Am 08.09. war bei web.de um 06:25 Uhr unter den Coronanews zu lesen, dass es in NRW keine freien Platz mehr für die Behandlung mit einer Herz-Lungen-Maschine (ECMO) gäbe und man müsse “(…) bereits auswählen, welchen Patienten wir an das Gerät anschließen.”. Das verblüfft etwas und legt den Schluß nahe, auf Intensivstationen würden Menschen an eine Herz-Lungen-Machine (HLM) angeschlossen werden. 

1.) Ein Patient auf der Intensivstation wird NIE mit einer Herz-Lungen-Maschine behandelt. Eine Herz-Lungen-Maschine ist eine Maschine, die zum Einsatz kommt, wenn ein Patient am offenen Herzen operiert wird UND das Herz zu dieser Operation stillgelegt werden muß. Die HLM übernimmt dann die Funktion des still gelegten Herzens und der Lunge, was anatomische Gründe hat. Eine Herz-Lungen-Maschine ist kein Gerät, das sich auf einer Intensivstation befindet. Schon alleine aufgrund der Ausmaße handelt es sich hierbei um ein enorm komplexes Gerät, welches ausschließlich von extra dafür ausgebildeten Kardiotechnikern bedient und gefahren (so der Sprachgebrauch im OP) werden kann. Keinesfalls kann ein so komplexes Gerät von einer Intensivschwester bedient werden. Man versucht einen Patienten während einer Herz-Operation immer nur so kurz wie möglich an der Herz-Lungen-Maschine zu lassen, da diese enorme negative Auswirkungen unter andem auf die roten Blutplättchen hat.
Von daher ist die Aussage es gäbe auf der Intensivstation keinen freien Platz mehr, um Patienten mit einer HLM zu behandeln nicht richtig. Es gab dort noch NIE einen freien Platz, um einen Patienten mit einer HLM zu behandeln.
Im weiteren Verlauf des Berichtes ist dann allerdings von einer ECMO zu lesen ist. Eine ECMO ist aber etwas ganz anderes als eine HLM. Eine ECMO ist ein Gerät zur extrakorporalen Membranoxygenierung. Sie wird eingesetzt, wenn der Patient ein schweres Lungenversagen, z.B. im Rahmen einer schweren Lungenentzündung, möglicherweise durch SARS-CoV-2 ausgelöst, erleidet. Ein ECMO ist nicht viel größer als ein modernes Dialysegerät und wird durchaus auch auf Intensivstationen eingesetzt. Der wesentliche Unterschied ist, dass die HLM die Tätigkeit des Herzens vollständig ersetzt und der Patient so trotz Herzstillstand nicht stirbt. Bei der ECMO hingegen, muß die Herztätigkeit des Patienten vollständig selbst erhalten bleiben. Denn anderenfalls würde es überhaupt nichts nützen, einen Patienten an die ECMO anzuschliessen.

2.) Das folgende Bild zeigt die Auslastung der Intensivstationen in Deutschland und rechts daneben in Nordrhein-Westfalen.

 

Quelle: Intensivregister

 

Man erkennt, dass die belegten Betten prozentual immer mehr werden, aber nicht, weil die Belegung mehr wird. Diese bleibt stabil (dunkelblaue Fläche), die freien Betten (hellblaue Fläche) wird immer weniger, weil es von oben “drückt”. Die Notfallreserven werden immer weiter abgebaut. Wenn aufgrund medizinischer Ereignisse Betten benötigt werden würde, würden die belegten Betten von unten “drücken”, sprich die absolut belegten Betten nähmen zu, wodurch die freien Betten ebenfalls abnehmen würden. 

In der folgenden Abbildung ist die Situation im Universitätsklinikum Essen zu sehen.

Quelle: Intensivregister

Man erkennt, dass die Ampel dort auf gelb steht. Das ist kein Spezifikum der Essener Universitätsklinik sondern aller Universitätskliniken in Deutschland. Würde sie längerfrist auf grün stehen, wäre dieses für die entsprechende Universitätsklinik enorm kostenineffizient, da ein Intensivbett mit das teuerste Bett in einem Krankenhaus darstellt. Da es sich bei einem Krankenhaus um ein wirtschaftlich agierendes Unternehmen handelt, kann man das in etwas mit der Lufthansa vergleichen. Diese würde niemals im Regelbetrieb einen A380 auf der Strecke Berlin – Frankfurt einsetzen, da es zu keiner sinnvollen Vollauslastung führen würde und sich somit das Unternehmen binnen kürzester Zeit wirtschaftlich ruinieren würde.

Die folgende Darstellung zeigt die Auslastung der Intensivstationen in Deutschland mit Covid-19 Patienten.

Quelle: Intensivregister

Im Schnitt sind in Deutschland 5,8% der Intensivbetten mit COVID-19 Patienten belegt. Belegt bedeutet, es liegt jemand in einem Bett auf der Intensivstation zum Zeitpunkt, an dem die Daten erhoben werden. Das ist einmal täglich zum Zeitpunkt x. Weshalb er dort liegt und wie schwer krank er ist, erfasst das Intensivregister nicht. Was erfasst wird, sind die, die dort beatmet werden. 3% belegen ein Intensivbett, die an Covid-19 erkrankt sind und dort beatmet werden müssen. Alle anderen mit Covid-19 liegen möglicherweise dort, weil gerade woanders kein Bett frei ist, weil sie noch innerhalb desselben Tages verlegt werden oder weil in dem Haus keine IMC (intermediate Care) Station zur Verfügung steht, auf der diese Patienten behandelt werden könnten.

Somit kann man zusammenfassen, dass es erstens noch nie einen freien Behandlungsplatz mittels Herz-Lungen-Maschine auf der Intensivstation gab, zweitens die Intensivkapazitäten stabil ausgelastet sind und es drittens einen erheblichen Unterschied zwischen einer Herz-Lungen-Maschine und einer ECMO gibt.