Was gab es doch alles tolles in den 80ziger Jahren des letzten Jahrhundert. Ich erinnere mich sehr gerne an ausgeprägte Schnauzbärte, z.B. von Tom Selleck in Magnum, den GameBoy von Nintendo, der Beginn des Privatfernsehens mit RTL und SAT.1, erbitterte Feindschaften zwischen den Anhängern von Dallas und auf der anderen Seite dem Denver Clan über die Frage, welche von beiden Serien die besser war, die Neue Deutsche Welle, Vokuhila (vorne kurz hinten lang) Haarschnitte, Punker, den Zauberwürfel und was noch alles. Ich könnte die Aufzählung fast beliebig lang fortsetzen.

Wenn Sie in den 80ziger Jahren entweder noch nicht geboren waren oder noch zu klein waren, um diese Zeit mitzubekommen, dann tut es mir fast ein bisschen leid für Sie, denn es war eine tolle Zeit.
Bis zu dem Zeitpunkt, als AIDS, ausgelöst durch HIV auftrat. Plötzlich wurden homosexuelle Männer wieder enorm stigmatisiert und drangsaliert. Homosexuelle Männer trauten sich nicht mehr, sich als diese zu outen, dabei haben sie keinem etwas zu Leide getan. Sie wurden einfach unterdrückt und wer zugab, er war homosexuell, wurde als die Gesellschaft krankmachendes Individuum angesehen und ausgegrenzt. Es war bei Leibe nicht alles schön in den 80ziger Jahren.

Ende der 80ziger, Anfang der 90ziger Jahre erkannte man dann, dass AIDS, ausgelöst durch HIV keinesfalls nur ein Problem homosexueller Männer war sondern aller sexuell aktiver Personen. Langsam änderte sich auch die Werbung und es wurde vermehrt für die Benutzung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr, unabhängig von der sexuellen Vorliebe, geworben. Ich erinnere mich noch sehr gut an die wunderbar gemachte Kondomwerbung mit Ingolf Lück.
Erst ganz allmählich und ganz langsam haben sich homosexuelle Männer wieder zu ihrer Homosexualität bekennen können und schlußendlich hat es Jahrzehnte gedauert, bis sie dieses offen und ehrlich zugeben konnten, ohne entsprechende Repressalien, Unterdrückungen, Ausgrenzung und Verächtungen befürchten zu müssen.

Das, was jahrelang gedauert hat, offen seine sexuellen Neigungen zugeben zu können, ohne stigmatisiert zu werden, ohne sich verstecken zu müssen, wird nun wieder zusehends innerhalb nur weniger Wochen, allenfalls Monaten, kaputt gemacht. Und das nennt sich dann moderne, aufgeklärte Gesellschaft?
Wie kann man bitte, ohne Erkenntnisse, wie wir aus der letzen Nachricht bereits wissen, ernsthaft über eine präventive Impfung von Risikogruppen gegen Affenpocken auch nur nachdenken? Mir scheint, dass nicht nur Lauterbach unerträglich sondern inzwischen auch Mertens, der STIKO Vorsitzende, sich in genau dieselbe Richtung entwickelt hat.
Ob man sich gegen etwas impfen lassen möchte oder nicht, sollte einzig und alleine eine individuelle Entscheidung sein, die man nach einer sachlichen, ruhigen, über die Erkrankung ernsthaften Aufklärung und Information treffen sollte. So wie man selbst entscheiden sollte, ob man rauchen möchte, Alkohol trinken möchte, Risikosportarten betreiben möchte oder eben nicht.
Aber über eine präventive Impfung von Risikogruppen nachzudenken, führt allenfalls dazu, wenn es überhaupt die Risikogruppen primär betreffen würde, was die Affenpocken keinesfalls tun, wie die Zahlen aus der letzten Nachricht aufzeigen konnten, dass sich die “Mitglieder” diese Risikogruppen als genau diese nicht mehr zu erkennen geben. Und wohin dieses Verhalten mit der Übertragung des HI-Virus in den 80ziger Jahren geführt hat, ist sicherlich allen, die damals schon etwas älter waren, hoffentlich noch wohl bekannt. Es hat nämlich zu einer explosionsartigen Verbreitung des HI-Virus geführt, weil sich die vermeintlichen “Risikogruppen” nicht mehr als diese zu erkennen gaben und man überhaupt keine gezielte Aufklärung vornehmen konnte.

Und genau da sind wir nun wieder angekommen. Herzlichen Glückwunsch Herr Lauterbach und Herr Mertens. Ganz wunderbar gemacht! Welcher homosexuelle Mann wird nach dieser Äußerung der beiden noch zugeben, dass er homosexuell ist? Keiner! Und ich ich verstehe sie alle und alle haben mein Mitgefühl.