Die Welt hat den erneuten Vorstoß einer Impfpflicht gegen Covid-19 so wunderbar als “Scheinheilig, nicht durchführbar und populistisch” betitelt. Als ich heute einen Artikel in den Annals of Internal Medicine über die HPV-Impfung gelesen habe, habe ich mich wieder einmal mehr gefragt, wann werden diese schlecht gebildeten und schlecht informierten Covidioten eigentlich endlich von dieser unsinnigen Impfpflicht gegen Covid-19 ablassen?

HPV ist die Abkürzung für Humanes Papilloma Virus. HPV verursacht bei Frauen Gebärmutterhalskrebs und in seltenen Fällen bei Männern Peniskarzinome. Gegen zwei der Virustypen gibt es seit 2007 in der EU einen zugelassenen Impfstoff. Seit 2015 gibt es dann sogar eine Zulassung für einen Impfstoff gegen vier bzw. neun der häufigsten Virentypen von HPV. Ursprünglich war die Impfung nur für junge Mädchen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten, zugelassen und empfohlen, seit 2018 ist es dann auch für Jungs zugelassen.
Da HPV die oben aufgeführten Erkrankungen auslösen können und durch den Geschlechtsverkehr übertragen werden, macht die Empfehlung vor dem ersten Geschlechtsverkehr die Immunisierung, die nach derzeitigen Erkenntnissen ein lebenslang hält und nicht aufgefrischt zu werden braucht, durchzuführen und abzuschließen durchaus Sinn. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die bereits Geschlechtsverkehr hatten, macht es Sinn, vor der Impfung den Immunstatus zu überprüfen, da eine einmal erfolgte Besiedelung der vaginalen, analen oder Penisschleimhaut mittels HPV durch eine Impfung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Jetzt ist in den Annals of Internal Medicine die oben von mir angesprochene Arbeit publiziert worden. Hierbei wurde die Prävalenz einer HPV-Infektion bei jungen Frauen vor und nach Einführung der Impfung in einem Vierjahres-Zeitraum (2003 – 2006 und 2015 – 2018; in den USA wurde der vierfach Impfstoff deutlich früher zugelassen als in der EU), untersucht. Es zeigt sich, dass durch die Impfung die Prävalenz einer HPV-Infektion um insgesamt 90% zurückgegangen ist. Erfreulich war, dass die Prävalenz auch bei den Ungeimpften um insgesamt 74% zurück gegangen ist. Somit zeigt sich, dass hier ein deutlicher Herdenschutz entstanden ist. Da nicht gegen alle HPV-Typen ein Impfstoff zur Verfügung steht, hätte man vermuten können, dass sich durch die Impfung die anderen Typen stärker ausbreiten. Dieses war jedoch nicht der Fall, was ebenfalls als sehr erfreulich zu werten ist.

Warum wird eigentlich immer noch bei diesen Coronaimpfstoffen, die eine Nebenwirkungshäufigkeit, die deutlich über den anderer Impfstoffe und auch mit erheblich mehr Todesfällen behaftet ist als bei anderen Impfstoffen, über eine Impfpflicht diskutiert, die darüber hinaus noch nicht einmal eine Übertragung auch nur ansatzweise reduzieren können und die Erkrankung in der Regel eher lästig als tödlich verläuft, bei einer HPV-Impfung aber nicht, obwohl diese seit Jahren, Jahrzehnten im Markt ist, gut verträglich ist, einen Schutz vor einer Übertragung bietet und darüber hinaus indirekt eine Impfung gegen, zumindest bei Frauen, eine häufige Krebsart ermöglicht?

Man kann natürlich auch hier lebhaft darüber diskutieren, ob eine Impfpflicht überhaupt notwendig ist, egal gegen welche Erkrankung auch immer. Und ich bin der Meinung, nein, wir brauchen auch hier keine Impfpflicht.
Zwar verhindert eine Impfung die Übertragung von HPV, weshalb man argumentieren könnte, dass auch junge Männer ihren Teil zum Schutz der Frauen (Cervixkarzinome sind deutlich häufiger als Peniskarzinome und deutlich häufiger durch HPV ausgelöst) beitragen sollten. Allerdings wäre diesem Argument entgegenzuhalten, dass ja durch die Impfung auch jeder (Junge/Mann und Mädchen/Frau)
die Möglichkeit hat, sich selbst zu schützen.
Von daher bin ich überhaupt nicht, bei keiner impfpräsentablen Erkrankung, für eine Impfpflicht. Denn diese stellt immer eine Körperverletzung dar, weshalb zuerst stets eine umfängliche, individuelle und ausführliche Aufklärung erfolgen muß. Durch eine Impfpflicht wäre aber gerade die Körperverletzung staatlich verordnet und gebilligt
. Der Staat darf aber niemals eine Körperverletzung, egal wie schwer auch immer diese ist, legitimieren, da es auch zukünftig die Entscheidung eines Einzelnen sein muß und die Körperverletzung niemals eine Abwägung gegen den individuell möglichen Schutz darstellen darf.

Aber wenn eine Impfpflicht überhaupt Sinn machen würde, dann doch wohl nur bei einer Impfung gegen HPV.