Mit dem heutigen Post möchte ich direkt an den letzten “Wir müssen die Alten schützen – müssen wir?” anschliessen.

Unsäglich finde ich die Forderung von Montgomery, dem Weltärztepräsidenten, nach einem Sonderrecht für Geimpfte. Sonderrechte bezieht sich hierbei auf die Rückgabe von Grundrechten.
Alleine, das ich über die Rückgabe von Grundrechten schreiben muß, ist für mich ein Unding und wäre in einem demokratischen Staat gar nicht möglich oder notwendig, da hier Grundrechte nicht mal soeben entzogen oder eingeschränkt werden könnten, wenn nicht die Verhältnismäßigkeit dieses gebietet. 

In einer Demokratie, so wie wir sie bis Anfang des letzten Jahres hatten, hat man Grundrechte mit Geburt bekommen. Eingeschränkt werden konnten sie nur, indem mittels eines Gerichtsverfahren, z.B. infolge einer Straftat ebendieses verhängt wurde (Gefängnisstrafe schränkt das Grundrecht auf Freiheit und freie Berufsausübung ein) oder die Verhältnismäßigkeit bei der Abwägung zweier Grundrecht gegeneinander die Einschränkung eines der beiden Grundrechte für notwendig erschienen ließ.
Grundrechtseinschränkungen bzw. die Wegnahme von Grundrechten für ein Individuum aufgrund eines Verhaltens, das nicht den Staatsvorgaben entspricht, gibt es nur in einer Diktatur. Zuletzt gab es dieses in der DDR auf deutschem Boden. Hier konnten Grundrechte entzogen werden, wenn man anderer Ansicht als das Regime war und sich nicht sozialkonform nach Auffassung des Regimes benommen hat. Stellte man einen Ausreiseantrag, was ganz sicher nicht sozialkonform des Sozialismus gegenüber war, mußte man mit massiven Einschränkungen, Gängelungen und Repressalien rechnen. Ebenso die Pankerszene in der ehemaligen DDR.

Begrüssen kann ich die Absage des Ethikrates, über die Rückgabe von Grundrechten für bestimmte Personengruppen nachzudenken. Grundrechte gehören jedem einzelnen, der nichts verbrochen hat, sofort und OHNE Diskussion zurückgegeben. 

Hingegen muß ich es ganz deutlich sagen. Ich finde die folgende Aussage eines Weltärztepräsidenten nicht nur erbärmlich sondern geradezu erschreckend, da es zeigt, welch untergeordnetes Verhältnis Menschen, vor allem Menschen, denen man zuhören sollte, zur Demokratie haben, die so etwas ernsthaft zur Diskussion stellen: “Ich finde, dem Rat fehlt der Mut, den Menschen ihre Grundrechte wieder einzuräumen, die entweder die Krankheit durchgemacht haben und dadurch immun sind, oder die sich dem Impfen als einem sozialen Solidaritätsakt unterzogen haben“.
Prof. Montgomery ist dem Alkohol durchaus nicht ganz abgeneigt, wie Sie auf dem zweiten Foto des Berichts über den Neujahrsempfang Deutscher Hausärzteverband ersehen können. Auch ein gutes Glas Wein würde er nicht ablehnen. Dieses, so die Überlegungen von Herrn Montgomery fortgeführt, widerspricht jedoch dem sozialen Solidaritätsakt eines Einzelnen der Gesellschaft gegenüber vollständig. Nicht nur, dass es Menschen gibt, die zu den trockenen Alkoholikern gehören, denen es enorm schwer fällt, dem Alkohol auch weiterhin zu entsagen und insbesondere dann, wenn sie Menschen mit Alkohol in der Hand sehen sondern auch, weil, wie bekannt, Alkohol bereits in geringsten Mengen zu entsprechenden Spätschäden führen kann, die wiederum von der Sozialgesellschaft zu bezahlen sind und die zur Verfügung gehaltenen Strukturen des Gesundheitssystems möglicherweise hierfür in Anspruch nehmen müssen. Da frage ich mich, wie sozial und welcher Solidaritätsakt verbirgt sich denn hinter dem Verhalten des Herrn Prof. Montgomery? Ich kann keinen erkennen.
Somit zeigt sich, dass eine solche Aussage nicht nur sehr schnell ad absurdum geführt werden kann sondern sogar einfach nur dümmlich ist. Keinesfalls ist sie eines Weltärztepräsidenten würdig. Dieser hat sich für die Kranken und Schwachen einzusetzen, nicht aber Menschen auszugrenzen und in einem einzig und allein einem ordentlichen Gerichtsverfahren vorenthaltenen Prozess über die weiterhin bestehenden Einschränkung oder Rückgabe von Grundrechten zu urteilen.
Möglicherweise fordert er dann zukünftig konsequenterweise, wer Alkohol trinkt, verhält sich zu tiefst wider dem sozialen Solidaritätsakt. Ich bin sicher, auf diese Idee kommt er nicht. 

Als allgemein ein hoher Akt der Solidarität wird die (Geld)Spende an eine (soziale) Organisation in unserer Gesellschaftsstruktur angesehen. Mit dem überaus dümmlichen Argument des Weltärztepräsidenten ließe es sich ebenso fordern, dass nur die ihre Grundrechte dauerhaft behalten können, die regelmäßig entsprechende Spenden tätigen. Wenn jemand dieses für sich, gleich aus welchen Gründen auch immer ablehnt, müßte man konsequenterweise, den Forderungen von Herrn Prof. Montgomery folgend, dieser Personengruppe zukünftig auch ihre Grundrechte entweder entziehen dürfen bzw. nicht mehr zugestehen dürfen.
Wie kann man nur so egoistisch und vor allem so anti-demokratisch denken?