Was zu lesen ist

Die CARTESIAN-Studie (Covid-19 effects on ARTErial StIffness and vascular AgeiNg) hat herausgefunden, dass bis zu 12 Monate nach einer COVID-Infektion eine erhöhte Inzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen besteht (1). Diese kardiovaskulären Erkrankungen äußern sich in einer beschleunigten Gefäßalterung. Je älter ein Gefäß ist, um so unflexibler wird es. Bedingt hierdurch steigt der Blutdruck und die Gefahr einer Kalkablagerung in den Gefäßwänden, was schlussendlich zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann.

Die Gefäßsteifigkeit wird anhand der sogenannten kardialen Pulswellengeschwindigkeit errechnet.

Die Nachricht über die Ergebnisse dieser Studie wurde nicht nur in kardiologischen Fachkreisen zur Kenntnis genommen (2), auch in der Laienpresse tauchten die Ergebnisse auf (3, 4).

 

Was herausgefunden wurde

In der CARTESIAN-Studie wurde in 38 Zentren in 18 Ländern weltweit insgesamt 2.390 Personen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren rekrutiert. Der Untersuchungszeitraum war Sep. 2020 bis Feb. 2022. Die Studie umfasst 49,2% Frauen und 50,8% Männer.

Weitere Parameter, die im Rahmen der Untersuchung erfasst wurden, waren:

  • Alter
  • Geschlecht
  • Körpergröße und -gewicht, woraus der BMI errechnet wurde
  • Systolischer und diastolischer Blutdruck (Anm.: der obere und untere Blutdruckwert), woraus der mittlere Blutdruck errechnet wurde
  • Herzfrequenz
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Nikotinabhängigkeit
  • Fettstoffwechselstörung
  • Bekannte kardiovaskuläre Gefäßerkrankung
  • Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten
  • Einnahme von blutfettsenkenden Medikamenten
  • Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten
  • Beschäftigung im Gesundheitswesen
  • Herkunft aus einem Land mit niedrigem Einkommen
  • Ethnische Herkunft

Die in die Studie eingeschlossenen Probanden wurden in jeweils eine der folgenden vier Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1 = Kontrollgruppe, die keine COVID-19 Erkrankung hatten
  • Gruppe 2 = COVID-19 Erkrankte, die nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten
  • Gruppe 3 = COVID-19 Erkrankte, die im Krankenhaus behandelt werden mussten
  • Gruppe 4 = COVID-19 Erkrankte, die auf der Intensivstation behandelt werden mussten.

Die tabellarisch dargestellten Ergebnisse zeigen folgendes Bild:

 

Parameter Gruppe 1

(Kontrollgruppe)

Gruppe 2

(COVID-19 ohne KH-Behandlung)

Gruppe 3

(COVID-19 mit KH-Behandlung)

Gruppe 4

(COVID-19 mit Intensivstation)

Alter (Jahre) 42,2 44,9 57,9 57,9
Männer (%) 44,5 48,6 63,6 71,9
Gewicht (kg) 73 75 81 85
BMI (kg/m2) 24,9 26,0 38,0 29,1
Systolischer Blutdruck 119 123 133 131
Bluthochdruck (%) 19,2 21,1 41,8 36,3
Diabetes (%) 2,30 7,37 8,80 23,30
Raucher (%) 12,5 11,3 3,29 0,68
erhöhte Blutfettwerte (%) 12,0 20,5 38,4 33,6
bek. Gefäß-erkrankung (%) 3,32 4,59 8,23 10,27
Blutdruckmedi-kamente (%) 16,6 19,0 31,3 28,8
Blutfettsenkende Medikamente (%) 8,44 9,78 19,6 22,6
Blutzuckersenken-de Med. (%) 2,81 5,80 14,10 16,40

 

In der Tabelle sind die bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren, die einen gesicherten Einfluss auf die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen haben, dargestellt. Hierbei zeigte sich, dass das Alter deutlich zunahm, je schwerer die Patienten erkrankt waren und fand bei denen, die im Krankenhaus und auf der Intensivstation behandelt werden mussten, ihre größte Ausprägung.

Ebenso waren die anderen Risikofaktoren zunehmend stärker ausgeprägt in den jeweiligen Gruppen, zumindest bis zu der Gruppe 3, in der die Patienten zusammengefasst wurden, die eine COVID-19 Erkrankung hatten und im Krankenhaus, jedoch nur auf einer peripheren Station, behandelt werden mussten. Einzig und alleine die Raucher waren in der Kontrollgruppe am stärksten vorhanden.

 

Was an der Veröffentlichung problematisch ist

Aufgrund der ausgewerteten Untersuchung kommen die Studienautoren zu dem Schluss, dass die Gefäßalterung mit zunehmendem Schweregrad einer COVID-19 Infektion assoziiert ist. Das Gefäßalter geht mit einer zunehmenden Gefäßsteifigkeit einher. Diese wiederum geht mit einer zunehmenden Pulswellengeschwindigkeit in einem Blutgefäß einher. Hierbei wird normalerweise die Pulswellengeschwindigkeit an einer Arterie an zwei unterschiedlichen Punkten, z. B. Ellenbogenarterie und Unterarmarterie, gemessen. Auf diese Weise wird der zeitliche Verlauf der Pulswelle ermittelt und anschließend hieraus die Gefäßsteifigkeit errechnet. Die Studienautoren haben jedoch die Pulswellengeschwindigkeit zwischen der Halsschlagader und der Oberschenkelarterie zur Bestimmung der Gefäßsteifigkeit herangezogen. Die Pulswellengeschwindigkeit in einem Gefäß hängt jedoch unter anderem ausschlaggebend vom Gefäßdurchmesser ab. Bis zur Halsschlagader ist der Gefäßdurchmesser insgesamt deutlich kleiner als bis zur Oberschenkelarterie. Inwieweit dieses Berücksichtigung in der anschließenden Berechnung der Pulswellengeschwindigkeit, die über einen sehr breiten Zeitraum gemessen wurde und damit Limitierungen aufweist,gefunden hat, wurde in der Veröffentlichung nicht weiter ausgeführt.

Alle Risikofaktoren waren bei den Patienten, die zumindest im Krankenhaus behandelt werden mussten, stärker ausgeprägt als in den anderen Gruppen. Somit kann nicht sicher geschlussfolgert werden, dass die Gefäßsteifigkeit, die mit dem Gefäßalter verbunden wird, auf die COVID-19-Infektion zurückzuführen ist. Alle kardiovaskulären Risikofaktoren nahmen in den Gruppen (1 – 4) zu. Hier zeigt sich, dass die Patienten, die im Krankenhaus behandelt wurden, deutlich kränker waren als die, die nicht im Krankenhaus behandelt wurden.

Diese Erkenntnisse sind jedoch keineswegs neu und waren schon während der Coronazeit das ausschlaggebende Kriterium für den Schweregrad der Erkrankung.

 

 

Angeblich führt eine COVID-19 Infektion, je schwerer sie verläuft zu einer zunehmenden Gefäßalterung, was die CARTESIAN-Studie versucht hat, herauszufinden.

Hierzu wurden vier Gruppen gebildet und die Gefäßsteifigkeit, die einen Parameter für das Gefäßalter darstellt, jeweils gemessen.

Je schwerer die COVID-19 Infektion verlief, um so höher waren bei den Studienprobanden die bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Übergewicht, Diabetes mellitus, ausgeprägt.

Daher lässt sich nicht schlussfolgern, dass die COVID-19-Infektion der ausschlaggebende Risikofaktor für die Alterung der Gefäße ist.

Für die Bestimmung des Gefäßalters wurde die Pulswellengeschwindigkeit, gemessen zwischen der Halsschlagader und der Oberschenkelarterie, verwendet. Normalerweise wird die Pulswellen-geschwindigkeit in einer Arterie an zwei unterschiedlichen Punkten gemessen, da die Pulswellen-geschwindigkeit ausschlaggebend auch vom Gefäßquerschnitt abhängig ist. Der gesamte Gefäßquerschnitt vom Herzen zur Halsschlagader weicht deutlich von dem zur Oberschenkelarterie ab. Inwieweit dieser Einfluss Berücksichtigung fand, ist aus der Studie nicht erkenntlich, stellt jedoch einen erheblichen Einflussfaktor dar.

Das die Raucher in der Kontrollgruppe am stärksten vertreten waren, ist sicherlich kein Zeichen der protektiven Wirksamkeit einer Nikotinabhängigkeit vor einer COVID-19 Erkrankung. Vielmehr ist davon auszugehen, je schwerer krank die Probanden waren, umso mehr haben sie den Nikotinkonsum eingestellt. Es wurde auch nur erfasst, ob es eine Abhängigkeit gab oder nicht. Somit erklärt sich, weshalb Probanden, die auf der Intensivstation mit einer COVID-19 Erkrankung behandelt wurden, die geringste Nikotinabhängigkeit aufwiesen.

Zwar wurden bekannte kardiovaskuläre Risikofaktoren bei der Einteilung der einzelnen Gruppen mit unterschieden. Die Therapie, die hier sehr unterschiedlich und möglicherweise individuell erfolgt ist, wurde nicht berücksichtig, kann jedoch einen ausschlaggebenden Effekt auf die Ergebnisse der Pulswellengeschwindigkeit darstellen.

Die Rekrutierung der einzelnen Gruppen war sehr heterogen und zeigte Unterschiede zwischen den Zentren, weshalb die dann zusammengefassten Gruppen möglicherweise bereits interindividuelle Unterschiede, die nicht ohne weiteres miteinander vergleichbar sind, aufzeigten. In der Kontrollgruppe wurden sogar Krankenhausmitarbeiter ohne weitere Risikostratifizierung mit eingeschlossen.

Quellenangaben

 

Der nächste Beitrag erscheint am 15. Februar. Er beschäftigt sich mit einer Untersuchung, die zeigen soll, dass angeblich die Anwendung der modRNA-Technologie zu keiner Übersterblichkeit und nicht zu Turbokrebs führt und fraglichen Assoziation von Lauterbach.

 

Stand: 07.12.2025
Veröffentlicht: 15.01.2026