiv nicht vor.
  • Sind keine Risikofaktoren bekannt können NSAR ohne Hinweise auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko eingenommen werden.
  • NSAR sollten grundsätzlich nicht längerfristig (über 7 Tage) und nicht in höheren Dosierungen (Ibuprofen 1.200mg pro Tag, Diclofenac 100mg pro Tag und Naproxen 500mg pro Tag) eingenommen werden.
  • NSAR sollten nicht zur Schmerzbekämpfung im Rahmen einer echten Influenza eingenommen werden. (Allerdings zeigen meine Erfahrungen hier, dass die Patienten im Rahmen einer Influenza Schmerzen haben, die sowieso nicht mit NSAR behandelt war sind. Hier bedarf es regelmäßig anderer, stärkerer Schmerzmittel.)

Werden alle diese Parameter beachtet, können NSAR als gut verträglich angesehen werden.

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