Linienchart – dieses Jahr wird’s schlimm

Linienchart sagt Ihnen nichts? Dann lassen Sie uns in das neue Jahr genau damit starten. Sie wollen Aktien kaufen und suchen den optimalen Einstiegs- bzw. Ausstiegszeitpunkt, um damit dieses Jahr endlich reich (und berühmt) zu werden? Ich empfehle Ihnen Bücher zur “Technischen Analyse” von Aktien. Die haben dann eventuell so erfolgsversprechende Namen wie “Maximale Rendite mit Aktien” oder auch “Den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt finden”. Auf jeden Fall aber lernen Sie etwas über Liniencharts, Candlestick Charts, etc. pp.

Liniencharts sind nichts anderes, als in den fortlaufend aufgetragenen Schlusskursen der jeweiligen Aktien oder des entsprechenden Indizes irgendwelche Auf- oder Abstiege zu erkennen, die irgendetwas über die Zukunft dieser Aktie oder des Indizes voraussagen sollen. Das sieht dann so aus:

 

 

Da kommen dann solche Beschreibungen heraus wie die folgende. Zu Beginn zeigte sich ein intakter Abwärtstrend. Die Abwärtslinie (obere rote Linie am Anfang) wurde insgesamt dreimal berührt aber nicht überschritten. Somit ist der Abwärtstrend intakt. Darauf folgte eine steile Kurskorrektur, die in eine stabile Seitwärtsbewegung überging. Anschliessend kam es zu einem erneuten steilen Anstieg. Die sich anschliessende erneute Kurskorrektur wurde auf eine Überhitzung des Marktes. bla bla bla, laber, Rhabarber, ……
Und nun am Ende? Was schliessen Sie jetzt für die Zukunft daraus? Wird es aufwärts gehen, abwärts, weiter seitwärts, werden Sie investieren, aussteigen oder mit dem derzeitigen Zustand noch abwarten, bevor Sie irgendetwas entscheiden?

Natürlich habe ich null Ahnung über Aktien, außer dass es ein legales Wettspiel auf einen zukünftigen Kurs und damit Wert einer Firma an der Börse ist und das, obwohl ich mich früher damit viel beschäftigt habe. Das war in den 90zigern während meines Studiums, weil es so spannend war.

Spaß hat das immer gemacht, wenn gleich ich damit natürlich nicht dauerhaft reich wurde (eigentlich wurde ich überhaupt nicht reich), denn sonst würde ich heute nicht für Sie zur Verfügung stehen, sondern z.B. auf Mauritius am Strand liegen und Corona Corona sein lassen.
Schön ist aber, dass das auch bei den Sterbezahlen ganz hervorragend funktioniert. Soll ich mal?

So sehen die absoluten Sterbezahlen seit 1991 bis 2020 aus.

 

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/156902/umfrage/sterbefaelle-in-deutschland/#professional und https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1118856/umfrage/monatliche-sterbefaelle-in-deutschland/

 

Und jetzt mit Linienchart.

 

 

Nach einem anfänglich deutlichen Rückgang der Sterbefälle in den Jahren 1991 – 2007 zeichnet sich seit dem eine stetige Zunahme der Sterbefälle ab. Der langfristige Aufwärtstrend (rote Linien) ist in Takt. Es wird auch in Zukunft immer mehr gestorben (klar, wir haben ja auch Corona). 2014 und 2019 sind die Sterbefälle am unteren Aufwärtstrend (untere rote Linie) abgeprallt und bewegen sich stabil im Aufwärtskanal. Der langfristige Aufwärtstrend seit 1991 ist derzeit ungebrochen und läuft in die Spitze ein (schwarze Linien). Da diese Spitze innerhalb eines intakten Aufwärtstrends (rote Linien) liegt, ist davon auszugehen, dass die Sterberate weiterhin intakt aufwärts sein wird.

Mein Tipp für dieses Jahr, es wird kritisch. Ich würde mir das mit dem Ausstieg aus der Aktie Leben intensiv überlegen. Es zeichnet sich ein intakter Aufwärtstrend bei den Sterbezahlen ab. Lieber raus als rein ins Leben.

Bitte kommen Sie nicht auf irgendwelche dummen Gedanken. Solche Grafiken, auch die der Sterbezahlen im Vergleich zu irgendetwas, sagt überhaupt nichts aus. 1991 haben in Deutschland 79,75 Mio. Menschen gelebt. 2018 waren es 82,79 Mio. Das entspricht einem Plus von 3,8%. Gleichzeitig sind in denselben Jahren 911.245 bzw. 954,874 Menschen gestorben. Das entspricht einem Plus von 4,8%. Also unterm Strich ein Plus von genau 1%. Das wiederum entspricht der absolut natürlichen Schwankungsbreite. Mal sterben etwas mehr, mal etwas weniger Menschen. Da muß nur mal eine Grippewelle kommen, rums, sind mehr Menschen verstorben. Dann kommt eine Hitzewelle, zack, wieder sind mehr Menschen gestorben. Man kann daraus nichts ablesen, nur, dass 2020 mehr Menschen als 2019 gestorben sind, es aber keine Übersterblichkeit gab. Diese hätte eher so ausgesehen wie 2015 im Vergleich zu 2014. 2020 sind 953,825 Menschen gestorben, 2019 waren es 939.520. Um Ihnen das Rechnen abzunehmen, dass entspricht genau…. raten Sie mal… 1,5%. Übrigens, der Rückgang 2019 im Vergleich zu 2018 war…. Sie vermuten es…. 1,4% (954.874 auf 939.520). Und nun? Steigen Sie bitte nicht aus der Aktie Leben aus. Dafür ist es viel zu schön und viel zu lustig.

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Dr. med. Matthias Keilich