Unfassbare Dummheit wäre auch eine gute Überschrift für diesen Post. Aber der Reihe nach. Was ist schon wieder passiert?

Kennen Sie Dr. Christina Berndt? Falls nicht, ich bin mir nicht sicher, ob sie tatsächlich eine Wissenschaftsjournalistin ist, wie sie bei Wikipedia bezeichnet wird oder doch eher eine Autorin (zur Verfassung ihrer eigenen komödiantischen Texte) wie sie sich selbst auf ihrer Homepage bezeichnet.
Ist auf Ihrem Twitteraccount am 07.06. doch ernsthaft Kritik am überhaupt noch nicht veröffentlichten Evidenzbericht der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronakrise zu lesen.


Quelle: Twitteraccount Christina Berndt

 

Das sie die bisher nicht veröffentlichen Erkenntnisse bereits kritisiert bevor sie überhaupt publik werden, grenzt schon an puren Unsinn. Das dann aber auch noch der Tweet mit dem Hinweis darauf, wenn es keine Evidenz gibt, heißt das nicht, dass etwas nicht wirkt, abgeschlossen wird, hat mich mehr als erheitert.
Das es dann aber nur einen Tag gedauert hat, bis sie genau ihren eigenen Unsinn an einem wunderbaren Beispiel widerlegt und es scheinbar überhaupt nicht merkt, hat mir nicht nur das Wasser vor lachen in die Augen getrieben sondern auch in die Hose. (Das nennt man dann übrigens Stressharninkontinenz und ich bin froh, dass ein Urologe gelegentlich bei mir in der Praxis ist. Den muß ich da doch gleich einmal um Rat fragen.)

 


Quelle: Twitteraccount Christina Berndt

“Fehlende Evidenz bedeutet nicht zwingend fehlende Wirksamkeit” soll der Versuch des Hinweises auf “Absence of evidence is not evidence of absence” sein. Hierbei handelt es sich um einen Ausspruch des Astronomen Edward Sagan, der in etwa damit aussagen wollte, das außerirdisches Leben, das laut Sagan eben nicht schon deshalb nicht existiert, weil man es – bisher – noch nicht gefunden. Soll heißen, dass Fehlen von Beweisen ist kein Beweis für Abwesenheit von etwas.
Jetzt kommt dieser Satz von einem Astronomen und in der Astronomie würde ich dem vollständig zustimmen. Wir überschauen mal gerade die Planeten in unserem Sonnensystem. Wir kennen aber vermutlich weder vollständig alle Planeten in unserer Milchstrasse, ganz zu schweigen von allen Sonnen in unserem Universum oder auch nur annähernd einem geringsten Bruchteil vom 1.000.000stel der darin vermutlich enthaltenen Planeten. Wie sollen wir dann nur deshalb, weil wir bisher noch kein außerirdisches Leben gefunden haben, davon ausgehen, dass es das nicht gibt? Wir überschauen in der Astrophysik schlicht und ergreifen einfach viel zu wenig. Das ist in der Medizin dann doch ein bisschen anders.
Aber ich hätte da dennoch auch ein paar 
“Absence of evidence is not evidence of absence” Therapievorschläge. Wenn Sie das nächste Mal mit hohem Blutdruck zu mir kommen, dann verschreibe ich Ihnen Kopfschmerztabletten. Denn nur weil deren Wirkung auf den hohen Blutdruck bisher nicht nachgewiesen werden konnte, bedeutet das ja nicht zwingend, dass sie nicht wirken. Und ihre Antidiabetesmedikation werden wir beim nächsten Gichtanfall einfach erhöhen. Wozu ein neues Medikament verschreiben? Sie haben doch schon eins. Und nur weil es keine Evidenz dieser Medikation hinsichtlich der Wirksamkeit auf den Gichtanfall gibt, bedeutet es nicht, dass sie nicht wirken.

Einen Termin für Ihre individuelle “Absence of evidence is not evidence of absence” Sprechstunde können Sie werktäglich über Frau Tauschel in der Regel ab 08.30 Uhr buchen. Meistens erhalten Sie noch am selben Tag die Möglichkeit einer “Absence of evidence is not evidence of absence” Sprechstunde bei mir.
Aber ich bin jetzt erst einmal bei dem Urologen, meine Stressharninkontinenz abklären lassen, denn meine Hose ist schon wieder nass geworden.