Heute war über die geplante Investition von Elli Lilly in Deutschland bei n-tv zu lesen.


Quelle: n-tv

 

Worum geht es und was stimmt von dem, was in dem Bericht behauptet oder vermutet wird?

Eli Lilly stellt ein Produkt her, welches bei Diabetikern eingesetzt werden kann. Es ist ein Medikament, das gespritzt werden muß und die Blutzuckerwert senkt. Der Vorteil dabei ist, dass es nur einmal wöchentlich gespritzt werden muß und zuverlässig den Blutzucker senkt.
Bei Diabetikern ist es nicht als Therapie der 1. Wahl zugelassen sondern nur als zusätzliche Medikation.

Im Rahmen der Diabetestherapie fiel auf, dass die Patienten, die damit behandelt wurden, neben einer Blutzuckersenkung auch einen Gewichtsverlust zu verzeichnen hatten. Ein gewünschter und erstmaliger Nebeneffekt im Rahmen einer Diabetestherapie. Bisher gelang eine Gewichtsreduktion bei einer Diabetestherapie selten, meistens verhielt es sich sogar entgegengesetzt.

Inzwischen ist das Medikament auch für die Adipositastherapie zugelassen. Hier darf es ohne weitere Medikation eingesetzt werden.

Was steht nun in dem Artikel wie verhält es sich mit diesen Aussagen:

1.) Die Nachfrage nach dem Produkt sei so groß, dass die Firmen mit der Produktion nicht mehr hinterher kommen
Das stimmt. Hieraus ergibt sich auch genau das Problem. Denn Diabetiker sind möglicherweise zwingend auf das Produkt angewiesen und bekommen es in letzter Zeit nur noch sehr schwer in den Apotheken. Einige Apotheken sind daher dazu übergegangen die Spritzen nur noch abzugeben, wenn man als Diagnose Diabetes auf das Rezept mit drauf schreibt.
Der Neubau von Lilly wird somit die Lage vermutlich etwas entspannen, jedoch wird es noch Jahre dauern, bis das Werk in Produktion gehen wird.

2.) Würde die Spritze von den gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden, würde das möglicherweise das Gesundheitssystem sprengen.
Abgesehen davon, dass es eine, neben zwingend weiteren notwendigen Möglichkeiten, ist, um adipösen Menschen zu helfen, die Erkrankung therapieren zu können und Folgekosten im Gesundheitssystem dadurch zu reduzieren, geht diese Aussage davon aus, dass die Kosten, die derzeit gezahlt werden, wenn man die Spritze privat kauft, 1:1 dann auch die Kosten sein würden, die die gesetzlichen Krankenversicherungen zu übernehmen hätten. Das stimmt jedoch nicht. Wenn die gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten zu tragen hätten, entscheidet zuvor der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA). Dieser wird jedoch, wenn es dazu kommen sollte, die Kosten, die dafür zu erstatten sind, deutlich niedriger als die derzeitigen Kosten ansetzen, so dass natürlich nicht die aktuell zu bezahlenden Kosten 1:1 auf die gesetzlichen Krankenversicherungen umgerechnet werden dürfen.
Selbst wenn die Kosten nicht unter den aktuellen Kosten lägen, dann wird ein weiterer wichtiger Aspekt in dem Artikel angesprochen. Durch die Reduktion der Adipositas werden Folgekosten durch Erkrankungen, die im Rahmen der Adipositas auftreten, reduziert, die dann entsprechend nicht mehr anfallen würden. Ob diese jedoch die Kosten der Spritze vollständig auffangen würden, müßten die gesetzlichen Krankenversicherungen den aktuellen Preis vergüten, darüber gibt es nur Spekulationen und Vermutungen sowie (idealisierte) Modellrechnungen.

3.) Kosten für die “Abnehmspritze” wären nur dann gut investiert, wenn sie eine nachhaltige Wirkung entfalten würde. 
Genau das erkläre ich auch immer den Patienten, die mich danach fragen, sie aktuell zu verordnen. Die Spritze alleine kann nur unterstützend wirken. Wenn man aufhört sich damit zu spritzen, dann erreicht man sehr schnell wieder das Ausgangsgewicht und überschreitet es möglicherweise. Es ist, wie in dem Artikel beschrieben, der bekannte Jo-Jo Effekt von Diäten.
Man muß darüberhinaus bereit sein, seine Lebenseinstellung zu ändern. Man muß lernen, wie man sich gesund ernährt, man muß die Kalorienzufuhr reduzieren und/oder den Kalorienverbrauch steigern. Man könnte meinen, dass heutzutage jeder weiß, wie man sich gesund ernährt. Dieses ist allerdings bei weitem nicht der Fall. Es gibt so viele Ernährungsmythen, die ich im Rahmen solcher Gespräche immer wieder klarstellen muß, dass es sich eben gerade so nicht verhält oder nicht hilfreich ist wenn man abnehmen möchte. 
Weiterhin ist für einige Essen zur Sucht geworden oder sie setzen es (meistens unbewusst) als Belohnung sich selbst gegenüber ein. Daher ist auch bei dem Einen oder Anderen möglicherweise eine begleitende Psychotherapie in Betracht zu ziehen, damit diese Menschen überhaupt erst einmal verstehen, wieso sie so dick geworden sind.

Abschliessend erwähnt der Artikel einen Punkt, der wirklich und ernsthaft zu diskutieren ist:
“Der medizinische Nutzen wäre minimal, da die Spritzen vermutlich chronisch Abhängige erzeugt und nur die Umsätze der Pharmahersteller boostert.”
Denn das darf keinesfalls passieren!

 

Wie der Medizinische Sachverständige heute (17.04.) berichtet, wurde Wegovy®, dabei handelt es sich um die in diesem Artikel beschriebene Abnehmspritze, vom G-BA von der Erstattungspflicht ebenfalls ausgenommen, womit die Kosten der Verordnung nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung gehen.
“Dieser gesetzliche Verordnungsausschluss greift auch für das Fertigarzneimittel Wegovy® mit dem Wirkstoff Semaglutid, das zur Gewichtsreduktion zugelassen ist. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den Ausschluss als Kassenleistung heute durch einen Beschluss formal nachvollzogen und Wegovy®, auch bekannt als „Abnehmspritze“, in der Arzneimittel-Richtlinie (Anlage II – Lifestyle-Arzneimittel) entsprechend gelistet.” (G-BA vollzieht den gesetzlichen Verordnungsausschluss für das Abmagerungsmittel Wegovy® nach)