Das Ärtzeblatt Sachsen hat von der Vorsitzenden es EbM-Netzwerkes eine Stellungnahme zu der derzeitigen Situation zu Corona veröffentlicht. Beim EbM-Neztwerk handelt es sich um das Evidenzbasierten Medizin-Netzwerk. Im Leitbild des EbM-Neztwerkes heisst es: “Unser Leitbild ist geprägt durch kritisch-wissenschaftliches Denken, Orientierung am Patientennutzen, Freude an der Berufsausübung und kontinuierliche professionelle Entwicklung.”.

Sie finden die angesprochene Veröffentlichung der Vorsitzenden Prof. Mühlhausen unter diesem Link.

In dieser Stellungnahme finden sich folgende Aussage wieder.

  • Es stellt sich die Frage, wer darf entscheiden, wer wahrhaftiger Wissenschaftler und wer Pseudowissenschaftler ist?
  • Die tatsächliche Leugnung von „wissenschaftlich unstrittigem Wissen“ ist vermutlich selten. Gerade die Corona-Pandemie hat jedoch gezeigt, wie fragmentarisch unser Wissen oft ist . Dann geht es vorrangig um die Interpretation von unsicheren wissenschaftlichen Daten …
    Selbst Christian Drosten musste als SARS-Viren spezifischer Fachexperte im Laufe der Pandemie wesentliche Aussagen korrigieren.
  • Solange RCT (Randomisierte kontrollierte Studien) zu relevanten Präventionsmaßnahmen fehlen, sind jedoch eigenwillige Interpretationen von Daten aus Zeitreihen und Beobachtungsstudien nicht immer zu entkräften.
  • Es gibt zahlreiche Beispiele aus der Präventionsmedizin und Public Health, wo sich vermeintlich wirksame Interventionen letztlich in kontrollierten Studien als unwirksam oder sogar schädlich herausgestellt haben.
    Das EbM-Netzwerk hat daher in seinen Stellungnahmen zu COVID-19 gefordert, von Beginn an die einzelnen Präventionsmaßnahmen im Rahmen kontrollierter Studien zu implementieren.
  • Logische Trugschlüsse sind in der akademischen Welt der Medizin und in der medialen Kommunikation zu Gesundheitsthemen weit verbreitet. Experten und Journalisten nutzen sie, mehr oder weniger bewusst, um ihre Botschaften zu transportieren. Bilder überfüllter Krankenhäuser oder Schicksale einzelner Patienten sollen die Dramatik der Pandemie vermitteln. Die Kasuistik dient hier als Surrogat für eine wissenschaftliche Beweisführung ursächlicher Zusammenhänge.
  • Wenn die Öffentlichkeit von einer anhaltenden Gefährlichkeit jeglicher SARS-CoV-2-Infektion überzeugt werden soll, wird aktuell ein weiterer Logikfehler bedient .Long-COVID würde drohen. Es wird der Eindruck vermittelt, als wären Langzeitbeschwerden von COVID-19- Erkrankten ausschließlich der Virusinfektion geschuldet. Um einen kausalen Zusammenhang nachzuweisen, braucht es gut geplante kontrollierte Studien.
  • Es werden vorwiegend Studiendaten berichtet, die die eigenen Thesen stützen . Die Nicht-Berücksichtigung von Arbeiten anderer, oft konkurrierender Autoren ist ein ernsthaftes Problem. Das Ausblenden von nicht-genehmen Studienergebnissen führt zu falschen Schlussfolgerungen . Das Weglassen wichtiger Informationen wird auch bei der Kommunikation zu COVID-19 medial eingesetzt. Beispielsweise werden zur Dramatisierung der Infektionslage Häufigkeiten ohne angemessene Referenzgrößen genannt.
  • Kritische Gesundheitsbildung ist eine wenig entwickelte Kompetenz in unserer Gesellschaft