Als ich Medizin studiert habe, was nunmehr zugegebenermaßen fast 30 Jahre zurück liegt, habe ich viel über Physiologie (Vorgänge des Lebens in Organismen) gelernt. Anschliessend habe ich mich, um mit den neuesten Entwicklungen in der Medizin mithalten zu können, viel weitergebildet.


In meiner gesamten Ausbildungs- und anschliessenden Weiterbildungszeit habe ich stets mitgenommen, dass es hochintelligente (=hochentwickelte), intelligente und einfache Lebensformen gibt. Zu den hochintelligenten Lebensformen zählt beispielsweise der Mensch, wobei ich da in den letzten 2 Jahren ehrlich gesagt bei vielen dieser Spezies nicht mehr wirklich von überzeugt bin. Zu den intelligenten Lebensformen zählen die meisten Säugetiere. Zu den einfachen Lebensformen zählen Bakterien und andere Einzeller.
Viren zählten bisher für mich immer zu den organischen Strukturen, die dem Leben nahestehen, selbst aber keine Lebewesen darstellen, da sie für ihre Vermehrung stets auf entsprechende Wirtszellen angewiesen sind, in denen sie sich vermehren können, da sie keinen eigenen Stoffwechsel aufweisen.

Ein wesentliches Merkmal der vermeintlich hochentwickelten Lebensform ist beispielsweise, dass sie ihre Handlungen planen können, ihr eigenes Handeln kritisch reflektieren können, sich kommunikativ gezielt untereinander verständigen können, Zeit und Ort differenzieren können. Falls Sie auch so eine entsprechend entwickelte Lebensform kennen, man nennt diese Lebensform Mensch. Nicht alle können ihr eigenes Handeln kritisch reflektieren, aber eine kleine Zahl dieser Lebensform kann das.
Viren gehörten bisher, zumindest meiner Erkenntnis nach, nicht dazu. Schon alleine bei der zeitlichen Differenzierung haperte es doch ganz gewaltig bei Viren. Sie konnten keine Uhrzeiten lesen, keine Örtlichkeiten differenzieren. Sie befielen in der Vergangenheit einfach alles und jeden, zu jedem denkbaren oder undenkbaren Zeitpunkt, der einen potentiellen Wirt darstellte.

Seit spätestens März 2020 ist das jedoch vollständig anders. Seit dieser Zeit gibt es ein Virus, dass zeitlich differenzieren kann, dass sich seinen Wirt anhand des Alters aussucht und Örtlichkeiten differenzieren kann. Das Virus wird als SARS-CoV-2 bezeichnet. Es erinnert mich ein bisschen an Web 2.0. Das ist irgendwie auch besser, anders, als das schnöde bis dahin existente Web. Allerdings könnte ich den Unterschied nicht wirklich beschreiben, was jedoch möglicherweise an meinem Beruf liegt. Ich bin schliesslich Arzt und nicht IT-Ingenieur.
Aber als Arzt hat mich SARS-CoV-2 doch massiv überrascht. Plötzlich ist die gesamte Wissenschaft aus dem Häuschen und aus meiner Sicht mehr als verständlich. Denn plötzlich gibt es ein Virus, dass beispielsweise zeitlich differenzieren kann. Es ist nur in der Zeit zwischen 21.00 und 05.00 Uhr aktiv. In der Zeit von 05.00 bis 21.00 Uhr droht keine Gefahr von dem Virus, weshalb es natürlich auch nur folgerichtig war, anfänglich, als das Virus noch noch nicht beherrscht werden konnte, eine Ausgangssperre in dieser Zeit einzuführen. Darüber hinaus kann das Virus zählen und befällt nur Gruppen mit mehr als 3 Personen, zumindest anfänglich, als man das Virus noch nicht beherrschte. Daher war es auch absolut folgerichtig, Menschenansammlungen von mehr als zwei Personen zu verbieten. Aber das Virus ist so schlau, dass es unterscheiden kann, ob es sich um private oder öffentliche Menschenansammlungen handelt, den diese Vorgaben galten natürlich nur für den privaten, niemals jedoch für den ÖPNV Bereich. Auch im öffentlichen Bereich kann das Virus unterscheiden, ob es sich um Menschenansammlungen im ÖPNV Bereich oder um eine Menschenansammlung im Rahmen einer Demonstration handelt.
Bei der Person, die das Virus befällt oder von dem aus es übertragen werden kann, sieht es sich vorher genau das Alter der Person an. In der Regel hat das Virus seinen Stolz und befällt keine Personen, die jünger als 6 Jahre sind und kann somit von diesen auch nicht auf andere übertragen werden. Folgerichtig muß man auch erst in der Regel ab 6 Jahren die Hälfte seines Gesichts bedecken.
Eine Impfung benötigen nur Menschen über 18 Jahre, da das Virus scheinbar dann doch noch irgendwie einmal differenzieren kann und zwischen 6 und 18 Jahren irgend etwas macht aber scheinbar nicht krank und auch nicht auf andere übertragen werden kann. Somit ist es natürlich auch absolut folgerichtig, eine Impfpflicht nur für ab 18 jährige einzuführen.

Ich fasse noch einmal zusammen. Das SARS-CoV-2 ist so schlau, es kann folgendes:

  • zeitlich differenzieren
  • zählen
  • örtlich differenzieren.

Ich bin ehrlich. Einige meiner dementen Patienten haben damit deutlich größere Schwierigkeiten als dieses Virus. Von daher ist es nur folgerichtig vor diesem Virus mehr Respekt zu haben als vor den dementen Ollen, die in meine Praxis kommen oder die ich regelmäßig zu Hause besuche. Obwohl diese Erkrankung so sehr bittere Momente haben kann, gibt es doch gerade auch mit diesen Patienten immer wieder so sehr lustige und herzliche Momente, weshalb ich auch sie so enorm liebe und schätze.

Jetzt endlich aber erschließen sich mir die gesamten Maßnahmen zu diesem überaus klugen und intelligenten Virus. Ihnen auch? Macht Sinn, oder?