Das ich mit Paxlovid® und seiner Einnahme durch Hr. Lauterbach so meine Schwierigkeiten habe, hatte ich in einem früheren Beitrag bereits anklingen lassen.

Ausgelöst durch einen aktuellen Tweet des Gesundheitsministers frage ich mich aber, wem sollte ich es abgeben, ohne einen Kunstfehler zu begehen und mich dafür verantworten zu müssen.
Der Tweet von Lauterbach lautet wie folgt.

 

Quelle: Twitter Account Lauterbach

 

Paxlovid® senkt also bei älteren die Coronasterblichkeit um bis zu 90%. Wie viele mag das wohl betreffen? 

In der Gebrauchsinformation für den Patienten zu Paxlovid® steht, wofür es angewendet werden darf.


Quelle: Information für Patienten zu Paxlovid

 

Also darf es nur bei Patienten angewendet werden, “(…) die ein erhöhtes Risiko haben, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln.”
Welche Patienten haben denn ein erhöhtes Risiko, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln? Diese Frage beantwortet uns das RKI auf seinen Seiten und auch im Steckbrief zu SARS-CoV-2 ganz eindeutig. Dort werden Personengruppen aufgeführt, die nach bisherigen Erkenntnissen das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs haben:

  • Lebensalter ab 50 oder 60 Jahre (Anm.: finde ich irgendwie persönlich ziemlich unpräzise, aber gut, scheinbar ist es so)
  • Patienten mit Herzkreislauferkrankungen (Anm.: hierzu zählen z.B. Bluthochdruck, koronare Herzkranzgefäßerkrankung, Z.n. Herzinfarkt)
  • Patienten mit Diabetes
  • Patienten mit Erkrankungen des Atmungssystems (Anm.: hierzu gehören z.B. Asthma bronchiale oder COPD)
  • Patienten mit Lebererkrankungen
  • Patienten mit Nierenerkrankungen
  • Patienten mit Krebserkrankungen
  • adipöse (übergewichtige) Patienten mit einem BMI>30 und stark adipöse Patienten mit einem BMI>35
  • Nikotinabusus (Rauchen) 
  • Schwangere mit Vorerkrankungen/vorbestehenden Risikofaktoren (Adipositas, chron. Bluthochdruck, vorbestehender Diabetes)
  • Patienten mit unterdrücktem Immunsystem (Anm.: z.B. durch die Einnahme von kortisonhaltigen Präparaten)
  • Patienten mit einer Immunschwäche
  • männliche Patienten
  • Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21)
  • Patienten mit neurologischen Erkrankungen
  • Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen
  • Patienten mit einer Tumorerkrankung

Mir erschliesst sich zwar nicht, wieso Patienten mit einer psychiatrischen Erkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Viruserkrankung haben, die primär den oberen Atemwegstrakt befällt, aber scheinbar ist es so, denn schließlich schreibt es das RKI explizit.
Wichtig ist also, dass alle oben genannten Patienten einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 haben.

Nun ist es bei jedem Medikament so, dass man es bei gewissen Erkrankungen nicht anwenden darf. Hier gibt es sogenannte relative Kontraindikation, die in den Packungsbeilagen und Fachinformationen stets mit dem Hinweis nur nach entsprechender Nutzen-Risikoabwägung oder ähnlichem aufgeführt sind.
Dann gibt es absolute Kontraindikationen, die immer unter dem Punkt wann darf das Medikament nicht eingenommen werden, aufgeführt sind. So natürlich auch bei Paxlovid®. Hier finden sich folgende Erkrankungen bzw. entsprechende Medikamente, die nicht eingenommen werden dürfen, wenn man das Medikament, in unserem Fall Paxlovid®, geben möchte. Die Gebrauchsinformation zu Paxlovid® führt hier folgende absolute Kontraindikationen auf:

Quelle: Informationen für Patienten zu Paxlovid

 

Folgende Patienten dürfen also Paxlovid® keinesfalls einnehmen und erhalten:

  • Patienten, die bekanntermaßen allergisch auf einen der Inhaltsstoffe reagieren (Anm.: so wie bei jedem Medikament)
  • Patienten, die eine vergrößerte Prostata haben
  • Patienten, die Schmerzen haben und Pethidin (Anm.: Dolantin® oder Propoxyphen (Anm.: alle Medikamente mit diesem Wirkstoff sind in Deutschland nicht mehr im Vertrieb) einnehmen
  • Patienten, die eine koronare Herzkranzgefäßerkrankung mit chronischen Angina pectoris Beschwerden haben und Ranexa® einnehmen
  • Patienten, die im Rahmen ihrer Tumorerkrankung mit Neratinib oder Venetoclax behandelt werden
  • Patienten, die Herzrhythmusstörungen haben und mit einem der folgenden Medikamente behandelt werden (Amiodaron, Bepridil, Dronedaron, Encainid, Flecainid, Propafenon, Chinidin)
  • Patienten, die bestimmte Medikamente gegen bakterielle Infektionen einnehmen bzw. erhalten (Fusidinsäure, Rifampicin)
  • Patienten, die an Epilepsie leiden, was als Krankheitsbild zu neurologischen Erkrankungen zählt und die folgende Medikamente einnehmen (Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin)
  • Patienten, die im Rahmen ihrer Gicht mit Colchicin behandelt werden
  • Patienten, die eine bekannte Allergie haben und mit Astemizol oder Terfenadin behandelt werden
  • Patienten, die schizophren oder depressiv sind, was ein psychiatrisches Krankheitsbild darstellt und mit Luradison, Pimozid, Clozapin oder Quetiapin behandelt werden
  • Patienten, die Migräneanfälle haben und mit Dihydroergotamin oder Ergotamin behandelt werden
  • Patientinnen, die zur Stellung übermäßiger Blutungen nach Entbindungen oder im Rahmen von Schwangerschaftsabbrüchen mit Ergometrin oder Methylergometrin behandelt werden
  • Patienten, die mit Cisaprid gegen Magenschmerzen behandelt werden
  • jeder, der Johanniskraut einnimmt
  • Patienten mit erhöhten Blutfetten, die mit Lovastatin, Simvastatin oder Lomitapid behandelt werden (Anm.: aufgrund der erhöhten Blutfettwerte haben diese Patienten ein erhöhtes Risiko für eine koronare Herzkranzgefäßerkrankung)
  • Männer, die an Erektionsstörungen leiden und mit Avanafil oder Vardenafil behandelt werden
  • Patienten, die einen Bluthochdruck in der Lunge haben und deshalb mit Sildenafil behandelt werden
  • Patienten, die Angstzustände haben, was einem psychiatrischen Krankheitsbild entspricht und mit Clorazepat, Diazepam, Estazolam, Flurazepam, Triazolam oder Midazolam behandelt werden.

Gleichen Sie dieses einmal mit den Patienten ab, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf im Rahmen einer SARS-CoV-2 Infektion haben, ab. Da bleiben eigentlich nur noch Diabeter, Patienten mit Nieren- und Lebererkrankungen gefahrlos übrig, denen ich Paxlovid® verschreiben dürfte, um mich nicht auf sehr dünnes Eis zu begeben.
Diabetiker haben aber in der Regel, gerade wenn sie älter sind weitere Grunderkrankungen und meistens auch eine, zumindest beginnende, koronare Herzerkrankung. Patienten mit einer Nieren- und/oder Lebererkrankung haben meistens auch noch zusätzlich weitere Erkrankungen, von denen mindestens eine wiederum in der Kontraindikationsliste aufgeführt ist.

 

Daher frage ich mich, wem sollte Paxlovid®  abgegeben werden können? Und wieso schreibt Lauterbach in seinem Tweet, es wird viel zu wenig genutzt? Es kann überhaupt nicht häufiger genutzt werden. 

Neben diesen Ungereimtheiten enthält der Tweet auch indirekt den Aufruf zu einer grenzwertigen Handlung, wie ich finde. Er schreibt: “Ab sofort dürfen Hausärzte das antivirale Medikament Paxlovid selbst dem Patienten abgeben, auch ohne Gang zur Apotheke.” Nun bin ich kein Jurist, aber im Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln steht ab §§43 ganz eindeutig, wer in Deutschland Medikamente abgeben darf und das ist die Apotheke. Ich bin KEINE Apotheke. Im selben Gesetz steht in §95 sogar auch, wie ich bestraft werde, wenn ich Medikamente als Nicht-Apotheker abgebe.

Möglicherweise verstehe ich hier aber auch wieder etwas falsch, so wie bei Uschi Glas und ihrer Impfkampagne. Deshalb habe ich mal direkt bei Herrn Lauterbach nachgefragt, wie es sich diesbezüglich verhält und werde Ihnen, sobald ich hier Klarheit habe, dieses wissen lassen.