Bei n-tv wurde über einen Masernausbruch, vor allem in Sachsen und NRW, berichtet.


Quelle: n-tv.de

 

Was aber bedeutet das? Wie viele Masernfälle sind dort aufgetreten und gibt es wirklich eine Impfpflicht gegen Masern, wie in dem Bericht behauptet wird?


Quelle: n-tv.de

 

Deutschlandweit gab es in den letzten Jahren immer weniger Masernfälle, wie die Grafik vom RKI zeigt.


Quelle: RKI

 

Auffallend ist, dass es mit der Zunahme der Coronafallzahlen eine deutliche Abnahme der Masernfälle gab. Bekanntermaßen wurde ab Beginn 2020 bis zur aktuellen Grippesaisaon überhaupt nicht mehr auf Grippe getestet, wohingegen es scheinbar nur noch Tests auf Corona gab. Daher schnellten die Zahlen für die Coronafälle nach oben, wohingegen die Grippezahlen eine scheinbar nicht mehr relevante Erkrankung zu repräsentieren schienen.
Kann das möglicherweise bei Masern auch so gewesen sein?
Dieses ist auf jeden Fall zu verneinen.
Grippe und Corona sind primär obere Atemwegserkrankungen, die ziemlich ähnliche Symptome aufweisen und sich, entsprechend der Testpräferenzen, “ablösen” können. Das kann bei Masern keineswegs der Fall sein. Schon alleine die Symptome sind gänzlich unterschiedlich bei Masern im Vergleich zu Corona. Vielmehr ist die Erklärung eher die, dass es sich bei Masern um eine hochinfektiöse Erkrankung handelt. Ab Beginn 2020 wurden die Menschen isoliert, Ansammlungen von Gruppen wurden verboten und selbst Geschäfte für längere Zeiträume vollständig geschlossen, so dass es zu keiner Übertragungsmöglichkeit der hochinfektiösen Masernerreger kommen konnte.
Damit könnte nun die Diskussion entstehen, dann hätten die ganzen Coronamaßnahmen wohl doch etwas positives bewirken können, denn somit müßte ja auch die Übertragung des Coronaerregers verhindert worden sein. Hier ist jedoch deutlich zwischen der Infektiosität der beiden Erreger zu unterscheiden. Bei Corona braucht es einen intensiven, mindestens 15 minütigen Kontakt, um die Erreger zu übertragen. Coronaerreger sind bereits nach kurzem an der Luft nicht mehr virulent, da sie absterben. Darüberhinaus ist die Inkubationszeit bei Corona 3 – 5 Tage. Das sieht bei Masern vollständig anders aus. Masernerreger sind hoch virulent, d.h. es benötigt einen deutlich kürzeren Kontakt zu einem Infizierten als bei Corona, um sich zu infizieren. Auch hält sich ein Masernerreger deutlich länger in der Luft als ein Coronaerreger. “Masernviren wurden nach Kontamination noch nach 2 Stunden in der Luft nachgewiesen. (RKI)”. Die Inkubationszeit bei Masern ist mindestens 2 bis 3mal länger als bei Corona und beträgt hier 7 – 21 Tage (RKI), womit ein Infizierter länger ohne erkennbare Symptome rumläuft und somit eine größere Möglichkeit entsteht, andere Menschen zu infizieren.
Somit ist die Erklärung für den Rückgang der Masernzahlen mit den Maßnahmen gegen Corona für Masern plausibel, für Corona weniger.

Es stellt sich jedoch die Frage, wie ist der aktuelle Ausbruch einzuordnen, denn bereits wenn es nur einen Masernfall gegeben hätte, wäre es ein Ausbruch.
Die folgende Tabelle vom RKI zeigt die Masernfälle in den Jahren 2012 – 2022. Daneben sehen Sie die Fälle von 2016 – 2022 in den einzelnen Bundesländern.

Insgesamt schwanken die Masernausbrüche also auf einem sehr niedrigen Niveau in den letzten Jahren. Wenn sie jetzt wieder ansteigen, dann auf ein Niveau, dass wir bereits vor der Coronazeit schon hatten.
Masern sind eine schlimme und möglicherweise sogar tödlich verlaufende Erkrankung. Bis zu 15% der Erkrankten erleiden Komplikationen. Diese reichen von bakteriellen Superinfektionen über eine Mittelohrentzündung, Lungenentzündungen und der sogenannten, katastrophal verlaufenden SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis). Hierbei handelt es sich um eine Entzündung des Gehirns, die Monate bis Jahre nach einer Maserninfektion auftreten kann, progressiv ist und in der Regel tödlich verläuft. Eine grauenhafte Erkrankung, ausgelöst durch eine scheinbar “harmlose” Maserninfektion, wie einige behaupten.

Dabei gibt es einen so wirksamen Schutz gegen die Maserninfektion. Es steht eine Jahrzehnte erprobte und allgemein gut verträgliche Lebendimpfung mit einem abgeschwächten Erreger zur Verfügung. Bereits nach einmaliger Impfung sind in der Regel über 75% der Geimpften lebenslang vor einer Infektion geschützt. Eine zweite Impfung wird nur deshalb bei Masern durchgeführt, damit auch die initialen sogenannten Non-Responder, also die, die bei der ersten Impfung nicht auf die Impfung adäquat ansprechen, hiernach einen sicheren und dauerhaften Schutz entwickeln.
Meine Empfehlung ist daher ganz klar für die Masernschutzimpfung.