Kennen Sie Kader Loth, dass selbsternannte “Original IT-Girl, Crash TV Queen, Beauty Queen”? Promis haben die Eigenschaft häufig aus wenig, viel zu machen. Da kann der Schönheitschirurg nachhelfen oder man macht es selbst. Wunderbar ist, dass solche Menschen ihr gesamtes Leben im Internet ausbreiten und man dieses einmal nachverfolgen kann.

Warum schreibe ich über sie? Weil sie scheinbar an einer SARS-CoV-2 assoziierten Lungenentzündung litt,  dieses derzeit das einzige Thema in der Bevölkerung zu sein scheint und man einen erwartbaren Krankheitsverlauf dieser Erkrankung ganz wunderbar an Frau Loth sehen kann. Gerade aber an diesem Beispiel sieht man, wie schwer oder in diesem Fall eher wie weniger schwer es sie getroffen hat. Gehen wir einmal der Reihenfolge nach vor, sehen uns den Verlauf an, in wie weit er tatsächlich überraschend ist. Anschliessend stelle ich Ihnen zwei Verläufe einer Lungenentzündung, einmal einer bakteriellen Lungenentzündung und einmal einer schweren SARS-CoV-2 assoziierten Lungenentzündung kurz vor, so dass Sie sehen, wie man aus nichts fast dem Tode geweiht wird.

26.11.2020: Trotz größter Vorsicht, annähernd ständigem Tragen von Mund-Nasen-Bedeckung sowie von Handschuhen und permanenter Desinfektion des gesamten Haushalten, hat sich Kader Loth scheinbar mit dem SARS-CoV-2 Virus infiziert. Wie Frau Loth angibt, fühlt sie sich seit einigen Tagen so, wie man sich bei einer Virusinfektion fühlt: “Hallo Leute, ich wollte mich einfach kurz melden, weil ich seit drei, vier Tagen angeschlagen bin, und es ist auch nicht besser geworden.” Soweit so gut. Das passiert. Aber bereits hier ist doch schon deutlich erkennbar, dass aus wenig, viel gemacht wird: “Das Schlimme ist ja: Ich weiß nicht, ob ich übermorgen lebe.” Hat ihr Arzt ihr nicht gesagt, dass sie an einer SARS-CoV-2 Infektion leidet, die möglicherweise noch zu einer Lungenentzündung führen wird, sie aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht umbringen wird, da sie keine körperlichen Vorerkrankungen hat?

05.12.2020: Der Zustand scheint sich verschlechtert zu haben, was nicht so überraschend ist. Das hätte man bereits in der Woche zuvor vermuten können. Jetzt aber liegt sie sogar im Krankenhaus. Auf dem Internetlink mit Video sehen Sie einen Monitor, der die Vitalparameter der Patienten überwacht. Ich habe ihn einmal gespiegelt und zeige Ihnen auf, was man darauf, teilweise vermutlich, sieht.

 

Quelle: https://www.vip.de/cms/corona-kader-loth-liegt-im-krankenhaus-zustand-hat-sich-verschlechtert-4662020.html

 

Gehen wir doch die Werte einmal durch, anhand derer man einen Patientenzustand relativ gut beurteilen kann.
Pulsfrequenz = 90/min.: Die Patientin liegt im Bett und ist krank, vermutlich hat sie auch etwas Fieber. Die Pulsfrequenz ist zwar geringfügig erhöht, allerdings ist dieses bei einem Infekt zu erwarten und 90/min. ist nicht wirklich dramatisch.
Atemfrequenz (vermutlich) =23/min.: Hatten Sie schonmal einen Infekt? Insbesondere wenn er mit einer Lungenbeteiligung einher geht, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Atemfrequenz schnell mal steigt. Alles unter 25 – max. 30/min. in diesem Zustand könnte man als erwartungsgemäß bezeichnen.
Blutdruck =135/102mmHg: Der untere Wert ist etwas erhöht, er sollte maximal bei 90mmHg liegen. Aber Frau Loth ist ja auch krank, da ist auch das erstens kein Wunder und zweitens weit weg von lebensbedrohlich.
Sauerstoffsättigung (vermutlich) = 96%: Frau Loth scheint eine leichte Lungenentzündung zu haben, dadurch hat Sie etwas Sauerstoff über die sichtbare Nasenbrille bekommen. Ich vermute, sie bekommt um die 2ltr. Sauerstoff/min. über die Nasensonde. Eine Einstellung, die gerne genommen wird. Wenn hierunter die Sauerstoffsättigung absolut in den Normbereich steigt, zeigt dieses, dass es keinen massiven Lungenbefall geben kann. Spannender wäre gewesen, wie die Sauerstoffsättigung ohne zusätzliche Gabe, also unter Raumluft, ist.

Jemand ist krank, dass passiert. Wie dramatisch ist aber bitte dieser Zustand, dass man explizit erwähnen muß, dass sich der Zustand nach einer Woche noch nicht verbessert hat? Das war abzusehen und man hätte es ihr auch sagen können. Ich kann mir nur ganz schwer vorstellen, dass Frau Loth von Ärzten behandelt wurde, die sich von diesem Verlauf haben überraschen lassen. Frau Loth aber macht aus wenig, viel. Sie lässt uns wissen, dass sie noch nicht einmal die Kraft hätte zu weinen. In dem Video wird aber bei 0:09sek. ein Foto gezeigt, welches Frau Loth mit dem Pulsoxysensor am Finger zeigt. Bei 0:15sek. zeigt sie noch ein Foto von sich selbst und gibt ein kurzes Text-Update wie es ihr geht. Wenn jemand so krank ist, dass er der Presse noch nicht einmal ein Interview geben kann, dann aber stattdessen zwei Fotos von sich schickt bzw. in sein Sozialmediaprofil stellt sowie eine Textmitteilung verfasst, kann es mit der Erkrankung nicht so dramatisch sein, denn anderenfalls hätte man dafür weder den Kopf noch die Lust. Bei 0.32sek. ist in dem Video ein Interview mit Frau Loth zu Beginn der Erkrankung zu sehen. Hier hält sie auch wie zufällig ein Asthma- oder COPD-Spray ins Bild. Was bitte soll das denn? Hat Sie doch Vorerkrankungen? Dann könnte der Verlauf wirklich dramatisch werden oder hat sie das Spray irgendwo zur Verfügung gestellt, um damit ein bisschen die Lage zu dramatisieren oder hat sie das Spray möglicherweise von einem ihrer behandelnden Ärzte erhalten? Das wäre einfach medizinisch grober Unfug, denn was sollte das bewirken? Es steht auch in keiner Handlungsempfehlung, dass man SARS-CoV-2 Patienten mit einer Lungenbeteiligung irgendwelche Sprays verordnen soll.

Das nächste Update von Frau Loth mit ihrem Krankheitsverlauf gibt es am

11.12.2020: Hier ist sie schon wieder zu Hause. Das sie in eine Klinik eingeliefert werden mußt, wie es in dem Bericht heisst, widerspricht so ein bisschen dem Video, welches ich am 05.12.20 verlinkt habe. Dort heisst es bei 1:23min., dass sich Frau Loth in ein Krankenhaus hat einweisen lassen. Wie auch immer. Wenn Sie den Notarzt gerufen hat, weil ihr, verständlicherweise die Lunge bei einer Lungenentzündung weh tut, weißt dieser die Patienten immer ein, was rechtliche Gründe als Ursache hat und viel weniger medizinische Gründe, außer der Patient wehrt sich mit Händen und Füßen, was Frau Loth ganz eindeutig nicht getan zu haben scheint.
Wieso aber bitte bekommt sie, wie sie selbst angibt, Cortison, ASS und Antibiotika? Cortison geht ja gerade noch irgendwie, wobei man damit auch sehr zurückhaltend sein sollte, denn das wurde Anfang 2020 vor allem in Italien großzügig an die Patienten vergeben. Die Konsequenzen kennen wir alle, wobei es zugegebenermaßen nicht am Cortison alleine lag. Was macht aber bitte ASS? Und noch viel verwunderlicher ist, dass sie Antibiotika bekommen haben soll. Das wäre fast schon ein grober Fehler. Denn Antibiotika helfen ausschließlich bei einer bakteriellen (Lungen-)Entzündung, keinesfalls aber bei einer viralen (SARS-CoV-2) Lungenentzündung oder hatte sie doch gar keine SARS-CoV-2 Lungenentzündung, sprich gar keine Coronaerkrankung sondern eine bakterielle Lungenentzündung?. Wenn das darüber hinaus das “falsche” Antibiotikum ist, führt es möglicherweise auch noch zum plötzlichen Herztod, wobei hier wieder der Blick mit den bekannten Folgen nach Italien Anfang 2020 gelenkt werden darf.
Weiterhin ist angegeben, dass Frau Loth 7kg an Gewicht verloren hat. Waren Sie schon einmal 2-3 Wochen ordentlich krank, Fieber, Schüttelfrost, (Glieder-)Schmerzen und lagen noch dazu im Krankenhaus, wo das Essen meistens eher Nahrung darstellt als zu munden? Ich glaube, man braucht den Gewichtsverlust nicht weiter zu kommentieren.

17.12.2020: Endlich ist Frau Loth wieder genesen. Sie ist zwar “(…) noch schwach und hustet” aber das ist ja nicht überraschend nach einer leichten Lungenentzündung.

Scheinbar war sie 6 Tage im Krankenhaus. Ist das überraschend bei einer Lungenentzündung, die einer stationären Therapie bedarf? In keinem Fall! Am

24.12.2020: gibt es das letzte Update, dass vermuten lässt, dass Frau Loth wieder genesen ist. Wie schön. Aber war der Verlauf jetzt so überraschend? Wie Sie gleich sehen werden war er das nicht. Natürlich gehört es sich dennoch nicht, dass Frau Loth beleidigt wird. Es ist ihr Job, öffentlichkeitswirksam zu agieren und das hat sie ganz eindeutig hervorragend getan. Allerdings hätte sie es auch in eine andere Richtung tun können.

Was war an dem Krankheitsverlauf jetzt so überraschend? Ich bin ehrlich – nichts. Alles war vorhersehbar. Teilweise scheint sie zwar fragwürdig behandelt worden zu sein (Cortison, ASS und Antibiotika) aber das ist ja nicht ihr direkt anzulasten. Wenn man sich aber mal den Verlauf einer Lungenentzündung (https://www.gesundheitsinformation.de/lungenentzuendung.2681.de.html, https://www.qualitaetskliniken.de/erkrankungen/lungenentzuendung/, https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_66728518/lungenentzuendung-dauer-und-verlauf.html) ansieht, dann erfährt man sehr schnell und leicht, dass diese bis zu vier Wochen dauern kann, bevor sie wieder ausgeheilt ist und in schweren Verläufen sogar anschliessend eine Reha beantragt werden kann. Bitte Frau Loth, Sie waren ungefähr vom 23.11. bis zum 24.12. erkrankt. Was ist daran jetzt so besonders? Hat Ihnen niemand gesagt, dass es bis zu 4 Wochen dauern kann und man nur wenig dagegen tun kann? Selbst wenn es Ihnen niemand gesagt hat, es wäre ein Leichtes gewesen, sich selbst zu informieren. Sie wissen doch wie man das Internet für sich nutzt. Google hilft mit den Schlagworten “Lungenentzündung Verlauf” prompt weiter.

Ich hatte 2019 einen Patienten, der hatte eine bakterielle Lungenentzündung entwickelt und mußte auch stationär, d. h. im Krankenhaus mit Antibiotika über die Vene, wegen des schweren Verlaufs, behandelt werden. Er war insgesamt 7 Tage im Krankenhaus und die gesamte Arbeitsunfähigkeit bestand über 4 Wochen. Bereits bei seinem ersten Besuch und der Diagnose habe ich ihm das mitgeteilt, dass es bis zu 10 Wochen dauern kann, bis er wieder vollständig hergestellt ist und in erst einmal für 2 Wochen krankgeschrieben. Das war nicht verwunderlich.

Letztes Jahr hatte ich einen Patienten mit einer Corona bedingten Lungenentzündung, der wirklich sehr schwer betroffen war (Sauerstoffsättigung im Minimum bis auf 79% und Fieber bis 40,3 Grad), erstmalig  Ende Oktober gesehen. Bereits da habe ich ihm gesagt, er solle sich auf einen Verlauf bis Ende November einstellen und bis er vollständig wieder hergestellt und belastbar wäre, wäre das Jahr 2020 rum. Nach 4 Wochen war er so, dass er sagte, es würde ihm wieder deutlich gut gehen, er hatte zu diesem Zeitpunkt auch ohne Ibuprofen kein Fieber mehr und die Spritzen zur Verhinderung einer Blutgerinnung, was eine der größten Komplikationen bei einer COVID-19 Erkrankung darstellt, konnten bereits zuvor wieder abgesetzt werden. Heute (05.01.21) war er wegen eines ganz anderen Problems in der Praxis und es geht im wieder so wie vor der Erkrankung – erwartungsgemäß.

Keine dieser drei Verläufe überrascht wirklich. Alle sind so verlaufen, wie erwartet. Nur bei einem Verlauf wird so getan, als sei es eine Erkrankung, die Menschen, die ansonsten keine wesentlichen Vorerkrankungen haben, aus dem Leben reissen würde wie die Pest, Tuberkulose oder Cholera im Mittelalter.

Sehr geehrte Frau Loth, ich bin davon überzeugt, dass Sie eine leichte Lungenentzündung, möglicherweise ausgelöst durch SARS-CoV-2 hatten. Dabei fühlt man sich entsprechend schlapp und abgeschlagen. Aber muß es wirklich sein, dass man in der heutigen Zeit dieses so derartig überdramatisiert wie Sie es getan haben? Wäre es nicht viel hilfreicher, insbesondere für eine Person des öffentlichen Lebens, die Sachlage ruhig und besonnen zu beurteilen und zu dem Schluß zu kommen, es ist nicht lustig krank zu sein (das ist es allerdings niemals) und es kann auch weh tun. Aber ansonsten ist auch diese Erkrankung durchaus zu überstehen, was sogar deutlich wahrscheinlicher ist, als daran zu versterben.