Gesetzlich versicherte Personen haben, wenn sie männlich sind, in einem Zeitraum von 10 Jahren ab dem 50.sten Lebensjahr zweimal Anspruch auf eine Koloskopie (Dickdarmspiegelung) im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen. Frauen haben dieses ab einem Alter von 55 Jahren.

Bisher gibt es jedoch keine aussagekräftigen Studien, ob die Koloskopie eine Verringerung der Darmkrebsrate oder der Sterblichkeit an Darmkrebs erbringt. Hier gibt es nur Kohortenstudien aber keine randomisierten Studien. Nun wurde anhand von 84.585 Studienteilnehmern, die zu einer Koloskopie im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung in den Niederlanden, Schweden, Norwegen und Polen eingeladen wurden, versucht genau diese Fragen zu klären, wie das arznei-telegramm berichtet.

Im Rahmen der 10-jährigen Nachbeobachtungsphase zeigt sich in der Screeninggruppe, also der Gruppe, die eine Koloskopie erhalten haben, in 0,98% der Fälle ein kolorektales Karzinom (Dickdarmkrebs), wohingegen es in der Kontrollgruppe in 1,2% der Fälle auftrat.
Die Darmkrebssterblichkeit sank in der Screeninggruppe nur numerisch um 0,03% im Vergleich zu der Kontrollgruppe. Die Malginominzidenz, also das auftreten von bösartigen Veränderungen, lag in der Screeninggruppe, innerhalb der ersten sechs Beobachtungsjahre, eben gerade bedingt durch das Screening, höher als in der Kontrollgruppe. Der Effekt des Screenings zeigt sich, wenn überhaupt und dann nicht statistisch signifikant, erst später. Eine relative Senkung der daraus entstehenden Darmkrebsinzidenz nach 10 jähriger Beobachtungsdauer ergab eine relative Senkung um 18% bei einer allerdings nur 0,22%-tigen absoluten Risikoreduktion.

Demnach müssen 455 Menschen zum Koloskopie-Vorsorge-Screening eingeladen werden (und auch daran teilnehmen), um eine Darmkrebserkrankung innerhalb von 10 Jahren zu verhindern.
Der Nutzen des Darmkrebsscreenings bleibt somit deutlich unter den Erwartungen, die Darmkrebsrate zu senken.

Zwar war die Komplikationsrate im Rahmen der Dickdarmspiegelung statistisch nicht signifikant erhöht, allerdings wurde auch nicht weiter auf die teilweise sehr belastende Vorbereitung der Dickdarmspiegelung durch den Patienten am Tag vor der Untersuchung näher eingegangen. 


Für mich zeigen die Daten, dass es nach wie vor nicht notwendig erscheint, ohne konkrete Anlässe (Blut im Stuhl – eventuell im Rahmen entsprechender Stuhluntersuchungen aufgetreten, familiäre Vorbelastung für Darmkrebs) eine Dickdarmuntersuchung im Rahmen eines Screenings durchzuführen. Damit reiht sich das Dickdarmkrebsscreening mittels der Koloskopie in die Reihe aller bisher anlasslosen Massentests ein, die noch nie zu positiven Ergebnissen geführt haben.