Lockdown und die Toten

Diese Woche ist der neuerliche Lockdown genau zwei Wochen her. Restaurants sind geschlossen, Theater schon lange und ob sie jemals wieder öffnen werden, dass werden wir erleben.

Da  ist die Frage zwingend angebracht, wofür? Lohnt es sich wenigstens, um die Situation in den Griff zu bekommen?

Als der Lockdown genau zwei Wochen anhielt (Montag, 16.11.), lagen die COVID-19-Todesfälle bei 267. 

Quelle: https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4

Einen Tag später sind die Zahlen sogar noch einmal gestiegen.

Quelle: https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4

Immer mehr Tote trotz Lockdown. Man mag einwenden, dass die Todesfälle immer 15-30 Tage “nachlaufend” sind, da ja nicht sofort alle sterben, die an einem Tag erkrankt sind. Hier müsste sich dann aber ein kontinuierlicher Anstieg  der Todeszellen bereits in den Tagen vor dem Lockdown zeigen.

Wenn man die Statistik von euromomo bemüht, dann zeigt sich, dass die Todesfälle absolut stabil sind, keine Fallzahlsteigerung festzustellen ist.

Quelle: https://euromomo.eu/graphs-and-maps/

Bereits in den Wochen vor dem Lockdown bewegen sich die Zahl der Gestorbenen innerhalb der “Normal range”, sind also nicht höher als sonst auch.
Woher kommen dann aber die ständigen Horrormeldungen, die vermuten lassen, dass das Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps stünde? Es handelt sich hierbei schlicht und ergreifend um die Betrachtung einer einzigen Zahl. Leider sterben aber Menschen nicht nur an COVID-19 sondern auch an anderen Erkrankungen. Jeder, der in ein Krankenhaus eingeliefert wird, völlig unabhängig seines Aufnahmegrundes, bekommt einen Rachenabstrich auf SARS-CoV-2. Wenn dieser positiv ist, läuft der Patient die gesamte Zeit als SARS-CoV-2 Patient, unabhängig von seinem eigentlichen Grund der Einlieferung oder Aufnahme. Wenn er nun versterben sollte, völlig unabhängig weshalb, wird er automatisch als SARS-CoV-2 positiv Verstorbener = COVID-19-Toter gezählt.
Deshalb ist die Gesamtzahl der Verstorbenen überhaupt nicht angestiegen und es gibt kein Problem im deutschen Gesundheitswesen. Früher sind die Menschen zum Beispiel gestorben an:

  • Schädel-Hirn Trauma = 3 Verstorbene
  • Tumor = 2 Verstorbene
  • Herzinfarkt = 14 Verstorbene
  • Schlaganfall = 11 Verstorbene

Insgesamt sind also innerhalb eines bestimmten Zeitraumes 30 Personen verstorben.

 Jetzt werden von den 30 Patienten, die zuvor ins Krankenhaus eingeliefert werden, 9 auf SARS-CoV-2 positiv getestet. Leider versterben die Patienten aber immer noch. Allerdings nun möglicherweise nur noch:

  • Schädel-Hirn-Trauma = 1 Verstorbener
  • Tumor = 2 Verstorbene
  • Herzinfarkt = 10 Verstorbene
  • Schlaganfall = 8 Verstorbene

Insgesamt sind also innerhalb eines bestimmten Zeitraumes 21 Personen verstorben. Die, die zuvor positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, sind leider auch verstorben, werden jetzt allerdings nicht mehr der ursächlichen Todesursache zugeordnet sondern, aufgrund den geänderten Vorgaben, als COVID-19 Toter gezählt. Dieses sind dann zusätzlich noch einmal

  • COVID-19 = 9 Verstorbene

Zusätzlich zu den bereits 21 Verstorbenen, ergeben die 9 COVID-19 Verstorbene wiederum 30 Verstorbene. Daher haben wir also in Summe gar keinen Anstieg der Todesfälle sondern lediglich eine Verschiebung.
Wenn jedoch ausschließlich die COVID-19-Todesfälle betrachtet werden, dann ergibt sich möglicherweise ein Anstieg der entsprechenden Todesfälle, da auch immer mehr getestet wurde und die (falsch oder richtig) positiven hierdurch natürlich zunehmen. Aber ein Problem oder gar eine Überlastung des Gesundheitssystems ist hierdurch keinesfalls ableitbar.
Das sieht man schon daran, dass in einer Situation wie der derzeitigen in Essen zwei Krankenhäuser geschlossen werden, da sie nicht mehr benötigt werden. Die Situation ist also keineswegs ausser Kontrolle oder droht ausser Kontrolle zu geraten.

Um die anfängliche Frage noch einmal aufzunehmen: Lohnt sich der Lockdown wenigstens, um die Situation in den Griff zu bekommen? Die Antwort kann nur lauten: Sie war uns nie entglitten, es findet nur eine Verschiebung von A nach B statt ohne eine tatsächliche Zunahme.

Author Info

Dr. med. Matthias Keilich