Wenn man keine Ahnung hat, macht man einfach Angst. Die hilft, dass sich Menschen an Maßnahmen halten, egal wie unsinnig sie auch sein mögen. Denn mit Argumenten und sachlicher Überlegung unsinnige Maßnahmen durchzusetzen ist fast unmöglich, zumindest aber ungleich schwieriger und langwieriger.

Wie das am Besten geht, macht uns immer wieder der Bundesgesundheitsminister vor.

Was aber sollte man von ihm als Bankkaufmann auch erwarten, der es schon seiner Zeit nicht geschafft hat, Masken entsprechend zu bestellen, wofür er 110(!) externe Berater benötigte. Auch mit der anschliessenden Bezahlung derselbigen hat es so gut funktioniert, dass nunmehr diverse Klagen wegen Nicht-Zahlung der bestellten Waren anhängig sind. Möglicherweise sind das auch alles keine Kernkompetenzen eines Bankkaufmanns sondern Gesundheitspolitik. Sehen wir uns mal eine seiner vielen Aussagen an, die natürlich nicht eingetreten sind.

Mitte November prognostizierte der Bundesgesundheitsminister eine Verdopplung der COVID-19 Intensivpatienten.

Quelle: n-tv.de, Coronavirus-Liveticker am 11.11.2020

Damals, am 11. November gab es insgesamt 40.785 Intensivbetten. Davon waren 3.124 mit COVID-19 Patienten belegt. Diese Zahl beinhaltet alle COVID-19 Patienten, völlig unabhängig davon, ob diese hätten möglicherweise sofort auf eine andere Station verlegt werden können, weil sie nicht beatmet wurden und nur noch zur Überwachung dort lagen oder tatsächlich dort liegen mußten, weil sie beatmet wurden. 

Wenn man die Zahlen und die Entwicklung, die am 11.11.2020 vorherrschte exponentiell hochrechnet, dann hätte man auf die 6.000 COVID-19 Intensivpatienten kommen können. Allerdings zeugt alleine das von blankem Unverständnis und Ungeeignetheit für die Position als Bundesgesundheitsministers, denn es wurde mehrfach schon Monate zuvor davor gewarnt, Infektionszahlen einfach exponentiell hochzurechnen, da dieses schon mathematisch nicht funktioniert (aufgrund der beschränkten Grundmasse, die möglicherweise infiziert werden kann) und der Dynamik von Erkrankungen, die niemals exponentiell berechnet werden können (aufgrund so unterschiedlich vieler Einflußfaktoren auf die Gesundheitsentwicklung, dass dieses per se fast unmöglich ist). 

Wie hat sich die Situation nun aber entwickelt, da der November ja inzwischen rum ist. Sie sehen die Zahlen auf dem folgenden Bild.

Quelle: https://www.intensivregister.de/#/intensivregister?tab=kartenansicht

Am 11.11. gab es 2.061 COVID-19 Intensivpatienten, Ende November waren es 3.888 und die Kurve flacht deutlich ab. Somit kam es in diesem Zeitraum noch nicht einmal zu einer Verdopplung der COVID-19 Intensivpatienten (1,8-fach). Da können wir doch ganz entspannt sein, wenn die Entwicklung so weitergeht, dann ist die Wintersaison, die traditionell mit einer höheren Infektion der Atemwege einher geht, längst wieder vorbei, bis überhaupt ernsthafte Kapazitätsprobleme auftreten würden.

Zwei Dinge lassen mich bei diesen Anstiegen doch sehr entspannt sein.

1.) dieses Jahr scheint die klassische Grippe vollständig auszufallen, wie die folgende Abbildung zeigt

Quelle: apps.who.int/flumart/Default?ReportNo=10

In den letzten Jahren waren es vielfach auch die Patienten, die an einer schweren Lungenentzündung als Superinfektion im Rahmen einer Influenzainfektion auf den Intensivstationen behandelt werden mußten. Wenn diese jetzt vollständig wegfallen, dann haben wir immerhin eine doch ordentliche Kapazitätsmenge zusätzlich. (Glauben Sie eigentlich ernsthaft, dass es dieses Jahr überhaupt keine Grippeinfektionen mehr gibt? Ich nicht.)

2.) Seit dem 20. Oktober werden die Notfallreserven konsequent ausgebaut, ohne dass es zu einer Zunahme der belegten Betten käme.

Quelle: www.intensivregister.de/#/intensivregister?tab=kartenansicht

Da kommt schon die Frage auf, wie schlimm und dramatisch ist es eigentlich im Gesundheitswesen derzeit, dass die Intensivkapazitäten abgebaut werden können und die belegten Betten nicht zunehmen sondern mindestens seit Beginn des Intensivregisters (und auch schon davor) stabil belegt sind? Dieses lässt doch nur die Vermutung zu, es ist alles wie immer – bis auf die Tatsache, dass dieses Jahr die Grippe besiegt zu sein scheint (Das sollte doch mal auf die Titelseiten der Presse, denn schliesslich ist es das erste Mal im Laufe der Menschheitsgeschichte, dass es uns gelungen ist, eine Erkrankung tatsächlich auszurotten. Ich befürchte aber sie kommt wieder.)